Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 22 (25.5.1909)
- Date
- 1909-05-25
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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unseres künftigen staatlichen Lebens, in Fremdenbücher, auf Wegweisern und Felsenhöhen befestigt und so aller Welt von unserm Lebenswillen Kunde gibt. In Sommerfrischen und Badeorten werden sich Bekanntschaften zwischen Juden verschiedener Orte, Länder und Zungen bilden, und die Erkenntnis, wie allgegenwärtig und wie mächtig unsere Idee ist, wird jedem einzelnen den Mut stärken, auf dem betretenen Wege auszuharren, damit einst wir oder doch unsere Nachfahren an dem künftigen Schewuothfeste die Erstlinge darbringen können in unseres Volkes Hauptstadt Jerusalem. Zu Theodor Herzls fünftem Todestage Am 20. Tammus (9. Juli) d, J. kehrt der Tag zum fünften Male wieder, an dem unser unvergeßlicher Führer in der Blüte seiner Jahre und auf dem Höhepunkt seines Schaffens dem jüdischen Volk entrissen wurde. Noch die fernsten Geschlechter in Israel werden das Andenken des Verewigten als eines der größten und edelsten Söhne des jüdischen Volkes segnen. Uns jedoch, die wir uns mit Stolz seine Jünger nennen, denen er mit eigener Hand die Wege gewiesen hat zur Wiederaufrichtung unseres Volkes im altneuen Lande unserer Väter, — uns ziemt es nicht, mit bloßen Worten der Wehmut des Meisters zu gedenken, die Jahreswende seines Heimganges etwa durch beschauliche Trauerfeiern tatenlos zu begehen. Damit würden wir am allerwenigsten im Sinne Herzls handeln. Die würdigste Art, das Andenken Herzls an seinem Todestage zu feiern, besteht darin, daß wir einmütig durch die Tat unseren unverbrüchlichen Willen bekunden, in die Fußtapfen unseres großen Führers zu treten, das von ihm in Angriff genommene nationale Befreiungswerk unverdrossen und hingebungsvoll zu Ende zu führen. Von den Institutionen der zionistischen Bewegung war wohl keine dem verewigten Führer mehr ans Herz gewachsen, als der Jüdische Nationalfonds, wie der Aufruf beweist, mit dem er sich anläßlich des Erscheinens der ersten Nationalfondsmarken an die zionistische Öffentlichkeit wandte und den wir jüngst in der „Welt'4 veröffentlicht haben. Es konnte demnach wohl kein geeigneterer Vorwurf für die neue Marke des Jüdischen Nationalfonds gefunden werden, als die Gestalt Herzls, wie sein Blick sinnend in die Ferne schweift, und vor seinem Auge visionär im Lichte der aufgehenden Sonne der Davidsturm aufragt . . . Unsere Freunde werden sicherlich im Geiste Herzls wirken, wenn sie am Jahrestage seines Todes sich der großen Ziele erinnern, die dem Jüdischen Nationalfonds vorbehalten sind. Es ergeht daher der Ruf an alle Verehrer unseres verewigten Führers, bei den am 20. Tammus d. J. zu veranstaltenden Trauerfeiern in erster Reihe unseres Nationalfonds eingedenk zu sein. Dies kann am besten durch den Verkauf der Herzlmarken geschehen. Möge sich jeder Nationalfondskommissär und jeder zionistische Verein schon jetzt mit einem genügenden Vorrat an Herzlmarken versehen, um dieselben bei der Herzlgedenkfeier in möglichst großen Quantitäten absetzen zu können. Nur durch einen Absatz der N. F.-Marken im großen Stile wird es möglich sein, die Idee des Jüdischen Nationalfonds nach den Worten Herzls zum Gemeingut des jüdischen Volkes zu machen, indem alle Gesinnungsgenossen nicht blos als Spender, sondern als Sammler für den Nationalfonds tätig sind. Wir hegen die zuversichtliche Erwartung, daß die Sammelstellen und Nationalfondskommissionen die Gelegenheit ergreifen werden, um den Todestag Herzls in der obenangegebenen Weise würdig zu begehen. „Lawinenartig muß dieAgitation anschwellen, wenn wir alle unsere Pflicht voll tun." Wir erhalten folgendes Schreiben: Prag, 19. Mai 1909. Namens des Vereins „Bar Kochba" gestatte ich mir, Ihnen einen Vorschlag für den Nationalfonds zu machen, dessen Durchführung, wie wir glauben, sehr geeignet wäre, den Fonds materiell und moralisch zu stärken. Wir halten es nämlich für angezeigt, daß um den 3. Juli, dem fünften Todestag Herzls (die Zeit müßte natürlich genau abgegrenzt werden), auf der ganzen Welt eine große Sammlung für den N.-F. veranstaltet werde, in der Weise, daß für diese Sammlung einen Mindestbeitrag von 10 Heller (10 Pfennig) und ähnlich in andern Werten festgesetzt wird. Für diese Sammlung müßte, damit sie ihren Zweck erfüllt, in den Blättern sowohl wie von seiten der Sammelstellen eine große, planmäßige Agitation entfaltet werden, die jetzt schon einsetzen müßte. Was die Art der Sammlung betrifft, so glauben wir, daß es am vorteilhaftesten wäre, die N.-F.-Böchsen dazu zu verwenden; sie müßten am Tage vor der Sammlung geleert werden. Das so gesammelte Geld würde natürlich in der „Welt" und in den Landesorganen als aus dem angegebenen Anlaß gesammelt ausgewiesen werden. Dieser Spezialausweis würde, wenn eine bedeutende Summe zusammenkäme, eine hohe moralische Stärkung des Fonds bedeuten, und eine derartige Sammlung, einmal eingeführt, könnte alljährlich am Todestage unseres Führers wiederholt werden, wenn sie beim erstenmal gut ausfiele. Es ist selbstverständlich, daß eine solche Sammlung für den Zionismus allgemein einen hohen Wert gewinnen könnte, indem bei einer allerdings nur großzügigen Durchführung der Sache die weitesten Kreise unseres Volkes für unsere Bewegung interessiert werden könnten. Wichtigfür den Erfolg derSammlungwärees, wenn innerhalb des N.-F. ein spezieller Zweck ausfindig gemacht würde, dessen Erfüllung geeignetwäre, Herzlbesonderszu ehren; das würde den agitatorischen Wert der Sache, besonders unter den Zionisten, sehr stärken. Es wird Ihnen, falls Ihnen das Ganze annehmbar erscheint, sicher nicht schwer fallen, einen solchen Zweck zu finden. Der Erfolg hängt, wie schon erwähnt, ganz und gar nur von einer großzügigen Agitation ab, die von oben ausgehend bis in die kleinsten Vereine herabreichen müßte. Ein für diese Sammlung vorteilhaftes Moment ist es, daß bis dahin die Schekelsanimlung beendigt wäre und nun diese Sammlung mit voller Kraft einsetzen könnte. Eine derartige Aktion wäre, wenn sie gelänge, ein glänzender Beweis für die Festigkeit und Arbeitsfähigkeit unserer Organisation, — ein Beweis für uns selbst und für die andern. Indem wir es ganz Ihrem Ermessen überlassen, ob und in welcher Weise Sie die Sammlung durchführen wollen, bitten wir Sie nur, uns Ihre Ansicht darüber schriftlich bekanntgeben zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung für den Verein der Jüdischen Hochschüler „Bar Kochba" in Prag 1 phil. Viktor Kellner, dzt. Obmann-Stellvertreter. Wir haben die vorstehende Zuschrift des Vereins „Bar Kochba" ihrem vollen Wortlaute nach reproduziert, bemerken jedoch, daß wir der darin enthaltenen, recht schätzenswerten Anregung, — allerdings in etwas modifizierter Form — bereits aus eigner Initiative zuvorgekommen sind. (Vgl. den vorhergehenden Aufsatz: „Zu Theodor Herzls fünftem Todestage.")