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Die Welt · 1909-05-25 · 22 (25.5.1909) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
22 (25.5.1909)
Date
1909-05-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 22 DIE^ELT 471 3m allgemeinen Ceben^iaumd fcüjt ex i>a, ein €nterbier+ 3Wa6 beireutet er auf htm lärmenden JMarktc be& lubens? flu Hfl xrertrtgt, xierlaffen, HUetfer! flu xrermoitteft audj ntdjt einige Samenkörner ju errnifdjen, mtdj nidjt am einigen ^eljren eine (j&nrbe ju binben! Jnmttten ber gewaltigen IfttUe fte\)ft im, Manu bes (Seifies, mit leeren Rauben! Üte jtnb bie Gräfte, bie bit im Dtenfie be$ JDolke^ abgerackert \jaft? Wa* ftnb fte in biefem graben Tumult? GEht $4)auntfrla0d)eu auf üex Wette etnes großen, reif enben ström** .. 4 Ucee bee Ceibe$ Jtotimrft tjt — ju entbehren, mar ber fanfte Dulber gemannt. Hie HCrrnwt mar x\)m lieb. Iberfe^t mollte er hod) bie JFefieöfreube burd). eine ®abe erljaljen* Jllnb er befaß md)t£* $djluelj?enb fcrjroankte er uad) bem 3uge. 31Inb ber xT^r ®alb" Jtrokenbe (S)d)fe fctjrxtt nxaieftatifrt) burdj (Irinmpljpforte einljer. 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Es handelt sich hierbei, das Prinzip der jüdischen nationalen Wirtschaft einmal, wenigstens teilweise, in Anwendung zu bringen. Obwohl sämtliche zionistischen Bestrebungen einen ausgeprägten allgemein jüdischen Charakter tragen und demnach nicht besondern Parteiinteressen, sordern jüdischen Nationalinteressen zu dienen berufen sind, waren bis jetzt die Quellen der Unterhaltung unserer Institute ausschließlich zionistische, parteiische. Nur ganz wenige der an unserer Peripherie sich befindenden Kreise haben bei der Gründung unserer Kolonialbank und an einigen andern teilgenommen. Leider dokumentiert sich die innere Zerfahrenheit des jüdischen Volkes am besten durch die Abwesenheit von jedem Plan einer allgemeinen jüdischen Wirtschaftspolitik, und deswegen würde die Schaffungvon jüdischen Institutionen, von konkreten Unternehmungen, die von der Gesamtheit der Juden anerkannt und benutzt würden, eine große nationale Bedeutung haben. Eine solche Unternehmung dürfte die Gründung einer allgemein-jüdischen Assekuranzgesellschaft bilden. Durch eine Unmasse wissenschaftlicher Forschungen ist längst bewiesen, daß die jüdische Bevölkerung relativ mehr als jedes andere Volk für die ärztliche Behandlung und Versorgung ihrer Kranken und Schwächlichen sich verwendet. In den Zentren des Lebens der jüdischen Massen (im Ansiedlungsrayon in Rußland, in Galizien, in New-York usw.) ist diese Tatsache eine allgemein bekannte, und dieser Zug der Selbsterhaltung ist sämtlichen Schichten der jüdischen Bevölkerung gemein; derselbe treibt auch die mittlem und höhern Klassen der jüdischen Bevölkerung in die Kurorte der ganzen Welt, wo sie einen unverhältnismäßig großen Prozentsatz, viel über ihr quantitatives Verhältnis hinaus, ausmachen. Derselbe ausgesprochene Trieb der Selbsterhaltung äußert sich auch in einem besondern Streben fast eines jeden Juden, sich und seine Familie in irgendwelcher Weise auf die Altersjahre zu versorgen. Von den Agenten und Vertretern der Assekuranzgesellschaften wird diese Tatsache in ergiebigster Weise ausgenutzt, und die Juden bilden in vielen Orten die Hauptklientel der Assekuranzunternehmungen für Lebensversicherung (im Falle des Todes, der Invalidität und ganz besonders auf sogenannte „gemischte" Versicherungen). Wenn man die Resultate der Tätigkeit der Assekuranzgesellschaften in Rußland, z. B. von Orten mit gleicher Bevölkerungszahl innerhalb des Ansiedelungsrayons und außerhalb desselben, gegenüberstellen könnte, würde die ungemeine Leidenschaft des Juden zur Versorgung der Zukunft seiner Person, und speziell seiner Familie in eklatantester Weise hervortreten. Dem Schreiber dieser Zeilen sind Tatsachen der größten Not bekannt, wo man trotzdem die Assekuranzbeiträge einzahlt und man auch 12, 15 und 18 "/„ Zinsen für das etwa dafür geliehene Geld zahlt. ..Und diese Leidenschaft kommt nicht nur in Rußland vor, auch in Österreich, Ungarn, Galizien, Amerika, sogar in England und Deutschland, soweit mir bekannt ist, wiederholt sich dieselbe Erscheinung. Es läßt sich auch nicht in entferntester Annäherung die Anzahl der jüdischen Millionen feststellen, die jahraus, jahrein den mächtigen, fassungsfähigen Kassen der Assekuranzgesellschaften zufließen. Kenner der Verhältnisse, die fachmännisch mit dem Assekuranzgeschäft bekannt sind, behaupten, daß die russischen Juden allein jährlich über zehn Millionen Rubel an Assekuranzprämien zahlen, und wenn wir noch die Judenheit Österreich-Ungarns, sowie die sehr wohlhabende jüdische Bevölkerung Deutschlands, Englands und der übrigen Länder Europas und Amerikas hinzuzählen, so werden wir kaum fehlgehen, wenn wir den Gesamtbetrag an Assekuranzprämien, die von Juden gezahlt werden, im Minimum mit 25 Millionen Rubel (ca. 54 Millionen Mark) einschätzen. Es ist ganz unerklärlich und unverständlich, wie das jüdische Volk, dieses kluge, kaufmännische, praktische, rechnerische, alle übrigen Völker „ausbeutende" Volk bis jetzt nicht dazü gekommen ist, dieses große Millionenkapital sich selbst, seinen eigenen Volksinteressen, wenigstens teilweise, dienstbar und nutzbar zu machen und, statt eigenen Interessen zu dienen, dieselben zur Verfügung der allgemeinen Assekuranzgesellschaften stellt. Bekanntlich stellen im gegenwärtigen Leben die Assekuranzgesellschaften im allgemeinen und die Lebensversicherungsgesellschaften speziell die bedeutendsten Reservoirs dar, wohin ein bedeutender Teil der Ersparnisse der Kulturmenschheit zusammenfließt, und diese beständige, natürlich wachsende Anhäufung von Kapitalien führte dazu, daß in den Händen der großen Assekuranzgesellschaft eine ungeheure Geldmacht sich konzentrirt und die letztere eine sehr bedeutende und wichtige Rolle im finanziellen und ökonomischen Leben der Kulturländer ausmachen und gleichzeitig einen mächtigen politischen Einfluß ausüben. Um ein konkretes anschauliches Bild dieser hier skizzierten Erscheinung darzustellen, will ich hier in gedrängter Weise den Entwicklungsgang eines typischen größern Assekuranzunternehmens, welches in Deutschland ganz speziell populär sein dürfte, nämlich der Berliner Gesellschaft „Viktoria" anführen. Dieselbe steht den englischen und amerikanischen Riesenunternehmungen nach, doch muß sie zu den soliden, bedeutendem hinzugezählt werden. Vor meinen Augen befinden sich die öffentlichen Berichte für die Jahre 1906 und 1907,

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