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Die Welt · 1909-05-14 · 20 (14.5.1909) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
20 (14.5.1909)
Date
1909-05-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE Ei L^P1 KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 6 W ERSCHEINT JEDEN FREITAG \f ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG 1 XIII. JAHRG. KÖLN, 14. Mai 1909 p-nnS D"nn'tf t»n No. 20. ZEICHEN DER ZEIT Jeder Zionist wird mit froher Genugtuung die Kunde vernehmen, daß die Führer der territorial-sozialistischen, national-sozialistischen und anderer Parteien in Amerika in einer feierlichen, einmütigen Erklärung die Notwendigkeit des Anschlusses an die Kolonisation des Orients, insbesondere Palästinas, vor dem ganzen Volke ausgesprochen haben. Wer in den trüben Tagen der Zerwürfnisse all die bittern Empfindungen der Enttäuschung und Resignation durchgekämpft hat, den drängt es heute um so mehr zu sagen, wieviel Wohlwollen, weise Mäßigung, welch tiefer Ernst und überlegene praktische Führung in dieser Versammlung hervorgetreten sind. Es hieße die politische Erkenntnis der verschiedenen Parteien weit unterschätzen, wenn man verhehlen wollte, daß auch manche bange Stunde eintreten kann, ehe das Werk der Einigung, zu welchem jetzt der erste Grundstein gelegt ist, hochaufgerichtet dastehen wird; aber wenn die Stimmung, welche die Konferenz beherrschte, nicht verfliegt, wenn die Gefühle der Versöhnlichkeit, des Entgegenkommens sich festigen, so wird, was jetzt begonnen wurde, zum Heile der Nation auch vollendet werden, so wird das Bedürfnis der gemeinsamen Arbeit jede Schwierigkeit besiegen und die innere Zusammengehörigkeit auch die äußere immer hervorrufen. Es liegt eine wunderbare moralische Kraft in diesem verlästerten Zionismus, dessen Auflösung täglich verkündet wird, dessen Zerfall die höchste Sehnsucht der innern Feinde des jüdischen Volkes ist. Männer der verschiedenen Lebensstellungen, der verschiedenen Temperamente, der verschiedenenErziehungs- und Kulturstufen, finden sich zusammen, und alle diese Differenzen vermögen nicht zu verhindern, daß die Liebe zur Stammnation und zum Stammlande der Ahnen sie umschließt, daß alle entschlossen sind, mit dem ganzen Aufgebot ihrer Kraft Zion und den jüdischen Stamm zu schützen, und sind manche von ihnen von diesem Ideal zeitweise abgewichen, so kommen sie zurück! Die Bedeutung der Konferenz liegt aber nicht in der Resolution, nicht in der Wahl des Komitees, das Vorschläge zu erstatten hat, sondern in dem Umstände, daß auch nicht der Schatten einer prinzipiellen Differenz zwischen den einzelnen Gruppen auftauchte. Wo ist eine Richtung im Judentum, die es ebenfalls wagen könnte, in einer öffentlichen Versammlung über Fragen zu beraten, welche ihrer Natur nach geeignet sind, die Gegensätze schroff hervorzukehren, und wo ist eine Partei, welche aus einer solchen Konferenz verjüngt, gefestigt und mit frischer Schwungkraft hervorgehen würde? In die tiefste Nacht des Geheimnisses hüllen die andern reichen jüdischen Organisationen jeden ihrer Schritte, während der Zionismus seinen Aufmarsch in hellem Sonnenlichte vollzieht, das selbst die kleinsten Nuancen der Farbe grell hervortreten läßt. Wenn trotzdem der Eindruck der Reden, der Programme kein anderer sein kann, als der einer vollständigen Gleichheit der Grundsätze, wenn selbst im Ausdrucke der Überzeugung keine meßbare Differenz vorwaltet, dann wird kein ernster Politiker länger daran zweifeln, daß der Enthusiasmus, welcher aus dem tiefsten Herzen der Wortführer jüdisch-proletarischer Parteien entsprungen ist, Bedeutendes schaffen kann, und daß es sich hier um ein nationales Postulat handelt, dessen Gewicht jeden Widerspruch erdrückt, dem sich alle beugen, dem sich der rücksichtslose, glühende Demagoge geradeso unterwirft, wie der zurückhaltende, vornehme „bourgeois". Die Nationalität und die Liebe zu Palästina halten den Zionismus zusammen. Welchen Grund hätten sonst Männer, deren gesellschaftliche Beziehungen sie weit abweisen von den Bahnen eines aufs äußerste gereizten, von der Abneigung der mächtigen Faktoren des offiziellen Judentums verfolgten Separatismus, mit wahrhaft erhebender Treue und Großherzigkeit für Palästina und die nationale Grundlage eines jüdischen Zentrums einzustehen? Dort im offiziellen Judentum winken Gunst, Stellungen, glänzende Beziehungen, — und hier ist nichts zu erwarten, als das Bewußtsein einer harten Pflicht, höchstens ein Titel, oder eine bescheidene Stellung, die zu Angriffen Anlaß bietet. Dennoch wanken und zögern diese Männer nicht, dennoch scharen sie sich um die gemeinsame Fahne. Und warum beugen sich die leidenschaft liehen Wortführer des Proletariats freiwillig den strengen Gesetzen der Disziplin, warum kommen sie mit Unterdrückung manchen Herzenswunsches den Vertretern anderer Klassen vertrauensvoll entgegen, warum sind r'd '■•1 Si J, . iL "Vi iC , '<< ifJ K

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