Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 19 (7.5.1909)
- Date
- 1909-05-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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daß die Zeitschrift von ernsten 'Fachmännern' iri ihren Werken öfters angeführt, wird, beweist, daß sie sich 'iri der Wisisenschäft'einen guten" Namen erworben hat. Dasselbe darf -wohl' auch von dem statistischen Bureau gesagt werden. Nicht nur in jüdischen und wissenschaftlichen Kreisen, sondern auch von Staatsbehörden wird •die Bedeutung dieser Institutionen gewürdigt.' In mehreren Fällen haben sich die Staatsbehörden auf die Arbeiten des Bureaus berufen oder direkt ah dasselbe gewendet. So hat dasyKgl. Preuß. Statist. Landfeanit Anfragen, die bei ihm eingegangen waren, *an däs BiifBiu zur Erledigung weitergegeben. In der!von-: der Hessischen Regierurig veröffentlichten Darstellung der letzten Volkszähliingsergebnisse wird auf die vorn Bureau veranstaltete Erhebung hinge^ wiesen. Mit Rücksicht auf diese werden in der amtlichen Statistik nur einige Ergebhisse über die Statistik der jüdischen Bevölkerung in Hessen mitgeteilt, während im übrigen als Ergänzung der amtlichen Publikation ausdrücklich auf die erwähnte Untersuchung verwiesen wird. Gelegentlich der z. Z. viel besprochenen Fiianzprojekte ist dem deutschen Reichstag eine umfangreiche, im Reichsschatzamt ausgearbeitete Denkschrift vorgelegt worden. Diese Denkschrift befaßt sich u. a. auch mit den Kirchensteuern und enthält auch Angaben über die jüdischen Kultussteuern. Diese Angaben beruhen ausschließlich auf den Veröffentlichungen des Bureaus,. wie auch in der Denkschrift hervorgehoben wird. Wie aus dem Berichte des Schatzmeisters Benno Stern hervorging, betrugen die Einnahmen des Vereins im Jahre 1908 09 7723.99 Jt. Auf Grund des Antrages der Revisoren wurde für die finanzielle Gebarung Decharge erteilt. Die Hauptversammlung genehmigte die Satzungen für den „Verband für Statistik der Juden44, der die z. Z. bestehenden Vereine umfaßt. Aus den Wahlen gingen das Kuratorium, der Vorstand und die Revisionskommission hervor in ihrer bisherigen Zusammensetzung. Getaufte Juden Der „Kölnischen Volkszeitung" wird aus jüdischen Kreisen Kölns geschrieben: Vor einiger Zeit brachte die Köln. Volkszeitung einen längeren Artikel, worin auf die moralische Verwirrung und Herabwürdigung der Religion hingewiesen wurde, die die Regierung dadurch anrichte, daß sie getauften Juden Beamtensteltungen zugängig mache, ' die sie den Juden sonst vorenthalte. Die Berechtigung zu dieser Klage wird wieder durch die Ernennung des hiesigen Oberlandesgerichtsrats N. zum Reichsgerichtsrat illustriert. Die den Juden •unter dem früheren Minister unzugängliche Stellung als Oberlandesgerichtsrät wurde diesem Herrn nach seinem Obertritt zur protestantischen Kirche zuteil. Und jetzt rückt er in eine Stellung ein, in die auch bisher mehrfach getaufte Juden, aber noch kein Jude gelangte. Glaubt man durch diese, auch iri den übrigen Ressorts \ der Staatsverwaltung herrschende Praxis die Achtung vor dem Beamtentum zu erhöhen und der christlichen Religion zu dienen? Bedenkt man nicht, wie leicht bedenkliches Strebertum durch diese Gepflogenheiten verleitet wird, das Heiligste, die Religion, zum Handelsobjekt herabzuwürdigen? Für den gewissenhaften und charakterfesten Juden liegt in diesem Verhalten der Regierung dagegen eine ganz ungerechtfertige Demütigung und Zurücksetzung. Österreich (Von unserm Berichterstatter) Bundestag der jüdischen Gemeinden Österreichs Dienstag den 4. ,ds. Mts., 10 Uhr vormittags, eröffnete Herr Dr. Stern, Präsident des Allgemeinen israelitischen Gemeindebundes den zweiten Bundestag und begrüßt die zahlreich erschienenen Delegierten. Redner führt aus: Das Bestreberr, eine Gesamtorganisation der'Judenschaft herbeizuführen, datiert seit langer Zeit. Im Archiv der Wiener Gemeinde sind Anträge dieser Art noch vom Jahre 1849 gefunden worden. Als im Jahre 1890 das sogenannte „Judengesetz" über die äußern Rechtsverhältnisse der israelitischen Kultusgemeinden Österreichs angenommen war, da war es die allgemeine Auffassung, daß es nur ein Anfang ist, aus der Mitte der Gemeinden sollte der weitere Aufbau unternommen werden. In neuerer Zeit wurde endlich versucht, diese Bestrebungen fortzusetzen. Wir unterbreiten Ihnen einen Entwurf der Gesamtorganisation. Ich habe mich mit maßgebenden Persönlichkeiten, mit dem Referenten im Kultusministerium in Verbindung gesetzt und ihnen das Elaborat unterbreitet und glaube sagen zu dürfen, daß die Zusammenfassung der Kultusgemeinden von der Regierung begrüßt werden wird. Ich habe sogar erfahren, daß im Ministerium seit Jahren an derartigen Entwürfen einer Reichsorganisation gearbeitet wird. Damit diese Versammlung die Autorität besitzt im Namen von l1/* Million Judert zu sprechen,' rrinßten Einschränkungen vorgenommen werden, damit rivr Vorsteher und Mitglieder von * Kultüsvorständen hier, sprechen und beraten können.- (Widerspruch.) Die zu schaffende Organisation berührt zwar das Verhältnis der Kultusgemeirrden zu den Rabbinern in geringem Maße*. Trotzdem luden wir die Rabbinerverbände ein, Vertreter zu entsenden. Auch die orthodoxen Organisationen Wiens wurden, zu -dieser Tagung eingeladen, damit sie sich überzeugen daßJ ^Td„^ppMt1on - in den orthodoxen Schichten der jüdischen BevölicOTirfif-mlizieris unberechtigt 'ist, denn es wird hier" nicht beabsichtigt;'5 in die religiösen Überzeugungen und Verhältnisse einzugreifen;*', Zu meinem lebhaften Bedauern erhielten wir aus Galizien zahlreiche - Absagen. Der geplanten Gesamt Organisation wird die Bedrohung der Gemeindeautonomie vorgeworfen, es wird ferner behauptet,' daß die orthodoxen Kreise des Judentums diese Organisation ablehnen. Ich kann diese irrtümlichen Ansichten "nur lebhaft bedauern. Wenn jedoch, wie Zeitungsmeldungen entnommen werden kann, die Krakauer Kultusgemeinde von der Entsendung eines Vertreters aus dem Grunde abgesehen hat, weil der Ausschuß angeblich 'alle Anträge der gälizischen Vertreter abgelehnt hätte, so stelle ich -fest, daß diese Mitteilung von Anfang bis zu Ende unwahr ist. Die Gälizischen Vertreter erklärten vorweg nicht mitmachen zu können und entfernten sich, ohne an den Berätungen teilzunehmen. Der Präsident begrüßt nochmals die Erschienenen und verliest ein Huldigung;stelegrarnrn an den Kaiser. Nachdem eine Zuschrift der Krakauer Kultusgemeinde und des Kantoren Vereins verlesen wurde, .ergriff Abg. Dr. Gabel das Wort. Ab:*. Dr. Gabel: Ich bin beauftragt, gegen die Zusammensetzung des Bundestages Einspruch zu erheben. Die heutige Beratung ist eine Fortsetzung der vorjährigen. Der eingesetzte Ausschuß hatte die Aufgabe, ein Verbandsstatut auszuarbeiten, hatte jedoch kein Recht, Wahlbestimmungen oder gar Wahlbeschränkungen festzusetzen. Man kann den Gemeinden nicht vorschreiben, wen sie zum Bundestag delegieren sollen. Der Ausschuß hat seine Kompetenz überschritten, als er den Delegierten ihre Mandate entzogen hat, trotzdem die Gemeinden ihnen nach wie vor ihr Vertrauen schenkten. Der Ausschuß ist der Versammlung in der Zusammensetzung des ersten Bundestages verantwortlich. Sollte der Gemeindetag diese Bedenken nicht teilen, sollte* der Beschluß des Ausschusses nicht aufgehoben werden, dann bittet Redner seine Verwahrung gegen diesen Vorgang zu Protokoll zu bringen. Präs. Dr. Stern erklärt, diesen Antrag nicht zur Abstimmung bringen'zu wollen und erteilt dem Referenten Herrn Dr. Sonnenschein das Wort. Dr. Sonnenschein (Troppau) verweist auf die jüngst sanktionierte Autonomie der bosnischen Mohammedaner und auf seinen Motivenbericht und bittetvin die Spezialdebatteeinzugehen. Delegierter Hofbauer (Wien) wendet sich im Namen der Orthodoxen gegen die geplante neue Zwangsorganisation. Es wird uns eine KonSistorialverfassung vorgeschlagen, die die Orthodoxen nie akzeptieren werden. Wir haben in Frankreich und anderswo abschreckende Erfahrungen gesammelt. Wer am Judentum Interesse hat, will keine Zwangsorganisation. Dr. Steiner (Kolin) verlangt für'Böhmen zwei Verbände — einen tschechischen und einen deutschen. Die Verhältnisse in diesem Lande verlangen es. Wenigstens sollen im gemeinsamen Präsidium des Landesverbandes zwei Sektionen geschaffen werden. Redner will ein Geheimnis verraten: es wird an der Schaffung eines Verbandes der tschechischen Kultusgemeinden gearbeitet. Dem kann nur in der vorgeschlagenen Weise vorgebeugt werden. Abgeordneter Stand kann es nicht unterlassen, seiner Verwunderung über den Beschluß des Ausschusses Ausdruck zu geben. Der Ausschuß kann nteht von einer Körperschaft Absolutorium verlangen, die willkürlich zusammengesetzt, ist. Man hat den Kultusgemeinden geschrieben, daß sie unaus.gefüllte Vollmachten einsenden sollen. Der Name des Delegierten wird schon hier in Wien hineingeschrieben! Ein derart „gewählter" Bundestag soll Autorität besitzen! . . . Wir Zionisten wollen die Organisation. Unsere Wünsche sind zwar nicht berücksichtigt worden. Aber unsere Zeit wird kommen. Immerhin wünschen wir über den nur konfessionellen Rahmen hinauszugehen. Der Gemeindebund soll sich einen kulturellen Wirkungskreis schaffen. Insbesondere Angelegenheiten der Erziehung und der kulturellen Hebung des Volks müssen im Gesetzentwurf Platz finden. Auch ökonomische Fragen wollen wir berücksichtigt wissen. Die Ostjuden kommen auch nach dem Westen, es ist daher in Ihrem Interesse, das Elend der gälizischen Juden nicht auf philantropischem Wege allein zu lindern. Die Präsidenten der galidschen Kultusgemeinden haben zwei Köpfe. Ein polnischer Kopf hütet sich gegen die Allpolen etwas zu unternehmen. Dann