Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 19 (7.5.1909)
- Date
- 1909-05-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 6 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIII. JAHRO. KÖLN, 7. Mai 1909 imirfc □"nn'tf t'ü No. 19. DER IX. KONQRESS Im Hinblick auf das allgemein empfundene und berechtigte Bestreben, die Arbeiten des bevorstehenden Kongresses mit den realen und vollständig geklärten Verhältnissen im Orient in Einklang zu bringen, hat das E. A. C, nachdem es die ihm in dieser Beziehung obliegenden Aufgaben und die notwendigen Vorbereitungen, die infolge der eingetretenen unvorausgesehenen Ereignisse einen Aufschub erleiden mußten, in Erwägung gezogen hat, beschlossen, den IX. Kongreß im Laufe des diesjährigen Dezember abzuhalten. Der genaue Termin und der Ort des Kongresses werden noch bekanntgegeben werden. Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Wahlen zum IX. Kongreß selbstverständlich auf der Grundlage der diesjährigen Schekelzahlung (für das zwölfte Kongreßjahr, 5669) stattfinden werden. Da das Schekeljahr am 30. Juni abläuft, sind die Schekelsammlungen ebenfalls zu diesem Termine abzuschließen. Näheres über den Wahltermin, den Wahlmodus usw. wird baldigst bekanntgegeben werden. )! ' f\ ' i'l Köln, den 5. Mai 1909 DAS AKTIONSKOMITEE DER ALTE UND DER NEUE SULTAN Zu den Wertungen und Urteilssprüchen, mit denen die allgemeine Presse die zum Abschluß gelangte Regierungszeit des entthronten Abdul-Hamid zu Grabe begleitet hat, können auch wir auf Grund zionistischer Erfahrungen manches beitragen. Dieser Beitrag dürfte um so wichtiger sein, als aus ihm die vollständigste Harmonie unserer Bestrebungen mit den Interessen der neuen und freien Türkei mit aller Klarheit hervorgeht. Abdul-Hamid war keine einheitlich, klar und durchsichtig angelegte Natur, deren Bestrebungen stets einen geraden, deutlich erkennbaren Weg gehen, deren Handlungen sich von bestimmten Ausgangspunkten aus, nach bestimmten Grundsätzen, einem bestimmten Ziele zu bewegen. Es steckte etwas Fatales in dem komplizierten Geiste und dem vielseitigen Wesen dieses Monarchen, der mit einer gewaltigen Anspannung seiner Willenskraft die in ihrer Entwicklung von ihm unabhängigen Ereignisse lenken zu können glaubte, der nur sich selbst und seiner eignen Leistungsfähigkeit vertraute und alle von ihm abhängigen Personen als Automaten behandelte, die sich willenlos seinen Befehlen fügen mußten, der keinen Widerspruch vertragen konnte, der. in dem Schachspiel der Regierung mit einer gewissen Beflissenheit abseitsliegende Wege einschlug und nur die eignen Pläne verfolgte, ohne die Möglichkeit zu erwägen, daß auch der Gegner Gegenzüge in Bereitschaft habe. Die Folgen dieser in der ganzen Veranlagung und Entwicklung dieses Autokraten beruhenden Handlungsweise traten in einer Reihe unausgesetzter persönlicher Konflikte zutage, die ihm selbst um so peinlicher waren, als sie mit einer andern, sehr scharf ausgeprägten Seite seines Wesens, seinem Streben, in seinen Leistungen überall gewürdigt und anerkannt zu werden, in offenem Widerspruch standen. Sehr häufig gelang es ihm, seine persönlichen Pläne durchzusetzen, und er hielt dann Trotzsinn für Weisheit, I' f 'i. J p: \: >/ \ W Mi f ■ Ii