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Die Welt · 1909-04-30 · 18 (30.4.1909) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
18 (30.4.1909)
Date
1909-04-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Österreich Wien: Am 3. April d. J. fand im Saale des Cafe Silier eine vom Arbeitsausschuß der zionistischen Mittelschüler veranstaltete Pessachfeier statt, die von ungefähr 200 Personen besucht war. Nach der mit stürmischem Beifall aufgenommenen Festrede eines Mittelschülers folgten musikalische Vorträge und Deklamationen, die alle vom Publikum sehr beifällig aufgenommen wurden. Besonders hervorzuheben sind die Vorlesungen aus den Feuilletons Theodor Herzls (Herr Hans Köhler), die Rezitation des Herrn Weinreb, der eine Szene aus dem Grafen von Charolais las, und die Wiedergabe einiger Rosenfeldscher und Bedascher Gedichte (Herr Isidor Feldmann). Außerdem zeichneten sich noch aus: Frl. Operer (Klavier), Herr Hans Wolfgang Lederer (Violine) und Frl. Politzer (Gesang). Die Feier, die als vollkommen gelungen zu bezeichnen ist, brachte auch einen hübschen Reingewinn, der verschiedenen zionistischen Institutionen zufließt. Neben dem materiellen hatte sie aber auch einen großen moralischen Erfolg, indem sie zeigte, wie tief das jüdisch-nationale Bewußtsein sich unserer Mittelschuliugend schon eingeprägt hat. Pilsen. Am 13. d. M. fand im Vereinslokale des Jüdischen Volksvereins vZion" eine Abschiedsfeier zu Ehren seines langjährigen Obmannes Herrn Eduard Rauscher und dessen Familie statt. Der Verlauf derselben gestaltete sich zu einer schönen Würdigung der verdienstvollen und ersprießlichen Tätigkeit des Herrn Rauscher; der wahrhaft animierte Abend wird allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben. Er wird für Herrn Rauscher und seine Familie in ihrem künftigen Wohnorte, in Berlin, eine schöne Erinnerung an ihre alte Heimat sein. Nach 8 Uhr abends fanden sich im Vereinslokale im Hotel „Pilsner Hof" zahlreiche Mitglieder des Jüdischen Volksvereins „Zion" sowie geladene Gäste ein, um mit dem allgemein geachteten Vereinsobmanne Herrn Eduard Rauscher und seiner sehr geschätzten Familie zum letztenmal gemütlich beisammen zu sein. Nach einer kurzen, kernigen und sinnigen Ansprache des Herrn Karl Porges wurde vom Obmannstellvertreter Herrn Julius Deutsch dem scheidenden Obmanne ein kunstvoll ausgestattetes Gedenkbuch überreicht. Hierauf übergaben die Fräulein Klauber und Heller Frau und Fräulein Rauscher prächtige Blumensträuße mit passenden Widmungen. In diesem Momente der allgemeinen Rührung ertönten die Klänge eines Solovortrages des Herrn Karl Kornfeld unter Klavierbegleitung des Herrn Franz Kornfeld. Nun wechselten Ansprachen, Musikproduktionen, Gesang und Rezitation Bedascher Gedichte. An dieser Stelle sei auch erwähnt, daß es sich auch unsere zionistische fugend nicht nehmen ließ, dem beliebten Obmanne Herrn Rauscher ein kunstvoll ausgeführtes Souvenir zu überreichen, nachdem Herr Paul Sauer in schlichten Worten die Verdienste des Gefeierten hervorgehoben hatte. Unter den folgenden Ansprachen seien die der Herren Dr. Golinski, Dr. Link, L. Hirsch, J. Weisskopf, R. Klauber und G. Grünwald hervorgehoben. Mit dem Absingen des „Hatikwah" endete die schöne Feier, nachdem Herr Obmann Rauscher sich mit herzlichen Worten für die Ehrung bedankt und vom Verein Abschied genommen hatte. Proßnitz. Der Ferialverein jüdischer Hochschüler „Giskalah" in Proßnitz veranstaltete am 10. d. M. im großen Saale des Arbeiterheims einen jüdisch-literarischen Abend. Am Vorlesetische erschien Hofschauspieler Prof. Ferdinand Gregori. Er las Gedichte von Isr. Auerbach, Buber, Morris Rossenfeid, J. J. David, Hugo Salus, Loewenberg, ferner Herzls „Mauschel", „Bonze Schweig'" von J. L. Perez, die bekannte Szene aus Beer-Hoffmanns „Grafen von Charolais" und schließlich mehrere Gedichte Heines, ein Programm, das dem Vortragenden Gelegenheit bot, seine hervorragende Sprachkunst rastlos* zur Geltung zu bringen. Von nachhaltigster Wirkung war Perezs Meisternovelle „Bonze Schweig", die der Künstler mit erstaunlicher Feinheit und innigstem Verständnis sprach, und Heinrich Heines „Die schlesischen Weber'", deren erschütternder Wucht sich niemand zu entziehen vermochte. Das distinguierte Publikum lauschte dem Vortrage bis zum Schlüsse in tiefster Andacht und erwies sich für den erlesenen Genuß sehr dankbar. — Auch durch diese rein kulturelle Veranstaltung können wir konstatieren, daß unsere Bestrebungen in dem restlichen Teile der Proßnitzer liberalen Juden volle Anerkennung finden und daß wir durch unsere ernste kulturelle Arbeit das Proßnitzer jüdische Deutschtum von seiner eigenen Zwecklosigkeit überzeugen. Schekelsammlung in Wien Der Zionistische Zentralverein in Wien veranstaltet jeden Dienstag Schekelversammlungen in verschiedenenBezirken. Um die Schekelsammlung systematisch zu gestalten, wurden die Schekelzahlerlisten nach Bezirken geordnet. Jeder Stadtteil wurde je einem akademischen Verein zugewiesen, der die Agitation von Mann zu Mann zu besorgen hat. Die Werbearbeit gilt vor allem dem Schekel, doch ist es den Agitatoren zur Pflicht gemacht, jeden Schekelzahler auf seine zionistischen Pflichten aufmerksam zu machen. Die Agitation wird also im allgemeinen dazu dienen, den Kontakt zwischen dem Zentralverein und dem zionistischen Bürgertum wiederherzustellen. Qalizien Dr. Franz Oppenheimer in Qalizien Die Parteiexekutive der österreichischen Poale-Zion lud Herrn Dr. Oppenheimer ein, die Leitung eines nationalökonomischen Seminars zu übernehmen. Aus diesem Anlaß weilte Franz Oppenheimer vom 18. bis zum 22. April in Lemberg. Am 19. fand im großen Saal der „Philharmonie" ein von Tausenden besuchter, von den Lemberger Poale-Zion veranstalteter Palästinaabend statt, bei dem Herr Dr. Oppenheimer über die „Genossenschaftliche Ansiedlung in Palästina" sprach. Der Vortrag übte einen überwältigenden Eindruck. In Drobobycz, wo der gefeierte Gelehrte am 22. über das gleiche Thema gesprochen, erntete er ebenfalls begeisterte Zustimmung. Dr. Oppenheimer erklärte, an dem Werke der Kolonisation Palästinas nicht mittun zu können, falls sie nichts anderes bedeuten sollte als die Übertragung der Schwitzhöhlen von London und New-York nach dem Judenlande. Die genossenschaftliche Siedlungsmethode sei die einzig mögliche, da es gelte, ein städtisches Proletariat an den Boden zu fessein, — ein nahezu unmögliches Beginnen, wenn nicht Imponderabilien und die im jüdischen Volke durch Jahrtausende zusammengepreßte Energie zu Hilfe kämen. Das genossenschaftliche System sei auch das billigste und zugleich die Vorbedingung für die Schaffung einer Kreditbasis für das Siedlungswerk. Dr. Oppenheimer verwahrte sich gegen den Vorwurf, dem Zionismus Projekte und Experimente aufzunötigen. Was er verlange, sei ein Gebot der Notwendigkeit. Kroatien — Slavonien Brod n. S. Am 14. März a. c. fand auf Anregung des Herrn Max Lederer (früher in Wien J. A. H. der „Bar Ghiora") eine jüdische Bürgerversammlung in Brod an der Save in Slawonien bei zahlreicher Beteiligung statt. Zu derselben waren die Herren Dr. Hugo Spitzer und J. N. Schulhof aus Essek, ferner Dr. Heinrich Urbach aus D. Tuzla erschienen, von welchen der erste und der letztere Referate über die zionistische Bewegung absolvierten. Nachdem das Terrain vorher bearbeitet, konnte das Vorbereitungskomitee 8 Tage darauf bereits eine konstituierende Generalversammlung abhalten, bei welcher die Herren: Heinrich Schulmann zum Präsidenten, Max Lederer zum Vizepräsidenten, Ziga Hacker zum Sekretär und Oskar Eichhorn zum Kassierer nebst vier Ausschußniännern und drei Ausschußdamen sowie zwei Revisoren des neugegründeten Vereins „Jehuda Halevi" gewählt wurden. Bislang zählt der Verein 85 Mitglieder, veranstaltete zwei Vortragsabende (den ersten über Theodor Herzl von Lederer) und hofft ein nützliches, wenn auch kleines Glied unserer großen Bewegung zu werden. Rußland N. Sokolows Vortragszyklus Anläßlich seines zeitweiligen Aufenthalts in Polen hat Nah um Sokolow eine Reihe von öffentlichen zionistischen und allgemein-jüdischen Vorträgen auf verschiedenenVersammmlungen in Warschau und in Lodz gehalten. Sein erster Vortrag war der gegenwärtigen Lage des Zionismus gewidmet und fand an einem der Schekeltage am vergangenen Chol-hamoed in Warschau im Saale „Harmonie" statt. Der Andrang des Publikums war so groß, daß wegen Überfüllung des Saals ein großer Teil des Publikums keinen Einlaß finden konnte. Der Redner hielt seinen Vortrag in hebräischer Sprache. Außer ihm sprachen Herr Farbstein über die Finanzinstitute des Zionismus und Herr Nissenbaum über die Kolonisation Palästinas. Einige Tage darauf fand die erste allgemeineVersammlung des neugegründeten Vereins „Freunde der hebräischen Sprache" statt, wobei Sokolow einen hebräischen Vortrag über „Unsere Nationalsprache als Kunst" hielt. Auch hier war der Andrang des Publikums ein ganz gewaltiger. Außer Sokolow sprachen die Herren Ben-Awigdor (Schalkowitsch) und S. L. Gord on. Die Versammlung lud Sokolow zum Vorsitz ein und wählte ihn per Akklamation zum Ehrenmitglied. In Lodz hielt Sokolow im Vereinslokale des „Hasomir" einen längern Vortrag über „den Zionismus im Westen und im Osten". Während eines daran sich anschließenden Banketts wurden zahlreiche zionistische Reden ge-

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