Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 11 (12.3.1909)
- Date
- 1909-03-12
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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No. 11 =DIE kommissionen des J. N. F. die eindringliche Bitte, eine intensive Propagandatätigkeit für die neuen Marken zu entfalten und alle Kräfte für diesen Zweck anzuspannen. Die Marken sollen nicht bloß bei der zionistischen und Privatkorrespondenz als Briefverschluß oder Briefschmuck Verwendung finden, sondern sie sollen auch als Steuer für den N. F. auf den Mitgliedskarten der zionistischen und sonstigen jüdischen Vereine, auf fiochzeitseinladungen, Glückwunsch- und Eintrittskarten usw. dienen. Bei Bezahlung von Rechnungen begleiche man einen kleinen Prozentsatz oder auch die überschießenden kleinen Münzen in Nationalfondsrnarken. Auf diese und ähnliche Weise läßt sich der Absatz der Nationalfondsmarken ins Unbegrenzte steigern. Da wir die Nationalfondsmarken nur gegen Barzahlung abgeben können, empfiehlt es sich, daß die Nationalfondskommissionen und zionistischen Vereine ein kleines Betriebskapital für Nationalfondsrnarken anlegen, um immer wieder neue Marken anschaffen zu können. Wir ersuchen Sie, sehr geehrte Herren Gesinnungsgenossen, den Inhalt dieses Rundschreibens sämtlichen Nationalfondskommissionen und gesinnungsgenössischen Vereinen Ihres Gebietes bekanntzugeben und unverzüglich mit der Agitation für die neue Marke zu beginnen. Welche Erfolge' durch eine einigermaßen rührige Agitation zu erzielen sind, geht daraus hervor, daß die alten Marken im Jahre 1902, dem ersten Jahre ihrer Ausgabe, dem Nationalfonds ein Erträgnis von ungefähr 100 ooo Ji einbrachten, während die Jahresstatistik pro 1908 im ganzen einen Eingang von etwas über 26000 Jt für Nationalfondsrnarken aufweist. In der Hoffnung, recht bald erfreuliche Kunde über den Erfolg Ihrer Tätigkeit zugunsten der neuen Nationalfondsrnarken zu vernehmen, empfehlen wir uns Ihnen mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruß! * Hauptbureau de*s Jüdischen Nationalfonds: gez. Dr. Boden heimer Präsident des Direktoriums. Jahresstatistik 1908 der österreichischen Nationalfonds= und Olbaumspenden nach Distrikten geordnet (Aus der jüngsten Nummer der „Jüdischen Zeitung", Wien.) In Nr. 6 der „Welt" war dargelegt, daß die N.-F'.-Statistik ihren erziehlichen Wert erst dann voll bewähren wird, wenn sie auch nach Distrikten und Ortschaften bearbeitet würde. Die reichsdeutsche Sammelstelle hat bereits zweimal eine genaue Zusammenstellung aller zionistischen Spenden nach Orten verlautbart, und gehen nun auch wir daran, das Versäumte nachzuholen. Es ist allerdings keine leichte Arbeit, da die nötigen Daten an sechs verschiedenen Stellen erfragt werden müssen. So haben bis zum Juni 1908 der „Wschod" und das „Jüdische Tagblatt" in Lemberg die von ihnen empfangenen und publizierten Spenden direkt an die Bank abgeführt und ist erst von da ab unser Amt als einheitliche Sammelstelle der N.-F.-Spenden mit der „Jüdischen Zeitung" als Ausweisqrgan für ganz Österreich anerkannt. Daneben laufen noch immer Ölbaumspenden an den gleichgenannten Verein in Berlin, ferner unrechtmäßigerweise N.-F.-Spenden an das N.-F.-Hauptbureau, die „Welt" oder die Bank, worüber sich die Daten in der „Welt" vorfinden.*) Schließlich verkauft die Bank größere Posten von N.-F.-Marken und Telegrammblanketten ohne Vermittlung unserer *) Wir sind fortdauernd bemüht, diesem Mißbrauch sowohl durch wiederholte Hinweise in der »Welt« als auch durch Zirkulare and Briefe entgegenzuwirken, in denen wir die einzelnen Spender auffordern, ihre Spendenbeträge ausschließlich an die Landes- oder Distriktss ammeistell en , nicht aber an das Hauptbureau, die »Welt« oder die Kolonialbank abzuliefern. — Anmerkung des Hauptbureaus des J. N.-F. ELT 249 Sammelstelle, und wir selbst haben den Erlös dieser von uns vertriebenen Artikel erst ab Februar 1908 verlautbart. Bei dieser Zersplitterung der Spendenabfuhr und bei den vielen Fehlern, die bisher in den Ausweisen bei Zuteilung der Orte an die einzelnen Distrikte vorkamen, läßt sich für heuer eine auf den Heller genaue Distriktssiatistik nicht durchführen. Doch werden auch die abgerundeten Ziffern eine genügende Handhabe bieten, die Leistungen der einzelnen Distrikte gegeneinander abzuschätzen. Unter den drei Gebieten, in welche die zionistische Landesorganisation Österreichs seit nunmehr zwei Jahren zerfallen ist, ergibt sich nach ihren absoluten Leistungen folgende Reihenfolge: 1. Galizien mit...........Kr. 28 900.— 2. Westösterreich mit........„ 22 300.— 3. Bukowina mit .........„ 5 500.— Unter den acht Distrikten hingegen ergibt sich diese Reihung: 1. Südgalizien............Kr. 11 000.— 2. Ostgalizien............„ 8 800.— 3. Innerösterreich..........„ 7 900.— 4. Böhmen.............„ 7 500.— 5. Mähren-Schlesien.........„ 6 900.— 6. Bukowina............„ 5 500.— 7. Westgalizien...........„ 5 100.— 8. Podolien............., 4 000.— Werden aber die Leistungen der Distrikte relativ, d. h. im Hinblick auf die Zahl ihrer jüdischen Einwohnerschaft gewertet, so haben per Kopf und Jahr in Hellern aufgebracht: 1. Mähren-Schlesien mit 56 243 Juden . .12.3 Heller 2. Böhmen „ 92 745 „ . . 8,1 3. Bukowina „ 96 150 „ . . 5,2 4. Südgalizien „ 205 000 „ . . 5,4 5. Innerösterreich „ I68f390 „ . . 4,7 6. Podolien „ 105 000 „ . . 3,8 7. Ostgalizien „ 309 000 „ . . 2,8 8. Westgalizien „ 192 000 „ . . 2,7 Soll Lob und Tadel an die Distrikte gerecht verteilt werden, dann muß auch noch die wirtschaftliche Lage und sohin die Zahlkraft ihrer Judenschaften mitberücksichtigt werden. Die Leistungen in dem armen Galizien mit seinem charakteristischen Sammelmittel, der Büchse, welche die Spenden hellerweise aufnimmt, müssen daher im Vergleich zu dem reichen Westösterreich, zumal Böhmen, das eine besondere Vorliebe für die Ölbaumspenden (Minimum Kr. 7.—) zeigt, mindestens mit dem Doppelten veranschlagt werden. Bei diesem Vergleich gebührt das höchste Lob den Distrikten Mähren-Schlesien und Südgalizien, während die Distrikte Westgalizien, Ostgalizien und vor allem Innerösterreich am schlechtesten wegkommen, Innerösterreich um so mehr, als sich seine Judenschaft seit der Volkszählung vom Jahre 1900, welche dieser statistischen Arbeit zugrunde liegt, durch Zuwanderung aus den Sudeten- und Karpathenländern gewiß um ca. 30 000 vermehrt hat, wodurch natürlich seine relative Leistung noch herabgedrückt erscheint, und da Wien als Ausgangspunkt der zionistischen Bewegung ihr gegenüber doppelte Pflichten hat. Der eine Umstand, daß Bukowina und Südgalizien mit relativen Leistungen vor Innerösterreich rangieren, beweist klar, daß nicht in erster Linie die wirtschaftliche Lage * der Judenschaft für die Höhe ihrer nationalen Opfergaben ausschlaggebend ist, sondern die zielbewußte Organisation der Sammeltätigkeit in den einzelnen Distrikten. Aus den für die kommenden Nummern in Aussicht genommenen Tabellen der Spenden nach einzelnen Orten wird sich zeigen, daß oft knapp nebeneinander liegende Judengemeinden in ihren Opfergaben völlig voneinander abweichen. Hauptaufgabe der Distriktskommissäre ist es aber gerade, mit zäher Tatkraft auf eine möglichste Gleichmäßigkeit der Leistungen in allen ihnen unterstellten Orten hinzuwirken. Diese schwere, doch wichtige Aufgabe wird bei der außerordentlichen Tüchtigkeit der Distriktskommissäre gewiß gelöst werden, und hiermit wird der weitere Aufstieg Österreichs in seiner Jahreshauptsumme und in seinem Ruhm vor den Zionisten der ganzen Welt gesichert sein. Die österreichische Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds in Wien. Wir haben bereits öfter darauf hingewiesen, daß wir die weitere Ausgestaltung der vom Hauptbureau gebotenen länderweisen Nationalfondsstatistik zu einer tabellarischen Zusammenstellung der Leistungen in den einzelnen Distrikten und Ortschaften I