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Die Welt · 1909-03-12 · 11 (12.3.1909) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
11 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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das Gegenteil behauptet würde. Die Behauptungen dieses „erfahrenen Gewährmannes" sind lächerlich. Der Eid des Großrabbi Am heutigen Sonntag fand in den prächtigen Räumen des neuen Mischlisch-Hauses die feierliche Eidesleistung des Chachambaschi statt. Eine Deputation holte den Gewählten von seinem Hause ab. Es erwartete ihn der Mischlisch gaschmi und der Mischlisch ruchani sowie eine Schar wundervoll uniformierter Schulknaben aus Ortaköi, die den Eintretenden mit hellklingendem Chorgesange begrüßten. Der Präsident des Mischlisch gaschmi eröffnete den Akt mit der Verlesung der Gesetzesbestimmung über die Eidesleistung, worauf Rabbi Nahum sich zu einer kurzen, aber außerordentlich eindrucksvollen, würdig und fest gesprochenen Rede erhob. Er sprach über die Schwierigkeit seiner Aufgabe und definierte, wie er sie verstehe. Besondere Beachtung verdient eie wiederholte energische Hervorhebung der Einheit des gesamten jüdischen Volkes, der er mit allen Kräften zu dienen versprach. Sein Schwur galt dem konstitutionellen Souverän, der Verfassung, der jüd.sehen Religion und klang in den Satz aus: „Ich schwöre, der gro(3en jüdischen Nation treu zu sein und bis zum letzten Atemzuge zu arbeiten an der Erhöhung der Ehre des jüdischen Namens." Die Versammlung hörte die ganze Rede stehend an. Gesang hebräischer und türkischer Lieder und die Gratulationen der Anwesenden beschlossen die erhebende Zeremonie. Das neue jüdische „Nationalhaus" Der neue Großrabbiner findet als Stätte semer Amtstätigkeit ein neues Nationalhaus vor. „Meschane inakom, meschane masal." Mit diesem Gebäude hat sich die Leitung der jüdischen Nation hierzulande und zugleich die Konstantinopeler Gemeindeverwaltung einen schönen und würdigen Sitz geschaffen, der wenigstens nicht allzu wehmütig mehr'zu Vergleichen mit dem griechischen Patriarchat herausfordert. Aber bis es ein wahres Volkshaus wird, wie der „Pharao", wird das jüdische Großrabbinat sich in ähnlicher Weise wie das Patriarchentum durch energische, würdige Politik nach außen und wahrhaft kulturschöpferische Taten nach innen das Vertrauen der Nation erwerben müssen. Erfreulicherweise hat man den Anfang dazu bereits gemacht, das Gebäude des Mischlisch zu einem wirklichen Volkshause umzuschaffen, in dem nicht nur die „Notabein" beraten, sondern auch der Mann aus dem Volke geistige Nahrung soll finden können. Moi'se Bey dal Medico hat mit der Schenkung einer Anzahl von Büchern den Grund zu einer Nationalbjbliothek gelegt, und man geht soeben daran, geignete Räumlichkeiten zu einer jüdischen Volkslesehalle umzugeotaiten. Das ist noch nicht viel, aber jedenfalls vielversprechend. Wenn die erschreckende Leere der Gemaindekassen, die sich von dem hartnäckig und siegreich andauernden Gabellastreik herschreibt, beseitigt sein wird, wird es Zeit, mehr und Größeres zu erwarten und zu — fordern. Nationales, Zionistisches, Antizionistisches Die Mischlisch-Lesehalle wird nicht die einzige jüdische in Konstantinopel sein. Bereits vor einigen Wochen hat die „Achwa" ihrerseits eine eröffnet, die freilich zu regelmäßigem Besuch nur ihren Mitgliedern offensteht. Neben den Tagesblättern liegen auch die spaniolischen Zeitungen des Landes sowie hebräische und zionistische aus. Das Interesse für das Hebräische als Nationalsprache greift immer weiter um sich, und an seiner Pflege und Verbreitung unter der Jugend zu arbeiten, schicken sich nicht weniger als drei Vereine gleichzeitig an. Zwar mußten die gutbesuchten Kurse des „Jugendvereins" wegen technischer Schwierigkeiten Unterbrechung erleiden; aber es ist Aussicht vorhanden, daß sie bald auf gesünderer Grundlage wiedererstehen werden. Der „Jüdische Turnverein Makkabbi" steht im Begriffe, seiner prächtigen Arbeit an der physischen Veredlung der hiesigen jüdischen Jugend nun auch als geistige Tätigkeit die Errichtung eines großen obligatorischen Sprachkursus im Hebräischen hinzuzufügen. Wahrscheinlich wird zwischen diesem Kursus und dem des „Jugendvereins für den Nationalfonds'4 eine Kombinationsmöglichkeit gefunden werden. Die Lehrkraft steht zur Verfügung; die „Achwa", die die Pflege des Hebräischen in ihrem Programm hat, wird sich wohl auch in irgendeiner Form beteiligen; der baldige Beginn der Arbeit steht zu erwarten. In den jüdischen Vororten, zumal in Balat, müht sich die Jugend seit langem vergeblich, ein Lokal für Turnübungen sowie für hebräische und türkische Kurse aufzutreiben. Ein einziges Lokal ist dafür vorhanden, ein ausgezeichnetes, im Schulgebäude der Alliance, aber — es ist für die jüdische Jugend und jüdische Arbeit nicht zu haben! Die Frau Direktorin, in Abwesenheit ihres Gatten, lehnte aus nichtigsten Vorwänden, unter Vorschiebung von Gründen persönlicher Bequemlichkeit, die Hergabe des Raumes ab; und als eine Abordnung dem soeben aus Persien zurückgekehrten Herrn Direktor die Angelegenheit vorstellen wollte, weigerte er sich, sie auch nur zu empfangen. Die Anrufung der Vermittlung des Leiters der Studienkommission der Alliance (derselben, die eine Teilnahme an einem Feste des „Makkabbi" ablehnte, aus ausgesprochener Furcht, daß der Turnverein zionistisch sei) blieb ebenfalls fruchtlos. Eine Eingabe nach Paris ist ohne Antwort. So sorgt die Alliance für die körperliche und geistige Fortentwicklung ihrer Jugend. Das zionistische Gespenst genügt, um ihre Kulturmission in Barbarei zu verwandeln. Man muß feststellen, daß das gegenwärtig die einzige Form des Antizionismus in Konstantinopel ist. Von der furchtbaren Animosität gegen unsere Gesinnungsgenossen, die ein hiesiger getaufter Korrespondent (derselbe, dem in der christlich-arischen „Teutonia" als Jude der Eintritt verwehrt wurde) deutschen Zeitnngen vorartikelt, ist hier nicht viel zu bemerken. Man hielt sich zuerst wohl aus Ängstlichkeit von dem Gedanken fern; aber seitdem in der Öffentlichkeit eine gewichtige Stimme nach der andern für ihn begeistert eintritt, gewinnt man allgemein Zutrauen und Interesse. Die jüngst erfolgte Publikation der Äußerungen Dr. Risa Tefwiks, des Jungtürkenführers, die in der gesamten ottomanisch-jüdischen Presse die Runde machte, hat mehr gewirkt, als ein Haufen Broschüren und eine Serie Propagandaversammiungen es könnten. In Salonik greift die Begeisterung für unsere Sache um sich. Wird unsere Werbearbeit beginnen, so wird die gesamte ottomanische Judenschaft mit uns sein. Sonnabend, den 6. Mär?, war ein großer Abend für die Juden vou Balat. Es war eine Theatervorstellung unter der Patronanz von Dr. Risa Tefwik angesagt. Der Abend gewann indes eine viel größere und ernstere Bedeutung. Der hervorragende jungtürkische Führer und moslemische Judenfreund hielt nach Schluß der Aufführung eine große Rede über ein Thema, das niemand erwartete: den Zionismus. Seine Ausführungen, die ein begeisterter Appell an die gesamte ottomanische Judenheit waren, sich unserer Bewegung anzuschließen und an Stelle des Spaniolischen unsere hebräische Sprache neu aufzunehmen, rissen die vielhundertköpfige Versammlung wie im Sturme mit sich. Die spontane, impulsiveundvon wahrhaftiger Liebe zu unserem Volke getragene Art des türkischen Chowew-Zion macht tiefen und nachhaltigen Eindruck. Der Zionismus, ohne Propaganda unserer Parteikräfte von dieser Seite her den türkischen Juden gebracht, kann gar nicht verfehlen, sie zu erfassen. Besonders alle sonst tausendmal wiederhotten patriotischen Bedenken fallen hi#r, diesem einwandfreiesten, hervorragenden Partrioten und Mitgliede des Komitees „Union et Progr&s", ohne weiteres fort. Wir dürfen stolz und glücklich darüber sein, daß die Kraft und Schönheit unserer Idee uns einen solchen Mitkämpfer geworben hat THE ANGLO PALESTINE COMPANY, LIMITED Das Resultat des Geschäftsjahres 1908 ist für uns ein erfreuliches gewesen. In Jaffa hat sich das Geschäft mit Kaufleuten und Kleinhändlern weiter günstig entwickelt; auch die Umsätze mit unsern ausländischen Korrespondenten und Bankverbindungen haben sich ausgebreitet. Nach wie vor nehmen die Geschäfte mit Kolonisten einen breiten Raum in der geschäftlichen Tätigkeit der Jaffaer Filiale ein. In Jerusalem bewegte sich das Geschäft auf den Linien des vorigen Jahres. Eine Ausdehnung ist dort nicht zu verzeichnen und, wie die Verhältnisse auf diesem Platze liegen, auch kaum zu erwarten.. Die Depositen haben die vorjährige Höhe nahezu wieder erreicht. In Beyrouth haben wir unsere Geschäfte wesentlich eingeschränkt. Trotzdem haben wir guten Nutzen erzielt, und wir hoffen auch in Zukunft, ohne dem Geschäft eine größere Ausdehnung zu geben, dort nutzbringend arbeiten zu können.

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