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Die Welt · 1909-03-05 · 10 (5.3.1909) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
10 (5.3.1909)
Date
1909-03-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
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DI EKELT 221 No, 10 Geschäftsordnung des Ziontstenkongresses Nachstehend folgen die von der Minderheit der zur Ausarbeitung einer neuen Geschäftsordnung eingesetzten Kommission in unserer vorigen Nummer angekündigten Gegenvorschläge zu einzelnen Teilen des Entwurfs, der von dieser Kömmission ausgearbeitet und veröffentlicht worden ist. * * * Folgende Paragraphen sollen hinzugefügt werden: § 2 a. An dem Orte des Kongresses ist vom E. A. C. mindestens 3 Monate vor der Eröffnung des Kongresses ein Kongreßbureau einzurichten, das unter Aufsicht des E. A. C. die Vorbereitungsarbeiten für den Kongreß, soweit sie sich auf seine äußere Organisation und. seinen technischen Dienst beziehen, auszuführen hat. Die Organisation des Kongreßbureaus bleibt dem E. A. C. überlassen. ~ * § 2 b. Während der Dauer des Kongresses obliegt dem Kongreßbureau gemäß der Anweisung des Präsidiums der äußere Kongreßdienst und die Führung des Kassen- und Rechnungswesens des Kongresses, evtl. zusammen mit den Organen, die das Präsidium im Einvernehmen mit dem E. A. C. für erforderlich hält. Nach Beendigung des Kongresses legt das Kongreßbureau dem Aktionskomitee über seine Finanzgebarung Rechnung ab. § 4c. Dieser Paragraph soll lediglich lauten: „Die Wahlen erfolgen auf Grund der Vorschriften des § 19." Der von der Kommission vorgeschlagene zweite Absatz („Die Mitglieder des E. A. C. können nicht in das Bureau gewählt werden"). soll wegfallen. Diese Vorschläge bezwecken: a) es bei dem bisherigen Zustande zu belassen, wonach der Kongreß bei der Wahl des Kongreßpräsidiums in keiner Hinsicht beschränkt und niemand von der Wahl ins Kongreßpräsidium ausgeschlossen ist; b) die Organisation eines Kongreßbureaus am Kongreßorte zwecks Vorbereitung des Kongresses und zur Durchführung seines äußern Dienstes gesetzlich festzustellen; da im übrigen .die Organisation des Bureaus Sache der Praxis ist, braucht die Geschäftsordnung darüber nur wenige Bestimmungen zu enthalten. Um Verwirrungen unmöglich zu machen, wäre es aber bei der Annahme dieser Paragraphen notwendig, im Entwürfe der Kommission das Wort „Bureau" überall durch „Vorstand" oder „Präsidium" zu ersetzen. Haag, den 5. Adar 5669 26. Februar 1909 Dr. S. Franzie Berenstein [^JKÖRRESPONDENZE]^] Diese Rubrik, für die die Redaktion keine Verantwortung trägt, ist Zuschriften aus dem Leserkreise zum freien Meinungsaustausch offen. Die Schulen der Alliance Eine Antwort an Herrn Rabbiner Israel Levy Mit großem Erstaunen haben wir das Interview des Herrn Rabbiners Israel Levy im „Jewish Chronicle" gelesen. Herr Rabbiner Israel Levy war der Chef der Mission, die von der „Alliance" entsendet wurde, um die Lage der Schulen zu prüfen. Der Interviewte hatte nichts anderes zu sagen gehabt, als der Alliance, ihren Instituten und auch der Mission lang und breit Lob zu spenden. Aber schließlich hat doch das Zentralkomitee von Paris, seine Mission nicht nach dem Orient geschickt, um sich ein lobendes Zeugnis ausstellen zu lassen! Die Alliance brauchte sich nicht erst selbst zu informieren, nachdem sie wissen mußte, wie ihre Direktoren und Lehrer leben. Wenn sie es nicht weiß, so rührt das daher, daß ihre Vertreter ihre Pflicht nicht getan haben, und hier ist schon das erste der Löcher an ihrem glänzenden Panzer, Löcher, deren er noch viele hat. Um durchaus unparteiisch zu sein, hätte die Untersuchung der Alliance von zwei französischen, zwei englischen und zwei deutschen Delegierten vorgenommen und hätte auf die Mission nicht zwei oder drei Monate, sondern ein Jahr verwendet werden müssen. Was haben denn Herr Israel Levy und seine Kollegen getan? Wie Meteore sind sie in den Städten, in einigen der Städte aufgetaucht und verschwunden, wo die Alliance Schulen unterhält. Wie lange, glauben Sie, sind diese Herren in Saloniki geblieben, dieser Feste Israels, die 65 000 jüdische Einwohner zählt? Nur einige Stunden! Denn ich hoffe, daß diese Herren ihre Untersuchung nicht betrieben haben während der beiden Nächte, die sie im Schlafwagen und im Hotel zugebracht haben. Das war auch der Fall in allen andern Städten. Herr Israel Levy und seine Kollegen haben dieEtappen schneller abgemacht als die Inspektoren der Eisenbahn, deren Kommissionsvorsitzender sich nicht beeilt hat, ein schönes Interview herauszugeben und einen schönen Bericht vorzubereiten. Diese Arbeit hätte er auch ohne zu reisen in seinem Arbeitszimmer leisten können, wenn er ruhig beim Kamin sitzen blieb. Herr Benedict, der an der Mission teilgenommen hat und vier oder fünf Tage in Saloniki geblieben ist, ist ebenfalls von einem Journalisten interviewt worden, dem er unumwunden folgendes gesagt hat: „Wir nehmen einen beklagenswerten Eindruck von Ihrer Stadt mit." Dies Interview ist am 19. Januar im „Journal de Salonique" erschienen. Einem andern Journalisten, der ihn fragte, warum die Alliance in den Reihen ihrer Lehrer Personen duldete, die die Anarchie predigten, ihre Schüler aneiferten, die Direktoren zu verhöhnen, Frauen und Kinder zu beleidigen und sich mehr mit Politik als mit Schulangelegenheiten zu befassen, erwiderte Herr Benedict wörtlich: „Wir hatten Furcht, diese räudigen Schafe fortzujagen." Und sodann jagt die Alliance den Direktor fort. Nein, sehr geehrter Herr Rabbiner, es ist nicht alles zum Besten in der besten der Alliancen! Ich habe unter meinen Papieren einen Brief, geschrieben von Herrn Bigart selbst, worin er des längern über die Anarchie spricht, die die Ziele des Werkes der Alliance beherrscht, wo Zentralkomitee und Lehrer sich beeinflussen lassen von der Furcht, von der Angst vor dem Skandal und noch viel schlimmerem. Kann eine Institution wie diese noch lebensfähig sein? Die Zukunft wird es uns sagen, und eine Zukunft, die näher ist, als man glaubt. Sam. Levy Chefredakteur des „Journal de Salonique" Sehr geehrte Redaktion! Ich bitte ergebenst um die Aufnahme der folgenden Notiz: In Nr. 9 der „Welt" (S. 188) lese ich eben den Bericht über das Referat, das Herr Sußmann auf der Konferenz der Odessaer Palästinagesellschaft über „Bodenerwerb in Palästina" gehalten hat. Es heißt dort von der Kolonie Chederah, daß sie zurzeit noch „vom gelben Fieber" zu leiden habe. Die meisten Leser dieses Berichts werden wohl dem Mißverständnis, das sich aus diesem Ausdruck ergeben kann, nicht zum Opfer gefallen sein; um aber jede Möglichkeit einer falschen Auffassung auszumerzen, sei hier betont, daß unter dem „gelben Fieber" selbstredend die Malaria und ihre besonders schwere Form (oder Folgekrankheit?), das Schwarzwasserfieber, zu verstehen sind. Diese Krankheiten, die in Chederah stärker als in irgend einer jüdischen Kolonie Palästinas auftreten, in den letzten Jahren aber mit zunehmender Austrocknung und Bepflanzung des Bodens immer mehr abgenommen haben, werden auch zuweilen mit dem irreführenden Namen „gelbes Fieber" bezeichnet, weil bei der chronischen Malaria Farbstoffe in die Haut abgelagert werden, die dem Kranken eine charakteristisch gelblich-braune Gesichtsfarbe verleihen. (Vgl. z. B. Hoffmann, das gelbe Sumpffieber, Warte des Tempels 1885.) Die Krankheit hat aber nichts gemein mit dem eigentlichen „gelben Fieber" oder Gelbfieber, einer schweren, oft tötlichen Infektionskrankheit, die hier und da in afrikanischen und europäischen Häfen epidemisch auftritt, aber nur in Westindien und den mittelamerikanischen Küstenländern endemisch grassiert. Dieses sehr gefürchtete eigentliche gelbe Fieber ist aber in jeder Beziehung (Natur des Erregers, Bodenbedingungen, klinischer Verlauf, Sterblichkeitsziffer) von der Malaria verschieden. In Palästina ist es glücklicherweise völlig unbekannt, und wir würden nur dann mit ihm praktisch zu rechnen haben, wenn wir Zion den allerneuesten Vorschlägen gemäß nach Mexiko verlegen würden. Breslau, 2. März 1909 Ganz ergebenst Dr. San dl er

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