Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 5 (29.1.1909)
- Date
- 1909-01-29
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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No. 5 t^E^ELT 117 JUePISCHgR MATIOf1AL-FOHDS)Ö| Der Jüdische Nationalfonds ist dazu bestimmt, palästinensischen Boden als Gesamteigentum des jüdischen Volkes zu erwerben und auf ewige Zeiten zu erhalten, Vom V. Zionistenkongreß im Jahre 1901 gestiftet, besitzt er gegenwärtig ein Vermögen von annähernd 11\2 Millionen Mark. MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Die Tätigkeit für den Jüdischen Nationalfonds im Jahre 1908. Die in Nummer 3 der „Welt" veröffentlichte Jahresstatistik hatte den Zweck, objektiv festzustellen, inwieweit die einzelnen Länder, welche bis jetzt für N;-F.-Sammlungen in Betracht kommen, positiv und relativ (d. h. im Verhältnis zu ihrer jüdischen Bevölkerungszahl) zum Ausbau unseres Nationalschatzes beigetragen haben. Die zahlenmäßige Darstellung dieser Beiträge bot eine objektive Würdigung der in den verschiedenen Ländern erzielten Leistungen, ohne jedoch das Individueile der einzelnen Gebiete näher zu beleuchten. Diese subjektive Bewertung kann vom Kölner Hauptbureau nur lückenhaft vorgenommen werden, da hier unmöglich alle Momente erkannt werden können, welche in diesem oder jenem Lande der Erde die N.-F.7Sammlüngen hemmend oder fördernd beeinflussen. Deshalb müssen wir die eingehende Darstellung dieser Verhältnisse den Jahresberichten der Landessammelstellen überlassen. Hier wollen wir uns darauf beschränken, die Sammeltätigkeit in einigen wichtigen* Gebieten zu erörtern, soweit wir durch Korrespondenz und Berichte einen Einblick in die internen Verhältnisse erlangt haben. Den positiv höchsten Beitrag — ein Viertel der gesamten Eingänge — hat im verflossenen Jahre Rußland geliefert. Diesen Vorrang vor allen andern Ländern verdankt Rußland zum großen Teil der neu eingerichteten Sammelstelle in Moskau, und besonders ihrem unermüdlichen tatkräftigen Leiter, Herrn Dr. Tschlenow. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, daß Rußland mit nahezu 5l/> Millionen Juden bei weitem die größte jüdische Bevölkerung aller Länder der Welt besitzt. So sinkt denn auch das positiv dominierende Sammelergebnis in der Tabelle der relativen Leistungen bis zur 17. Stelle hinab; auf den Kopf der jüdischen Bevölkerung entfällt in Rußland nur ein Betrag von 1.33 Pfennigen für den N.-F. Ziehen wir das Land mit der ärmsten jüdischen Bevölkerung, Galizien, zum Vergleich heran, so müßte nach einfacher mathematischer Berechnung die jährliche Leistung Rußlands für den N.-F. mindestens 180 000 betragen. Allerdings ist zu berücksichtigen,, daß die Organisation der dortigen Sammelstelle noch sehr jung ist. Wir sind überzeugt, daß im Laufe der Zeit das Sammelergebnis in Rußland der Bedeutung seiner jüdischen Bevölkerung entsprechen wird. Das eben zum Vergleich herangezogene Galizien ist tatsächlich eines der ärmsten Länder. Wir müssen deshalb hervorheben, daß es an Sammeleifer und rastloser Tätigkeit die meisten andern Länder übertrifft. Wenn Österreich mit seiner positiven Leistung von ^50 453.41 an zweiter Stelle steht, so, verdankt es dies nicht zuletzt der rührigen Mitarbeit gerade seiner östlichen Gebietsteile. Der reiche Westen, — Böhmen und besonders Wien selbst, — könnte bei größerer Beteiligung der zahlreichen wohlhabenden jüdischen Bevölkerung ganz andere Summen aufbringen. Die vorzüglich arbeitende österreichische Sammelstelle unter Leitung unseres wackeren Gesinnungsgenossen Dr. Egon Zweig ist allerdings auch nach dieser Richtuug hin mit gutem Erfolg tätig. Hoffentlich gelingt es ihr recht bald, die westösterreichische Judenheit in weit höherem Maße als bisher zur Beitragsleistung für den Nationalfonds heranzuziehen. Sehr erfreulich ist die intensive Sammeltätigkeit in Rumänien, das seinen verhältnismäßig hohen Ertrag von Jt 16 999.95 hauptsächlich der rührigen Arbeit der Galatzer Sammelstelle, unter Leitung des Herrn M. H. Schein, verdankt. Das Land, in dem die Organisation bis jetzt leider noch viel zu wünschen übrig ließ, ist Deutschland. Der Erfolg seiner Sammeltätigkeit, der insbesondere der stetigen und exakten Arbeit des Herrn Wollsteiner zuzuschreiben ist, erscheint zwar relativ besser als der Rußlands und Österreichs; aber wir glauben, daß bei einer gut durchgeführten Organisation, — insbesondere der Sammelbüchsen, — und durch die Einführung der in andern Ländern mit gutem Erfolg benutzten Sammelbüchlein — das Ergebnis erheblich besser sein könnte. Es ist denn auch vor kurzem eine Reorganisation der deutschen N.-F.-Verwaltung angebahnt worden, und wir haben die begründete Hoffnung, daß die neugewählte N.-F.-Kommission unter der Leitung von Gesinnungsgenossen, wie Dr. Friedemann und Prof. Lewin, Bedeutendes leisten wird. An vierter Stelle steht Nordamerika mit einem Ergebnis von ^34 003.15. Hierbei ist besonders bemerkenswert, daß Amerika von allen Sammelmitteln am meisten aus dem Verkauf von N.-F.-Marken erzielt hat. Der Erlös von 10 707.51 macht fast ein Drittel des gesamten Jahreseinganges aus. Leider steht das Land „der unbegrenzten Möglichkeiten" in der Zusammenstellung der relativen Leistungen erst an 16. Stelle. Neuerdings ist deshalb auch eine besonders lebhafte Agitation zur Verbreitung der Sammelbüchsen eingeleitet worden. Dieses wichtigste aller unserer Sammelmittel soll in Amerika allmählich zur Grundlage der gesamten Sammeltätigkeit ausgebaut werden. Zu diesem Zwecke haben wir der dortigen Sammelstelle eine ungewöhnlich große Anzahl Büchsen zur Verfügung gestellt und hoffen, daß unsere statistischen Tabellen recht bald den erwarteten Erfolg bestätigen werden. V/ir sind der Ansicht, daß die Büchsen überhaupt in allen Ländern eine immer größere Verbreitung finden sollten. Sie sind nun einmal das beliebteste und für die Spender auch das bequemste Mittel, dem N.-F. beizusteuern. Nur darf die Organisation der Verteilung und Leerung nicht hinter den Bedürfnissen des betreffenden Landes zurückbleiben. Bei der großen Anzahl der zur Verteilung gelangten Büchsen müßte dieses Sammelmittel bei entsprechender Genauigkeit der Kontrolle und Regelmäßigkeit der Leerung unbedingt das Fünf- bis Zehnfache des jetzigen Ertrages aufbringen. Die relativ beste Leistung hat Südafrika zu verzeichnen. Es hat pro Kopf seiner jüdischen Bevölkerung JC 0.53 aufgebracht. Könnten Rußland, Amerika, Österreich und Deutschland ähnlich günstige Resultate aufweisen, so würde der J. N.-F. eine jährliche Einnahme von über 5000000^ zu verzeichnen haben. Überhaupt