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Die Welt · 1909-01-29 · 5 (29.1.1909) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
5 (29.1.1909)
Date
1909-01-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 6 ELT ERSCHEINT IEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIII. JAHRG. KÖLN, 29. Januar 1909 p-nr6 n"r\rie* MW "t No. 5. JOZEF ISRAELS PP'lp Der Altmeister jüdischer Malerei begeht heute (27. Januar) in voller Frische und Schaffensrüstigkeit seinen 85. Geburtstag. In ihm ist für Holland der immer noch lebendig fortwirkende Rembrandt neu erstanden. Israels war es, der wieder die Dämmerungen der holländischen Atmosphäre, in ihrer ganzen Eigenart und in ihrem weichen Reiz, darzustellen vermochte. Die Natur und die Menschen, besonders die armen Menschen, in gleich sorgfältiger malerischer Durchbildung zueinander in organische Wechselwirkung zu bringen, das Landschaftliche, nicht als Kulissenhintergrund, sondern als Stimmung, nicht kräftig, sondern dichterisch durchgeistigt und die Menschen mit jener zarten Lyrik zu umwehen, daß man bei ihrem Anblick nicht von Schönheit, sondern von Liebe überwältigt wird, — das ist die Eigenheit der Israels'schen Kunst, die ihn für uns so jüdisch erscheinen läßt. Das___________________ verlockend Bange, das blasse, süße Sehnen, die halbverwehten Klänge, die weichen Harmonien, die man mehr ahnt, als hört und schaut — machte Israels so außergewöhnlich modern, Nicht nur, weil der Altmeister Jude — und was für ein Jude! — ist, und nicht nur, weil er uns in den größten Werken seiner Kunst jüdische Sujets gemalt hat, sondern weil seine poesiereiche, gemütsvolle, melancholisch angehauchte und zugleich so priesterliche, feierliche und doch schlichte Darstellungsart den tiefsten Regungen der jüdischen Psyche so wunderbar-harmonisch entspricht, ist Jozef Israels ein nationaljüdischer Maler. Wir kennen den jüdischen Weisen, wie er lehrt. Wir kennen den jüdischen Patriarchen, den jüdischen Rabbi, den ruhigen, eindringlichen, in sich gekehrten, den großen Ethos des Daseins in allen vorübergehenden Erscheinungen des Lebens suchenden Denker. Jozef Israels ist der malende jüdische Rabbi. Er malt mit derselben Innigkeit, mit der ein Midraschweiser lehrte, mit der ein Jehuda ha-Levi dichtete. Ein „Gaon" im Reiche der Kunst, ein „Baal-Schern", der nicht durch Sprüche und Gebete, nicht durch kabbalistische Beschwörungsformeln, sondern durch Farben, Licht- und Schatteneffekte „Engel schafft" und „Wunder vollbringt". Wo ist „die Sammlung der in der Welt umherfliegenden Funken" und die schöpferische Ausgestaltung der nach Dasein dürstenden „nackten Seelen", von denen die Kabbala und der Chassidismus schwärmen, so sichtbar, wie in den Schöpfungen Israels'?J Durch all' seine Bilder erzielt der Altmeister eine Konzentration der Darstellung, die alles Interesse auf die Seele, auf die Empfindung hinleitet. Nicht einen Vorgang von dramatischer Spannung, in dem Jozef ' v:- 1p ■t*

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