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Die Welt · 1909-01-22 · 4 (22.1.1909) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
4 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
– (sequence 18)
Language
German
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daß ihr Gatte ihr eine jüngere und hübschere Frau vorzog und sie verließ. Frau Bober verlangte daher von ihrem Mann die Zahlung von Alimenten für ihre Kinder. Sie wurde indessen sehr schlecht aufgenommen, mißhandelt und schließlich, nachdem bei dem Streite einige Fensterscheiben in Trümmer gegangen waren, auf die Polizeiwache gebracht. Sie kam vor das Zuchtpolizeigericht, das nach dem Plaidoyer der Herren Coen und Erlach, und nachdem der Sachverständige Perlstein verschiedene in Betracht kommende Stellen des Talmud vorgelesen und erläutert hatte, beschloß, die Sache auf zwei Wochen zu vertagen, um dem Großrabbiner von Frankreich Gelegenheit^ zu geben, ein talmudisches Gutachten über den Fall abzugeben. Tunis Unter der Überschrift „Jüdische Armut" bringt die Pariser Revue einen sehr beredt und belehrend geschriebenen Artikel über das jüdische Elend in Tunis. Für viele unserer Glaubensgenossen, so schreibt der Pariser Korrespondent, wird dieser Artikel eine traurige Offenbarung sein, denn sie wissen durchaus nichts von der Tatsache, daß in einem unter französischem Schutz stehenden Lande Tausende ihrer Brüder unter den schrecklichsten Verhältnissen leben müssen, wenn dieses Wort überhaupt zur Kennzeichnung einer so jammervollen Existenz gebraucht werden darf. Der Verfasser, M. Charles Geniaux, verweilte mehrere Tage in der Hara (dem jüdischen Viertel von Tunis) mit der Absicht, die Einwohner dort zu studieren und zu befragen. Er beschreibt mit traurigen Worten die Zustände unter den 30000 Juden, welche in ungesunden Wohnungen zusammengepfercht sind, und wohin vom Staate, der den Schutz ausübt, niemals ein Beamter des Gesundheitsamts geschickt wird. Einige der Bilder, welche er in seinem Bericht zeichnet, sind zu qualvoll, als daß sie hier wiedergegeben werden könnten. Krankheiten aller Art und selbst Wahnsinn sind stark verbreitet. Viele Mädchen suchen in der Absicht, ihrer schmutzigen Umgebung zu entfliehen, Anstellungen als Sängerinnen und Tänzerinnen unter den Arabern, — wenn sie nicht noch tiefer sinken. Früher verdiente der Jude leicht seinen Lebensunterhalt als Hausierer, aber die großen Läden haben diesen kleinen Erwerbszweig zunichte gemacht. Es ist unverzeihlich, sagt M. Geniaux, daß eine moderne Regierung diese schrecklichen Zustände dulden kann, aber er behauptet, daß die Regierung über diese Dinge nicht aufgeklärt sei. In der Tat wurde ihm gesagt, daß er der erste .Franzose sei, der einige Zeit in ihrer Mitte gelebt habe, und die europäischen Juden, welche ihn begleiteten, erklärten, daß sie niemals geglaubt hätten, daß so furchtbare Zustände unter ihren Glaubensgenossen herrschen könnten. Die wohltätigenJ uden jedoch sind so vielem Elendgegenüber nicht gefühllosgeblieben. Die Gemeinde verteilt jährlich 252 000 Francs unter die Armen der Hara. Sie unterhalten 660 bedürftige Familien, welche 6000 Köpfe umfassen. Aber diese Hilfe ist weit davon entfernt, wirklich wirksam oder ein merkliches Rettungsmittei zu sein. Schon hat sich dank der Schulen der Alliance Israelite und der Farmschule in Djedeida ein großer Teil der jüngern Generation losgerissen von dem Elend und der Erniedrigung, und es kann in der Tat nur mit Hilfe der elementaren, technischen und landwirtschaftlichen Belehrung erreicht werden, daß Tausenden von tunesischen Juden wieder zu bessern Lebensbedingungen verholfen wird. Sehr geehrte Redaktion! Gestatten Sie mir einige Worte. In der letzten Nummer der Welt kritisiert Herr Hugo Schachtel die „Bemerkenswerten Kundgebungen Dr. Nordaus und Dr. Marmoreks". Ich will die Äußerungen des Herrn Schachtel nicht wieder einer Kritik unterziehen, besonders da ich mich, in einer minder heftigen Art, ähnlich ausgesprochen habe. Zu bemerken habe ich bloß, daß nachdem seitens der Redner keine Einwendung gegen den Bericht gemacht wurde, der Sinn wohl richtig wiedergegeben ist. Sodann habe ich von einer „bespöttelnden Herabsetzung" in den Worten Marmoreks nichts gemerkt. Die einzige ironische Bemerkung betraf Zangwill, der auf der Suche nach Itoland ist, sonst war es dem Herrn Dr. Marmorek, ob er im einzelnen recht oder unrecht hat, mit seiner Kritik bitter ernst. Bezüglich der Unduldsamkeit bin ich nicht bloß mit Dr. Marmorek, sondern beinahe auch mif Herrn Schachtel' einig. Alle und besonders die Führer müssen es einmal ernstlich mit der abgenutzten oder noch nicht gebrauchten Toleranz versuchen. Auch Herr Schachtel sollte die „Bemerkenswerten Kundgebungen" i n einer milderen Stimmung noch einmal durchlesen; ich will hoffen, daß er sich dann weder bespöttelt noch verletzt fühlen wird. Hochachtungsvoll und mit Zionsgruß Jean Fischer Vom Bezalel Der gegenwärtige Zustand der Schmie berechtigt zu überaus erfreulichen Hoffnungen. Die derselben zugehenden Bestellungen sind sehr belangreich und stellen an die Leistungsfähigkeit der Schule ganz bedeutende Ansprüche, es erfolgen auch zahlreiche Nachbestellungen, aus denen die Zufriedenheit der Käufer hervorgeht. Hält die Beschäftigung weiter an, so darf man berechtigt sein, zu glauben, daß die Schule binnen absehbarer Zeit zu einer hohen Entwicklungsstufe gebracht wird. An der Absatzfähigkeit der in der Schule hergestellten Erzeugnisse, bestehend in Teppichen, Metall- und Filigranarbeiten, Bilderrahmen und Holzschnitzereien, kann nicht gezweifelt werden. So erfreulich diese Tatsache ist, so ist anderseits zu konstatieren, daß die finanzielle Lage sich nicht in der gleich günstigen Weise präsentiert. Bekanntlich ist die Schule vor einigen Monaten in die neuen „Bezalelhäuser" übergesiedelt und hat bei dieser Gelegenheit verschiedene Verbesserungen und Vergrößerungen in den verschiedenen Abteilungen der Schule vornehmen müssen. Auch sind jetzt mehrere Ateliers neu eingerichtet worden oder sollen demnächst in Angriff genommen werden. All dies hat an die finanzielle Leistungsfähigkeit bedeutende Ansprüche gestellt, die nur zum Teil aus den laufenden Einnahmen bestritten werden konnten. Es ist noch eine schwebende Schuld von ca. 8000 Mk. zu decken. Ferner ist zu berücksichtigen, daß, so erfreulich der große Beschäftigungsgrad der Schule auch ist, zur Ausführung der vorliegenden Aufträge aber größere Beträge erforderlich sind und auch festgelegt werden müssen, um ein Lager in den verschiedenen Erzeugnissen zu unterhalten. Auch um die Rohmaterialien vorteilhaft einkaufen und disponieren zu können, wäre es von der größten Bedeutung für die Schule, einen Betriebsfonds zu besitzen. Trotzdem in dem jüngst erschienenen Geschäftsbericht für das verflossene Jahr dies bereits erörtert und zur Schaffung eines Betriebsfonds an die Gönner und Freunde appelliert wurde, sind bis jetzt zu diesem Zwecke der Schule keine Beträge zugeflossen; es ist aber für dieselbe von allergrößter Bedeutung, das ein Betriebsfonds so bald als möglich geschaffen wird, da sonst die Existenz der Schule ernstlich bedroht ist. Unter unsern Glaubens- und Gesinnungsgenossen, die sonst für die jüdischen Institutionen Interesse und Gefühl haben, befinden sich eine große Anzahl, welche noch nicht Mitglieder des Bezalel sind, oder einmalige Beiträge gespendet haben. Diesen, den zionistischen Ortsgruppen, sowie den Korporationen möchten wir ans Herz legen, den Bezalel nicht als Stiefkind zu behandeln und dazu beizutragen, daß begonnene Werk glücklich zu Ende zu führen, vielen unserer Glaubensgenossen durch Einführung des Kunstgewerbes eine Existenzmöglichkeit zu schaffen und dieselben gleichzeitig auf ein höheres kulturelles Niveau zu bringen. Hochachtungsvoll Bertrand Hamburg, Schatzmeister des Bezalel Berichtigung In dem Beitrag: Aphoristische Sentenzen (und nicht: Tendenzen!) aus Herzls „philosophischen Erzählungen" in Nr. 3 muß es auf S. 51 Spalte I Z. 27 von oben folgendermaßen lauten: „sie werden scheinbar durchsichtig, ätherisch!" Bei der Administration der „Welt«« in Köln sind eingegangen: Für den Palästinakulturfonds 11: Zionistische Ortsgruppe Breslau, Nachtrag vom Reinerträgnis des Chanukkafestes................Ji 25.— Für die Kunstgewerbeschule „Bezalel": Ungenannt.....................„ 15.— Berichtigung In Nr. 3 wurden für die Misrachi-Schule irrtümlich 21 Mark von M. S. ausgewiesen. Es muß richtig heißen 12 Mark.

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