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Die Welt · 1909-01-15 · 3 (15.1.1909) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
3 (15.1.1909)
Date
1909-01-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 6 ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIII. JAHRO. KÖLN, 15. Januar 1909 p-vrt oWtf rDü d"d No. 3. „DIE EROBERUNG DER GEMEINDEN" Wären wir durch den Zionismus von den realen Verhältnissen der Diaspora losgelöst, nicht getragen, sondern tragend, nicht gebunden, sondern bindend, nicht im Dienste, sondern in Dienst nehmend, dann würden wir uns um Dinge, die außerhalb des Rahmens unseres Programms liegen, vielleicht gar nicht kümmern. Aber — ob wir es wollen oder nicht — wir stecken einmal tief in den Wirklichkeitsverhältnissen; wir sind unter ihrer historischen Last gebeugt, und die Erfolgaussichten unserer Propaganda sind von den herrschenden Strömungen und dem Einfluß gewisser Qruppen und Persönlichkeiten abhängig. Deshalb führt uns oftmals die reinste Parteiarbeit zu Versuchen, uns mit lokalen Verwaltungsangelegenheiten und Qegenwartsinteressen eifrig zu beschäftigen. Die Entwicklung geht in folgender Weise vor sich: Wir treten in den ruhigsten Bahnen der Agitation an die Einzelnen heran, um sie für uns zu gewinnen. Da stellt es sich aber heraus, daß wir die Einzelnen nicht gewinnen können, weil sie in Gemeinden eingegliedert sind, die uns aktiv oder passiv befehden. Es entsteht in uns dann der Wille, unsere Idee in den Gemeinden zum Durchbruch zu bringen. Nun zeigt es sich aber oftmals, daß an der Spitze dieser Gemeinden Persönlichkeiten stehen, die uns den Weg zur Gewinnung der Massen sperren. Da regt sich in uns natürlicherweise der Gedanke, eine solche Leitung zu verdrängen und ah deren Platz unsere eignen oder uns nahestehende Kreise zu bringen. Das ist die Genesis der sogenannten „Eroberung der Gemeinden". Hier und da läßt uns diese Methode im Stich. Großer Energieaufwand und keine Ergebnisse. Post factum bedauert man ein unberechnetes Wagen. Oft sind es unkontrollierbare Störungsfaktoren, die die Mühe fruchtlos machen. Dann tritt eine gewisse Reaktion ein: man geht wieder an die Kleinarbeit, an die einzelnen. Ist es möglich, hier ein Dogma aufzustellen? Die Taktik gebietet, Mittel und Wege je nach den Verhältnissen zu wechseln. Ob man viele einzelne Stammesgenossen oder einflußreiche Vorstände zionisiert, das ist im Grunde ganz gleich. Es erinnert an die bekannte kindliche Scherzfrage: Was ist schwerer, — ein Pfund Blei oder ein Pfund Federn? — Die Hauptsache ist, daß man das Gewicht gewinnt. Und eins ist sicher. Wir können uns nicht auf unsern kleinen Kreis beschränken; wir müssen neue Kräfte gewinnen. Aber nicht nur aus den Entwicklungen und Versuchen der Propaganda, sondern auch aus dem Grundwesen unserer Bestrebungen ergibt sich ein gewisser Gegensatz zwischen uns und dem, was man im landläufigen Sinne „Gemeinde" nennt. Wie im Großen, so im Kleinen. „Es ist mir leid um dich, mein Bruder Jonathan, aber geschieden muß sein!" Wenigstens in der Theorie. Auch in der großen Welt zerfällt das ganze Reich der Politik bekanntlich in zwei große Lager: in alternd junge, vergangene und zukünftige, feste und werdende, besitzende und kämpfende Macht, wobei den Mächten der alten Ordnung die Verwaltung gehört und ihre Antagonisten sich im Parlamentarismus sammeln, der die Werkstätte des Neuen, das Tor des Zukünftigen, den Transformationshochofen darstellt, der die Aufgabe hat, das Neue zuzubereiten und es in Einrichtung, Leben, Wirklichkeit umzusetzen, um seinerseits Verwaltung zu werden. Ähnlich ist das Bestreben des Zionismus den Gemeinden gegenüber. Ist doch der Zionismus zum Teil ein jüdischer Parlamentarismus, ja, der erste jüdische Parlamentarismus! Aus der Gesamtheit des Volkes empfängt er die Impulse des Neuen und besitzt den Willen, die Verwaltung wenigstens an all jenen Punkten umzubilden, wo er sie nicht als genügend jüdisch oder als genügend volkstümlich empfindet. ^: Daß die Gemeinden, mit wenigen Ausnahmen, so oft dieser Gegensatz zur Geltung kommt, unklug verfahren, wenn sie sich ganz schroff ablehnend verhalten, daß sie auch von ihrem eigenen Standpunkte aus unklug verfahren, ist klar. Ein kluges altes Regime verfährt anders: es nimmt die neuen Mächte, wenn auch in beschränktem Maße auf, um sie ungefährlich zu machen; es sncht den Widerstand, den Hader, die Entbindung der Voikskräfte, unter der Voraussetzung, daß all dies sich harmonisch abspielen wird. % Freilich, ein Hintergedanke ist dabei vorhanden: "daß nur der öde Radikalismus es'versuchte, zu wirtschaftender wird schon schnell abwirtschaften! Nun gut, wie die Motive auch l

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