Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 50 (13.12.1907)
- Date
- 1907-12-13
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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20 DIE ELT No. 50 Immigranten in Galveston mit großem Pomp empfangen und hat jedem von ihnen eine gute Lebensversorgung versprochen. Aus allen diesen Versprechungen ist aber nichts geworden. Die erste Güte, die man den Immigranten erwiesen hat, bestand darin, ihnen die Barte abzuschneiden, damit sie nicht wie Juden aussehen sollten. Sodann hat man sie in verschiedene entlegene Gegenden verschickt, und zwar in Gruppen von je vier und fünf Mann. In der Gruppe des Opatowski befanden sich noch folgende: Lippe Freitag, Smotjagasse 1, Warschau, Isak Feldmann, Sinkow, Gouvernement Kiew, und dazu noch einer aus derselben Stadt, dessen Name aber nicht bekannt ist. Diese Gruppe wurde nach Pueblo Colorado gesandt. Dort wurden sie zusammen mit einer Menge Neger zum Baumfällen in den Wald geschickt. Nachdem hierauf die Leiden, denen die jüdischen Holzfäller in dem wilden Walde in einem ungesunden Klima und unter wilden Menschen ausgesetzt waren, geschildert sind und der Ito als der Urheberin davon heftige Vorwürfe gemacht werden, fährt der Bericht fort: Die Lage der „grünen" Holzhacker v/urde unerträglich. Zu allen Plagen hat man sie auchs noch gezwungen, trefe zu essen. Wie Opatowski erzählt, mußten sie Bohnen mit Speck essen. Wer nicht schnell genug arbeitete, wurde geschlagen. Die Aufseher über die Juden waren starke Neger, die die Arbeiter mit den Zweigen der gefällten Bäume zu mißhandeln pflegten. In einer finsteren Nacht ist dann Opatowski mitsamt seinen drei Genossen davon gelaufen. Sie sind zu Fuß hundert Meilen weit gegangen, bis sie nach Lincoln, Nebraska, gekommen sind. Hier lagen sie drei Tage krank und wurden sodann von der Wohltätigkeitsgesellschaft nach Omaha, Nebraska, geschickt. Von hier aus wurden sie dann wieder von der Wohltätigkeitsgesellschaft nach Chikago geschickt. In Chikago fanden die Flüchtlinge noch zwanzig Juden von derselben Partei, mit der auch sie in Galveston seinerzeit angekommen waren. Alle hatten dieselben Erfahrungen gemacht. Sie fanden sich alle im Chikagoer Asyl wieder. Die Landsleute der Entlaufenen in Chikago halfen ihnen nach New York weiter. Opatowski hat in Warschau seine Frau und drei Kinder zurückgelassen. Dort war er Kohlenträger und wohnte Powiagasse 20. Opatowski wurde zur Auswanderung durch die Inserate der Ito in den jüdisch-russischen Zeitungen veranlaßt. Keiner dieser Auswanderer ist umsonst gereist, jeder mußte für die Reise von der Grenze bis Galveston 75 Rubel bezahlen". Soweit der Bericht des ameriknischen Blattes, den wir in vielem noch gemildert haben. Wir brauchen nicht erst zu sagen, daß wir an diese Beschuldigungen nicht glauben können. Aber angesichts dieser sich häufenden Erklärungen und „Enthüllungen" in amerikanisch-jüdischen Zeitungen scheint es uns doch geboten zu sein, daß die maßgebenden Stellen schleunigst derartige Behauptungen, die geeignet sind, die größten Besorgnisse hervorzurufen, durch authentische Widerlegungen entkräftigen. Mitteilung des Palästinaressorts des E. A. C. Infolge der Beschlüsse des letzten Zionistenkongresses ist die reale Arbeit für und in Palästina kraftvoll in den Vordergrund aller zionistischen Bestrebungen gerückt. Die Gründung eines Palästinaressorts und die Schaffung eines Palästinaamtes sind die äußeren Wahrzeichen dieser Entwicklung. Jetzt gilt es, die Konsequenzen zu ziehen. Große Aufgaben harren der neu eingerichteten Institutionen. Schon wird geplant, durch Gründung einer Palestine-Land-Developement Co. sowie eines Agrarfonds, in Verbindung mit der Anglo-Palestine Co. die Grundlagen zu schaffen zu einer geregelten Besiedelung des Landes durch einheimische und zugewanderte Stammesgenossen. Das private Kapital muß hierzu mobilisiert und organisiert werden. Es müssen vorbereitende Forschungsarbeiten stattfinden, es müssen Auskunftsbureaus errichtet und durch von Wanderlehrern abzuhaltende landwirtschaftliche und gewerbliche Kurse die Einwohner Palästinas modernen Wirtschaftsmethoden zugeführt werden. Außerdem bedarf es auch der Unterstützung der nationalen Institute in Palästina, wie z. B. des hebräischen Gymnasiums, der Nationalbibliothek, der Kunstgewerbeschule Bezalel, des Museums usw. Folgende Aufstellung zeigt, welche Mittel erforderlich sind, um nur einigermaßen die erwähnten Aufgaben in diesem Jahre erfüllen zu können. Es bedarf hierzu mindestens 100 000 Mark, und zwar für 1. Palästinaamt mit Beirat (in Palästina) mindestens Jt 2O0O0 2. Palästiriaressort in Berlin (Bureau, Propaganda, Verbreitung der Palästinakenntnis, Mobilisierung, f Organisierung und privater Kapitalien für Palästina) mindestens Jt 20000 3. Wissenschaftliche und technische Forschungsarbeiten in Palästina........mindestens „ 15 000 4. Informationsbureaus in Palästina und den Nachbarländern ..............mindestens „ 15000 5. Landwirtschaftliche und gewerbliche Wanderlehrer sowie Ferienkurse in Palästina . . mindestens „ 10000 6. Subventionen an: Hebr. Gymnasium, Nationalbibliothek, Kunstgewerbeschule Bezalel, Museum usw................mindestens „ 20000 Obgleich die Zahl der bewußten Zionisten auf weit über 100000 zu schätzen ist, so betragen erfahrungsgemäß die Gesamteinnahmen des Zionistischen Zentralbureaus in den kongreß losen Jahren höchstens Jt 50000, so daß man damit rechnen muli. daß auch in diesem Jahre die dem Palästinaressort bewilligten 25°/«) dei Gesamteinnahmen wohl kaum mehr als Jt 10 000 ausmachen werden, während für die anderen erwähnten Zwecke kaum etwas übri^ bleiben wird. Meinen es aber unsere Gesinnungsgenossen mit der realen Arbeit in Palästina wirklich ernst, so müssen sie jetzt schon damit beginnen, bei jeder möglichen Gelegenheit Beiträge für die Palästina arbeit zu sammeln. Es unterliegt keinem Zweifel, daß bei einer rührigen Agitation eine über die ganze Welt verzweigte Organisation wie die unsrige, den Jahresbetrag von Jt 100 000 für ihre so überaus wichtige Tätigkeit in Palästina mit Leichtigkeit aufzubringen vermag. Wenn man bedenkt, daß im vorigen Jahre, das doch für unsere russischen Brüder zu den schwersten zählt, das Odessaer Komitee allein am Vorabend des „Versöhnungstages" 20 00O Jt mittels Tellersammlungen (Kaires) aufgebracht hat, so wird man zugeben müssen, daß unsere Bitte nicht so schwer erfüllbar ist. Jeder Zionist sollte es als Ehrenpflicht betrachten, auch die Palästinaarbeit nach Kräften zu unterstützen. Geldsendungen sind unter dem Titel „Für die Palästinaarbeit" oder unter Angabe des genauen Zwecks an den Jewish Colonial Trust zu richten, auch das Palästinaressort, zu Händen des Unterzeichneten. Berlin W. 15, Uhlandstraße 175, sowie die Sammelstellen der einzelnen Federationen nehmen Beträge gern entgegen. Der Ausweis der einzelnen Beträge erfolgt durch die Parteipresse. Palästinaressort des E. A. C. O. Warburg. P. S. Sämtliche Parteiblätter werden um Abdruck vorliegende! Mitteilung gebeten. Bei der Administration der „Welt" in Köln sind folgende Spenden eingegangen: Jüdischer Nationalfonds: Selbstbesteuerung: Jakob Feller, Luzan für 3 Monate Kr. —.60, Jos. Rubinger —.25...........Mk. —.72 Wiznitz: Durch Nationalfondskommissär Q. Rosenrauch 5 °/o Reinertrag der Makkabäerfeier Kr. 2.50, Frau Chaja Fried —.40, Em. Kaufmann 1.— zusammen Kr. 3.90 zur Eintragung. „Verein Zion" Wiznitz"...... . „ 3.31 Mk. 4.03 Für die Ölbaumpflanzung: Jui. Isaacson, Recklinghausen 1 Baum auf Namen des Herrn Dr. Louis Weinberg-Dortmund als Geburtstagsgratulation ..................Mk. 6. Sina Pelz-Krakau 1 Baum zum Andenken seines sei. Vaters Alexander Sußmann Pelz gest. 2.Teweth 5665 . . „ 6.50 Für den Herzlwald: David Wolffsohn-Köln gratuliert zur Vermählung Kristjanpoller- Wolpe und stiftet 1 Baum............ . . „ 6- Mk. 18.50 Briefkasten A. A. Leider nicht verwendbar. Berk. Wien. Leider nicht geeignet. „Morgen", Wochenschrift für deutsche Kultur, Berlin W.. 60, Marquardt & Co. Inhalt der Nr. 27: Äußerungen über Maximilian fiarden. — Siegfr. Trebitsch: Persönliches von Björnstjerne Björnson. L. N. Goldberger: Die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen Deutschlands zu den Vereinigten Staaten. — Randbemerkungen, Theater, Musik, Reformen, Bristolbriefe.