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Die Welt · 1907-11-29 · 48 (29.11.1907) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
48 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Mo. 4S DIEÄLT hat gewiß zwei Seelen; denn im „Sohn des alten Volkes" ist er Jüdisch trotz einem) und an. Pissaros, französischen Landschaften von neuem uns innig gefreut, Jules Adlers Pariser Boulevardbilder, die wie soziale Einakter wirken,, mit der Aufmerksamkeit besehen, die sie verdienen, im Vorübergehen Bruno Beckers „Blauem Faun" und Marie Henri ques; \\aindervoll-idyllischen„WeißenBank"neuesbewunderndes; Kompliment gemacht, Solomon J. Solomons Hoch- 29 ob wir es nun östlich, westlich oder „mehr oder minder vom Milieu" beeinflußt nennen. Wir müssen auch hier auf den endlichen Ausgleich warten. Ihn schon jetzt zu fördern, dazu ist die Erkenntnis, und Förderung jüdischen Kulturschaffens ein unentbehrlicher- Faktor. Auf die Dauer werden die, die eine nationale Zukunft wollen, sich dieser kulturfördernden Arbeit nicht entziehen dürfen, es sei denn zu ihrem eigenen großen Schaden. f HENRYK GLICENSTE1N SKULPTUR Porträtbüste des Gabriele d'Annunzio JOZEF ISRAELS RADIERUNG Porträt kunst im Porträt genossen und Benoit-Levys wirklich, bretagnisehe Landschaften, Interieurs, und haben so der Reihe nach alles besehen und dankbar besehen, — ■ aber wir; freuten uns über diese Kunstwerke nur, weil es zu einem guten Teile wirkliche Kunstwerke sind, die in jeder Ausstellung mit Ehren bestehen könnten, und weil sie von Juden geschaffen sind, — doch das. „Spezifisch-Jüdische" an ihnen konnten wir nicht bewundern, weil wir es nicht sahen. * * * Und das sei uns genug. Im Zwiespalt des Gorslebens müssen wir auch das Kunstschaffen der Juden teilen, so wie wir die Menschen teilen, teilen müssen, Bei der Eröffnung dei\Ausstellung sprach ein Herr, der sich um ihr Zustandekommen große Verdienste erworben hat, über den Zweck des Unternehmens. Er sagte so ungefähr: „Wir sind trotz oder wegen dieser. Ausstellung gute Deutsche und wollen es bleiben" usw. vEr hatte das Recht, in die Ausstellung hineinzulegen, was er hineinlegen wollte. Aber wir fühlten schmerzlich: Der Atem des Qiganten schlägt auch in diesem Saal. Auch dieses Plätzchen haben wir vergessen zu sichern, vertrauend darauf, daß es durch sich selbst gesichert sei. Vielleicht ist es diesmal wirklich gesichert. Aber nicht immer und nicht überall muß das so sein. Discite moniti!

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