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Die Welt · 1907-11-22 · 47 (22.11.1907) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
47 (22.11.1907)
Date
1907-11-22
Page
– (sequence 16)
Language
German
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18 DIE^fLT Np. 47 Oie (iefertigten stellen daher an Se. Exzellenz die Anfrage: „Ist der Herr Minister bereit, dahin zu wirken, daß das jüdisch-theologische Seminar nur seine ursprüngliche Bestimmung und keine politischen Aufgaben erfülle und daß alle politischen Anschauungen sowohl im Lehrkörper als auch in der Hörerschaft in gleicher Weise behandelt und nicht zum Gegenstande grundsätzlicher Ausschließung und Bekämpfung gemacht werden?" Interpellationen haben ferner überreicht: Abg. Dr. Mahler an den Landesverteidigungsminister über die Befreiung jüdischer Soldaten vom Dienst an hohen Feiertagen; Abg. Dr. Gabel an den Minister des Innern über die Sonntagsruhe im Fleischergewerbe in den Bezirken Krakau und Podgorze; Abg. Stand an den Minister des Innern wegen Amtsmißbräuche des Regierungskommissärs in Ottynia; Abg. Dr. Gabel an den Minister des Innern über Verfolgungen des Arztes Doktor Frostig in Beiz durch die Administrativbehörden. Verband orthodoxer Rabbiner Deutschlands Auf Einladung des Rabbiners Dr. S. Breuer- Frankfurt konstituierte sich dieser Tage eine aus allen Teilen des Reiches stark besuchte Versammlung orthodoxer Rabbiner zu einem „Verband orthodoxer Rabbiner Deutschlands". In den Vorstand wurden gewählt: Dr. S. Breuer-Frankfurt a. M., Dr. Bamberger-Hanau, Dr. Bondi-Mainz, Dr. R. Breuer-Frankfurt a. M., Dr. Cahn-Fulda, Dr. Hirschfeld-Gießen, Dr. Stahn-Wiesbaden, Dr. Löwenstein-Mosbach, Dr. Marx-Darmstadt. Rabbiner-Wahl Der Kultusrat der Graz er israelitischen Kultusgemeinde hat in seiner Sitzung vom 20. Oktober 1. J. den einstimmigen Beschluß gefaßt, für die seit dem Tode Dr. Samuel Mühsams erledigte Rabbinerstelle den Herrn Rabbiner Dr. David Herzog in Prag- Smichow, Dozenten an der k. k. deutschen Carl Ferdinands Universität, zum Rabbiner von Steiermark, Kärnten und Krain zu berufen. „Ibriah" Das von der Konferenz „Ibriah" in dem Haag gewählte Zentral - bureau beehrt sich mitzuteilen, daß es bereits seine Arbeit begonnen hat. Demnächst wird ein ausführliches Arbeitsprogramm veröffentlicht werden. Die Adresse des Zentralbureaus: „Ibriah", Jaffa, Palästina. Für finanzielle Angelegenheiten: „Moriah", Odessa für Lewinsky. Sehr geehrter Herr Redakteur! Auf dem VIII. Kongreß im Haag wurde gegen den Antrag der Poale-Zion, betreffend die Oppenheimerische Siedlungsgenossenschaft, die angebliche „Tatsache" angeführt, daß eine von Herrn Dr. Oppenheimer in Deutschland begründete Siedlungsgenossenschaft gescheitert und mißlungen sei. Diese Behauptung wurde merkwürdigerweise von Vertretern der deutschen Landsmannschaft, sowohl im Palästina-Ausschuß wie auch in privaten Bemerkungen, auf dem Kongreß wiederholt apodiktisch aufgestellt. Leider war Herr Dr. Oppenheimer durch Krankheit verhindert, am Kongreß teilzunehmen, so daß dem sofortigen Dementi von Seiten der Poale-Zion die entsprechende Autorität mangelte. Diesem Umstand ist es auch zuzuschreiben, daß eine von dem Palästina-Ausschuß immerhin abgeschwächte Resolution zum Beschluß erhoben wurde, und nicht jene von den Poale-Zion im Einvernehmen mit Herrn Professor Warburg verfaßte, die folgenden Wortlaut hatte: „Der VIII. Kongreß hält an dem Beschlüsse fest, auf den Ländereien des Nationalfonds eine Siedlungsgenossenschaft zu begründen, und beauftragt die Palästinakommission, bis zur nächsten Jahreskonferenz Studien über die Beschaffenheit des Bodens und des Arbeitermaterials an Ort und Stelle vorzunehmen und einen detaillierten Kostenvoranschlag vorzulegen, auf Grund dessen eine unter entsprechender Beteiligung der zionistischen Kreditinstitute zu begründende kapitalkräftige Gesellschaft die Durchführung des Beschlusses ehestens in Angriff nimmt." Zur Erläuterung sei bemerkt, daß der Beschluß, auf den Ländereien des N.-F. eine Siedlungsgenossenschaft nach dem Plane Dr. Franz Oppenheimers zu errichten, bereits bei einer Jahres- Konferenz gefaßt worden war, der letzten, welcher Theodor HerzI präsidierte und auf dessen warme Befürwortung hin dieser Beschluß angenommen wurde. Wenn nun auch die ausdrückliche Erklärung des Herrn Professors Warburg auf dem VIII. Kongreß uns darüber beruhigte, daß die Palästinakommission den Beschluß im Sinne des Antrages der Poale-Zion ausführen wird, — welche Erklärung die Poale-Zion- Delegierten bekanntlich veranlaßt hat, ihren Antrag zurückzuziehen — so hielten wir es doch mit Rücksicht auf die nach dem Kongresse in zionistischen Blättern und Versammlungen immer wieder aufgestellte Behauptung, daß der Oppenheimerische Versuch in Deutschland mißglückt sei, für notwendig, uns diesbezüglich an Herrn Dr. Franz Oppenheimer mit einer Anfrage zu wenden. Wir erhielten folgende Antwort: „Was die Behauptung anlangt, daß meine bei Eisenach begründete Siedlungsgenossenschaft gescheitert sei, so ist das kompletter Unsinn. Sie hat noch gar nicht angefangen, und ich werde sie auch auf dem von uns erworbenen Gut nicht anfangen können, erstens, weil es sich leider herausgestellt hat, daß das Gelände den Anforderungen nicht voll entspricht, und zweitens, weil ich in der Rechtsordnung des Weimarischen Staates, der noch kein Grundbuch besitzt, auf unvorhergesehene und unüberwindliche Schwierigkeiten gestoßen bin. Unter diesen Umständen kann man von einem Scheitern des Unternehmens unmöglich sprechen." Hoffentlich werden nun die mit oder ohne Absicht verbreiteten Gerüchte endlich verstummen. Es wäre aber auch dringend zu wünschen, daß alle jene, die bisher dem Oppenheimerischen Projekte opponierten, nunmehr sich zumindest mit gleichem Eifer dem Studium der Agrarfrage in Europa (mit besonderer Berücksichtigung der „Landflucht" der besitzlosen Bauern) widmen, und im Zusammenhang damit der Arbeiterfrage in den palästinesischen Kolonien (mit besonderer Berücksichtigung des arabischen „Char atis m us"). Wir sind überzeugt, daß sie dann gleich uns in dem Oppenheimerischen Plan mehr als ein interessantes „Experiment" erblicken und bald erkennen werden, daß die Siedlungsgenossenschaft in erster Linie geeignet ist, besitzlose jüdische Arbeiter dauernd in palästinensischen Kolonien anzusiedeln und zu praktischen Landwirten zu erziehen. Nathan Groß S. Kaplansky-K aplan Seien mir einige Worte zu der sehr freundlichen Besprechung, die Dr. Marek Scherlag meinem „Spinoza" in diesem Blatte widmet, gestattet. Die Grundlage meines Romans sind für die Gestalt Spinozas die Quellenwerke Meinsmas und Freudenthals; dagegen habe ich geflissentlich weder Auerbachs Roman noch die Lebensdarstellung von Freudenthal gelesen, um nicht in meiner Auffassung durch die anderer beeinflußt zu werden. Ich wollte einen historischen Roman in dem Sinne geben, daß ich das historische Material erfülle; niemals aber etwas dagegen Widersprechendes bringe. Zur Milieuschilderung habe ich außer Graetz mancherlei holländische Quellen benutzt. Die dichterische Gestaltung ist natürlich mein völliges Eigentum, und ich muß mich auch für sie verantwortlich fühlen. Da trifft mich nun der Vorwurf schwer, ich habe das Familienleben der Juden nicht zur Geltung gebracht. Das hat aber seinen Grund in der Komposition: nur der Kreis um Spinoza sollte geschildert werden, nichts außerhalb Liegendes, sofern es nicht zu ihm Beziehungen hat. Die Vereinzelung des großen Einsamen durfte nicht ohne Ursache sein. Daß tatsächlich das Familienleben unter den portugiesischen Juden in Amsterdam durchaus nicht stets das idylisch patriarchalische des Ghettos war, darüber geben sogar in Spinozas eigener Familie Vorkommnisse Aufschluß: der häßliche Erbschaftsstreit nach dem Tode des Vaters. Daß die Geistlichkeit damals eine strengere Zucht übte, hatte sicher auch seinen guten Grund. Die Portugiesen lebten eben nicht in einem Ghetto, wie man gewöhnlich meint, sondern unter den andern Bewohnern, wenn auch zum Hauptteil in einem Viertel. Zwischen ihnen und den deutschen und polnischen Juden bestand sein starker Gegensatz. Die will bei der Beurteilung meines Romans berücksichtigt werden. Manasse ben Sina und Miriam sind vor allem Symbole - wie auch Benjamin Morteira •-, mit vollem Bewußtsein ist ihnen eine halbchristliche Herkunft gegeben. Nicht etwa, daß unter den Portugiesen keine Gewalttätigkeit vorgekommen wäre — man denke nur an das Attentat Uriel de Costas auf seinen Verwandten, kurz vor seinem Selbstmord, an das historische Attentat auf Spinoza selbst —, aber ich wollte Bedenken vermeiden, die zu erregen künstlerisch nicht nötig war. Daß mein „Spinoza" ein Judenroman ist, darin hat Dr. Scherlag recht, aber er ist es nicht ausschließlich und will auf keinen Fall „der" Judenroman sein; sein Geist ist Baruch d'Espinoza, seine Seele aber Benjamin, der nur auf dem Wege nach Zion sterben will. Wien. Otto Hauser

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