Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 46 (15.11.1907)
- Date
- 1907-11-15
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 46 DIE^gELT 23 Probeyorstellung sein sollte, dann muß man sagen, daß diese Probe voraussichtlich in Ehren vor der Öffentlichkeit bestehen wird. Einige der ersten jüdischen Meister sind mit prächtigen Schöpfungen vertreten: Jozef Israels allen voran mit 8 Gemälden, der englisch-jüdische Maler Solomon J. Solomon mit einigen seiner neuesten farbenreichen Bilder, Hirszenberg, dessen aus Abbildungen bekanntes Riesengemälde „Golus" eine Wand füllt, der verstorbene Camille Pissaro mit mehreren seiner wunderschönen Landschaften, Lesser Ury, der neben seinem „Jeremias", „Jerusalem" und einigen Landschaften einen noch farbenfeuchten „Moses" ausstellt, Pilichowski, der unter anderen seine große Gruppe „Im Wartesaal" vorführt, Jules Adler, der bedeutende französische Künstler, und sein Landsmann Jules Benoit Levy, die Österreicher Corchell, Krestir und Eichhorn (letzterer mit seiner imposanten und preisgekrönten „Wallfahrt", der verstorbene Monies, der Londoner Conrad, der bekannte Isidor Kauf mann, dann Oppenheimer, ferner Isaak Israels, der talentvolle Sohn des Altmeisters, der hochbegabte, leider so früh verstorbene Moritz Gottlieb, sein Bruder Leopold Gottlieb, Benno Becker und noch eine Anzahl anderer, die wir bei dieser ersten und daher noch unvollständigen Übersicht wahrscheinlich übersehen haben. Die bildhauerische Abteilung enthält u. a. einige kleinere Arbeiten Antokolskis, sodann zahlreiche Schöpfungen Glicensteins; ferner sehen wir vertreten: die Petersburgerin Marie Dillon, Elias Günzburg, Benno Elkan und Bernhard Sopher (geb. in Safed, Palästina). Die zeichnerische Abteilung, die noch nicht zu besichtigen war, soll eine Reihe sehr hübscher Arbeiten von Radierern und Schwarz-Weiß-Zeichnern umfassen. Nebenher werden Erzeugnisse des Kunstgewerbes und kunstgewerbliche und bibliographische Antiquitäten zur Ausstellung gelangen, zum Teil aus dem 16., meist aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die schon auf den ersten Blick sehr viel Interessantes vom künstlerischen wie vom kulturhistorischen Standpunkte bieten. Eine eingehende Besprechung der Ausstellung, die auch zahlreiche Reproduktionen der ausgestellten Werke enthalten wird, wird unsere am 29.November erscheinende Chanukkahnummer bringen. Die Situation in Rumänien Aus dem umfassenden Berichte, den Herr Dr. Kaminka im Auftrage der „Israelitischen Allianz zu Wien", über die von ihm in Rumänien im August d. J. vorgefundene Situation und über das Hilfswerk jetzt erstattet hat, sei hier folgendes mitgeteilt: „Ich muß mit der traurigen Feststellung beginnen, daß die Lage der rumänischen Juden nach den neuerlichen Beobachtungen, die ich selbst während des Aufenthaltes in verschiedenen Orten der Moldau gemacht habe und nach den von verschiedenen Kreisen der jüdischen Bevölkerung eingeholten glaubwürdigen Informationen eine viel düsterere ist, als man sich in Westeuropa vorstellt; daß die Notlage sich während der verflossenen Monate bedeutend verschärft hat, daß das Elend von Tag zu Tag zunimmt und demgemäß die unserer Allianz von den vereinigten Hilfsorganisationen übertragene Führung in der rumänischen Aktion uns zur dringenden Pflicht macht, uns sofort hierüber und über die Mittel zur weiteren Leitung des Hilfswerkes mit den Organisationen ins Einvernehmen zu setzen. Das wichtigste Ergebnis meiner Erhebungen ist, daß der Schwerpunkt des Hilfswerkes, besonders für die Juden der nördlichen Moldau, in der Emigration liegt. Geschädigte und Vertriebene: Nach den theoretischen Erwägungen, von welchen sich die Wiener Konferenz vom 5. Mai leiten ließ, sollte zunächst eine Summe von 500 000 Frs. den während der Unruhen geschädigten Familien zur Wiederherstellung der Existenz Hilfe bieten und dann nach besonderen Erhebungen ein Fonds zur Hilfe für die aus den Dörfern Vertriebenen geschaffen werden. Aus der Korrespondenz mit der Zentrale in Jassy haben wir bereits vor mehreren Wochen ersehen, daß eine Scheidung der beiden Kategorien nicht durchgeführt werden konnte. Nach dem Bilde, welches ich von der wirklichen Situation bekam, kann man in der Tat die beiden Kategorien nicht streng voneinander scheiden; dabei ist aber die Not der „Vertriebenen" eine unvergleichlich größere als die der „Geschädigten". Es sind Familien, die nach Hunderten zählen, und denen nicht bei sonst halbwegs fester Existenz durch die Exzesse ein gewisser zu beziffernder Schaden zugefügt wurde, sondern durch die Maßnahmen der Behörden, welche geradezu einen Vernichtungskrieg gegen die armen Juden führen, vermittels Ausweisungen aus den Dörfern oder neuer Polizei Verfügungen, also durch stille, unblutige behördliche Exzesse das Leben in der Heimat unmöglich gemacht wurde. Diese Unglücklichen, zum großen Teil gesunde, kräftige Leute, die auf dem Lande gelebt haben und die zu jeder schweren Arbeit in welchem Lande auch immer bereit sind, können in den Städten der Moldau, wo ohnehin bereits eine ungeheuere jüdische Proletarierbevölkerung vorhanden ist, sich eine neue Existenz zumeist gar nicht oder aber nur mit so großen Kosten begründen, daß die Emigration nach West- oder Südamerika oder Kanada für sie eine viel billigere Hilfe bedeutet, welche sie überdies vorzugsweise anstreben. Die Komitees wurden fortwährend von den brotlosen, schwerkämpfenden und dabei von den Behörden bedrängten Familien beider Kategorien um Hilfe angefleht und sie haben nicht umhin können, nachdem die Zentrale in Jassy in der Sitzung vom 27. Mai die in Wien bewilligte Summe von 500 000 Frs. nach den verschiedenen Rayons aufgeteilt hatte, die unglücklichen Familien einfach für Unterstützungen vorzumerken. Die in zahlreichen Fällen von den Komitees vorgeschlagenen ganz kleinen Unterstützungen zwischen 10 und 50 Frs. haben natürlich keinen Sinn, und das Komitee in Botoschani hat selbst zugegeben, daß es nur eine Art „Chaluka" ist, welche die Armen verzehren, indem sie unverändert in Not bleiben. Aber die Repräsentanten der moldauischen Juden versichern übereinstimmend, daß solange nicht durch eine verstärkte und erleichterte Emigration eine große Anzahl von erwerbsfähigen Familien fortzieht, an eine tatsächliche Hilfe nicht zu denken sei. In Botoschani ist das Elend unbeschreiblich, und Familien, die als Opfer der Exzesse eine Unterstützung von 100 bis 200 Frs. bekommen haben, aber absolut nichts damit anfangen können, bitten flehentlich, daß man dieses Geld von ihnen als Beitrag für die Auswanderung zurücknehme." Die „Israel. Allianz" hat daraufhin sofort in Gemeinschaft mit der J. C. A. einer beträchtlichen Anzahl Notleidender (ca. 600 Personen) zur Auswanderung nach Kanada verholfen. Ruthenen und Zionisten Die „Zeit", Wien, bringt unter der Überschrift „Ruthenen und Zionisten" folgende Erklärung: „In Ihrem Morgenblatt vom 5. d. wird in einer Notiz über das Verhältnis der Zionisten und Ruthenen ein Artikel des Lemberger Tagblattes „Dilo" zitiert, der sich mit angeblichen Differenzen zwischen dem ruthenischen und dem jüdischen Klub des Parlaments beschäftigt und besonders mich wegen angeblicher Unterhandlungen mit Mitgliedern des Polenklubs angreift. Ich habe dem „Dilo" eine ausführliche Widerlegung eingesendet und ersuche Sie, auch in Ihr geschätztes Blatt die Erklärung aufnehmen zu wollen, daß derartige Differenzen nicht existieren und Unterhandlungen mit dem Polenklub von uns in keiner Richtung geführt wurden. Ich stehe vielmehr seit Beginn des Parlaments auf dem Standpunkt, daß ein gemeinsames Vorgehen beider Klubs im beiderseitigen Interesse liegt und ein wirklich aufrichtiges Verhältnis ohne gewisse, von außen hereingetragene Mißverständnisse leicht zu erzielen ist. Dr. Heinrich Gabel, Reichsratsabgeordneter."_ Das Zionistische Zentralbureau in Köln sandte folgende Beileidsdepeche nach Wien: Den beliebten Kindern unseres verewigten unvergeßlichen Führers, denen der Tod die gute treue Mutter so frühzeitig entrissen hat, sowie der hartbetrofrenen verehrten Familie sendet in tiefempfundener Trauer den Ausdruck innigster Teilnahme und herzlichsten Trostes_Das Zionistische Zentralbureau, Köln Bezalel Die ordentliche Hauptversammlung des Vereins zur Verbreitung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern, „Bezalel", findet Sonntag den 17. November um lOVa Uhr vormittags, im Sitzungssaal der Großloge für Deutschland, Berlin SW, Wilhelmstraße 119, statt. Tagesordnung: 1. Berichterstattung über das verflossene Geschäftsjahr, 2. Neuwahlen. Teppiche werden zur Ansicht ausliegen. Auch Nichtmitglieder werden zur Versammlung höflichst eingeladen.____ Ha'Olam Inhalt der Nr. 46: N. Sokolow: Zu unserer politischen Erziehung. — A. Hermoni: Die Bedeutung Palästinas für unsere Literatur. — D. Trietsch: Die Fortschritte der Kolonisation, j— Belletristik: Bar Towija: Der Tod des „Haneorer". — S. Federstriche (Tawim). — Chronik. — Die zionistische Woche. — J. Lion: Rezension. Unser Gesinnungsgenosse Dr. Färber, Zürich, hat ein Lied „Der Stern Judas" gedichtet und komponiert, das allerorten, wo es vorgetragen wurde, sehr gefiel.