Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 44 (1.11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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16 DIEÄH-T No. 44 England Manchester: Eine große zionistische Massenversammlung fand am Samstag den 19. ds. Mts. in der Talmud Thora statt. Dr. Chaim Weitzmann, der jüngst von seiner Palästinareise zurückgekehrt ist, gab einen Bericht über das soziale und industrielle Leben des heiligen Landes. Dr. Weitzmann führte aus, daß, wer als Antizionist nach Palästina gehe, gewiß hundert Beobachtungen machen werde, die gegen die Realisierung der zionistischen Idee sprächen. Umgekehrt dürfe ein Zionist, der Palästina besucht, sich nicht durch seine Hoffnungen und Wünsche sein Urteil beeinflussen lassen. Zunächst müsse man feststellen, daß Palästina sein Gesicht heute von Tag zu Tag wechsele, ein besseres Aussehen bekomme. Und gerade diese Veränderungen in den Kolonien, die Verschiedenheit der Menge des in jüdischen Händen befindlichen Landes, der Wechsel im Leben, der Lebensweise und in der Arbeit im Lande selbst, all dieses wird bei der Verwirklichung unserer Idee mehr ins Gewicht fallen als alle diplomatische Arbeit. Man müsse sich unter allen Umständen auf das im Lande bereits Bestehende stützen; man dürfe nicht erwägen, wie neue Kolonien am besten gegründet werden, sondern man müsse die Verhältnisse der bereits bestehenden studieren und in Betracht ziehen. Die Liebe der Kolonisten zum Lande wachse täglich und sei schon so groß, daß ein Außenstehender es gar nicht erfassen könne. Eine schwierige Frage sei die Frage der arabischen Arbeiter. In manchen Kolonien seien 60 und 80 °/o der Landarbeiter Araber. In Petach Tikwah seien unter 1000 Arbeitern 800 arabische. Die jüdischen Kolonien könnten so lange nicht als jüdisch betrachtet werden, als die Araber in ihnen eine so große Rolle spielten. Die jüdischen Arbeiter hätten gezeigt, daß sie mit den arabischen konkurrieren könnten, nicht durch Herabdrücken der Lebensbedürfnisse, aber durch bessere und wertvollere Arbeit. Von den vorhandenen Arbeiterorganisationen rühmte Redner insbesondere die ..Poale Hazoir". Die lea tue wenig, aber was sie tue, tue sie gut. Redner plädierte sodann für Errichtung eines Zentralbureaus in Konstantinopel, das insbesondere die Erleichterung des Erwerbs von Grund und Boden zum Ziele seiner Tätigkeit-machen müsse. Der Nationalfonds sei zu klein, um für großen Landerwerb verwendet werden zu können; indessen könne er wohl das zwischen den Kolonien liegende unbebaute Land kaufen, um so eine Zone jüdischen Besitzes zu schaffen. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Liverpool: In der „Agudas Zionism" sprach Dr. J. S. Fuchs über den „Handel der Juden im Altertum und in der Gegenwart". Coventry: Rev. S. Katz hielt hier einen beifällig aufgenommenen Vortrag über Zionismus vor den Mitgliedern der Earlsdon Methodist Chapel. Portsmouth: Die Zionist Literary and Social Society hielt verflossene Woche in der Vestry Hall, Queen Street, eine große Versammlung ab, die sich hauptsächlich mit internen Angelegenheiten des Vereins befaßte. Es wurde beschlossen, im Winter einen Kursus über jüdische Geschichte zu veranstalten und einen Klub zum Studium des jüdischen Lebens und der hebräischen Sprache einzurichten. London. Die Jahresversammlung der London Zionist League fand am Samstag den 19. Oktober im Kilburn Konservatorium statt. Der Präsident, Dr. M. Friedeberger, betonte iii seinem Bericht, daß der Verein sich günstig entwickelt habe und daß es dem Vorstande gelungen sei, das übernommene Defizit von £ 28 auf £j3 zu vermindern. In der Diskussion wurde die Tätigkeit des Vorstandes scharf kritisiert und überhaupt die Notwendigkeit eines besonderen zionistischen Vereins für das Westend von London in Zweifel gezogen. Demgegenüber gelangte eine Resolution zur Annahme, die verlangt, daß der Verein seine Tätigkeit noch eine weitere Saison fortsetze. Die Wahl ergab folgendes Resultat: Dr. Friedeberger, Präsident; Dr. M. Gaster, H. Bentwich und Sir Francis Montefiore, Vizepräsidenten. Rußland Bobruisk: Vor einer zahlreichen Versammlung erstattete Herr L. Berger Bericht über den Kongreß. Hier beobachtet man ein sehr lebhaftes Interesse auch in nichtzionistischen Kreisen für die reale Arbeit in Palästina. — Simchasthora fand eine Versammlung in der Volksküche statt, bei der über 100 Rubel für den Nationalfonds und das Odessaer Komitee gesammelt wurden. Mariampol: Der zionistische Männerverein arbeitet in der letzten Zeit etwas weniger intensiv, dagegen entwickelt der Frauenverein „Bnos Zion" eine sehr rege Tätigkeit. Allwöchentlich finden Vorträge statt, eine zionistische Bibliothek ist eingerichtet, der Verein sammelt jeden Monat für den Nationalfonds und verkauft jährlich zirka 150 Schekel ausschließlich an Damen. In diesem Vereine hat sich eine hebräisch sprechende Gruppe gebildet. Herr Nissenbaum, der vor kurzem dort weilte und einige zionistische Vorträge hielt, erstattete auch einen Bericht über den jüdischen Frauenbund, der im Haag gegründet worden ist. Wladislawo=Neustadt: Der hiesige Zionistenverein, der lange Zeit fast eingeschlafen war, hat sich reorganisiert und entfaltete eine eifrige Tätigkeit. Das noch vorhandene Vereinsvermögen von 90 Rubel wurde zu gleichen Teilen dem Nationalfonds, dem Odessaer Komitee und dem Schekel überwiesen. Der Verein nimmt sich besonders tatkräftig der Schulverhältnisse an, er hat sämtliche Chedarim der Gemeinde zu einer Gemeindeschule vereinigt, in der der Unterricht nach einem durchaus fortschrittlichen Programm erteilt wird. Interessant ist, daß der hebräische Sprachunterricht in dieser Schule nach der Methode Ibrith blbrith vorgetragen wird, während die Bibel nach der alten Methode übersetzt wird. Bilkowischki: Der früher hier bestehende große zionistische Verein war in der letzten Zeit infolge des Belagerungszustandes fast ganz eingegangen. Die Arbeit ruhte fast durchweg, lediglich einige Gesinnungsgenossen nahmen sich der Propaganda an und sammelten jährlich 200 Schekel und kleinere Beträge für den Nationalfonds und das Odessaer Komitee. Vor kurzem hielt der Delegierte des Ortes, Herr J. Nissenbaum, vor einer Versammlung von mehreren hundert Personen im Beth Hamidrasch einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über den achten Kongreß. Im Anschluß daran wurde beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen und den Verein neu zu gründen. Wjerschbolowo: Auch hier wurde der zionistische Verein reorganisiert. Im Beth Hamidrasch wurden zwei zionistische Versammlungen abgehalten. Lusk-Wolhynien: Da hier die Gründung eines Schekelkomitees wegen der bestehenden administrativen