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Die Welt · 1907-11-01 · 44 (1.11.1907) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
44 (1.11.1907)
Date
1907-11-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIEMKE LT KÖLN AM RHEIN,;|UBIERRING23\/ ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XL JAHRO. KÖLN, I. November 1907 pnm^ übnn1« JllKn 1*3 No. 44. DAS LIBANON-EXPERIMENT*) in. Inwiefern ist nun das Libanon-Experiment gelungen? Auf den ersten Blick scheint es, als ob es einen unbestreitbaren Erfolg gehabt hätte. Der Reisende, der „die Berge" durchfährt, sieht die allgemeine Sicherheit im Lande, den guten Stand der Chausseen, die Sauberkeit in den Dörfern und die gut gebauten Häuser in ihnen und ist natürlich geneigt, all' diese Vorzüge der Konstitution zuzuschreiben. Auch nach einem längeren Aufenthalt im Lande wird man bestätigen, daß in den meisten Anforderungen der Zivilisation die Provinz vor den übrigen türkischen Wilajets einen Vorsprung hat. Vor allem und zunächst ist die öffentliche Sicherheit, verglichen mit der von Ägypten und manchen europäischen Staaten, ohne Frage ausgezeichnet. Räuberiinwesen und schwere Agrarverbrechen sind unbekannt, und die zwei oder drei Schwerverbrecher der Berge beschränken ihre Liebenswürdigkeiten auf die räuberischen Moslems von Beirut und verdanken ihre Freiheit dem Umstand, daß sie von den Bergchristen als ritterliche Fächer des Unrechts angesehen werden, das ihren Glaubensgenossen im Wilajet zugefügt wird. Die Beziehungen zwischen den Angehörigen der verschiedenen Religionsgemeinschaften haben sich seit 1860 verbessert. Gas System der Vertretung der einzelnen Riten im Wajlis el Idara und im Gerichtshöfe bei „gemischten" Hillen hat sehr viel dazu beigetragen, die religiöse Eifersucht zu dämpfen, die einstmals der Ruin der Provinz war. Zwar kann man.nicht sagen, daß religiöse Unduldsamkeit ein Faktor von geringer Bedeutung für die > okalpolitik geworden ist. Die Drusen, obwohl sie 'ich in einem leidlich guten Verhältnis zu den andern Sekten befinden, betrachten die mächtige maronitische Geistlichkeit mit Abneigung und Mißtrauen, und diese •ergilt das ihnen ihrerseits mit gleicher Münze, nur c;ie Griechisch-Katholischen haben ihre alte Fehde mit /Jen Orthodoxen vergessen. Aber im allgemeinen ist;(-stzustellen, daß die religiöse Feindschaft alle Aussicht!lat, in der nächsten Generation abgestorben zu sein, vorausge.setzt, daß sie nicht durch einen Patriarchen *) Vergl. Nr. 39 und 40. oder den Gouverneur neu angefacht wird. Heute kann sie höchstens noch Anlaß zu Intrigen geben, die zwar unwürdig genug, aber dem öffentlichen Wohl weniger gefährlich sind als der Bürgerkrieg und die Bluttaten, die sie einst hervorriefen. Die Gerichtshöfe, obwohl häufig genug der Gegenstand strenger und durchaus nicht unberechtigter Kritik, verdienen mehr Vertrauen als die des Wilajets, und dem Grundbuchsystem gebührt höchstes Lob. Die Anlage von Chausseen, die mit Ausnahme derStrecke Beirut:Damaskus, welche heute Eigentum der Hedschas-Bahngesellschaft ist und allmählich zu einer direkten Gefahr für den Verkehr wird, im Jahre 1860 vollständig unbekannt waren, ist speziell unter Naum Pascha mit einer solchen Energie gefördert worden, daß die Provinz heute über 700 Meilen angelegter Straßen besitzt, die sich zum größten Teil in guter Verfassung befinden. Inwiefern ist der Vertrag von 1860—1861 für diese Wohltaten verantwortlich? Obgleich man von ihm nicht sagen kann, daß er den Libanon, der sich immer eines gewissen Maßes lokaler Unabhängigkeit erfreute, von der türkischen Herrschaft befreit habe, wenigstens nicht in dem Sinne, wie Bulgarien durch den Berliner Vertrag befreit worden ist, bewahrte er die Libanonprovinz vor einer Wiederholung der Intervention, wie die, welche den Bürgerkrieg von 1860 herbeiführte, und setzte die Libanesen in den Stand, sich der Zivilisation bedeutend schneller zu nähern als die Moslems und Christen in den Wilajets. Es ist vor allem das System der Vertretung der Gemeinden, wie es im Grundgesetz niedergelegt ist, das für die Besserung der Beziehungen zwischen den Sekten verantwortlich gemacht werden muß und das auch zu der Besserung der Handhabe der Rechtspflege sein Teil beigetragen hat. Soweit die öffentliche Sicherheit sich gefestigt hat, ist dies zum Teil den Libanesen selbst zuzuschreiben. Die Landbevölkerung, sowohl die christliche wie die drusische, zeigt, obgleich sie, wie die Geschichte beweist, hervorragende militärische Eigenschaften besitzt, nichts von der Raubtiernatur und der zügellosen Grausamkeit, die manche der wilderen Völker desottomanischenReiches auszeichnet. Auch kann es nicht l

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