Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 43 (25.10.1907)
- Date
- 1907-10-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 DIE ELT No. 43 September konnte der Verein allein über 400 Dollars an die Kolonialbank abliefern. In demselben Zeiträume wurden 14 Bankaktien verkauft. Baltimore: Hier wurde ein neuer zionistischer Verein unter dem Namen West End Zionist Association gegründet. Der Verein zählt bereits ein halbes Hundert Mitglieder und bleibt im engsten Zusammenhang mit den anderen, dort bestehenden zionistischen Vereinen. Boston: In einer Sitzung des Vorstandes der hiesigen Vereinigung, wurde die Frage der Errichtung einer Filiale der Kolonialbank in Boston eingehend erörtert und beschlossen, diese Frage zu studieren und im geeigneten Augenblicke dem Vereine darüber zu berichten. Savanah: Auf Veranlassung hiesiger Zionisten wurde auf dem Stadthause, von dem Flaggen aller hier wohnhaften Nationalitäten wehen, auch eine Flagge für die Juden, und zwar die zionistische, gehißt. New York: Der überaus rührige Verein junger österreichisch-ungarischer Zionisten hat seine Tätigkeit wieder aufgenommen und zunächst eine lebhafte Agitation für den Nationalfonds eingeleitet. Am 26. September veranstaltete der Verein eine Aufführung von Tschirikows „Juden" im Volkstheater. Die Vorstellung verlief sehr anregend. Südafrika Worcester: Am 29. September fand in der hiesigen Synagoge eine sehr gut besuchte Versammlung statt, in der Mr. Alexander aus Kapstadt über den Kongreß berichtete. Am Schlüsse der Versammlung wurden dem Redner folgende Beträge zur weiteren Verwendung übergeben: 170 Mark für den Nationalfonds, 105 Mark für den Parteifonds, 42 Mark für die südafrikanische Federation und 21 Mark für den Bezalel. Bei der darauf folgenden Wahl wurden die Herren Naewitz, M. Lange, Spiro, Karonik, S. Lange, W. Leeder und A. Soger in den Vorstand der zionistischen Ortsgruppe gewählt. Eine neue jüdische Zeitung Es hat sich eine Vereinigung hervorragender Zionisten gebildet, um die Herausgabe einer jüdischen Wochenzeitung „Die jüdische Volksstimme" zu ermöglichen. Dem Komitee gehören an: Mrs. Max Langermann, die Herren Max Langermann M. L. C, Advokat Manfred Nathan, Rabbi J. A. Hertz, Rabbi J. L. Landau, Rabbi A. P. Blender, Councillor H. Graumann, Hyman Morris, Rabbi A. Levy, L. Lennox Loewe, Richard Rosenthal, M. L. Genussow. Zloczöw: Dieser Tage konstituierte sich der neugegründete akademische Verein „Bar-Kochba'\ In den Ausschuß wurden folgende Herren gewählt: Adv.-Kand. Dr. Jakob Großkopf, Kand. iur. Mathias Gruber, stud. iur. Isidor Lidechower, Kand. iur. Rubin Schwager, stud. iur. Moses Schechtel. ooooooooo NACHRICHTEN SIS =sra ooooooooo Die russischen Juden und die politischen Parteien Die russisch-jüdische Presse beschäftigt sich jetzt eifrig mit dem „Fall Winawer". Es handelt sich darum, daf3 einige Mitglieder des „Verbandes für Gleichberechtigung der Juden" sich zu den Führern der Kadettenpartei begeben haben, um von ihnen Aufklärung über ihre Stellungnahme zu der jüdischen Frage, insbesondere zu der Frage der jüdischen Nationalität in Rußland, zu erhalten. Diese Interviewers haben eine Reihe von hervorragenden Persönlichkeiten im kadettischen Lager aufgesucht, mit ihnen Rücksprache genommen und den Eindruck gewonnen, daß die Anschauungen" dieser Partei bezüglich der jüdischen Nationalität nicht klar "und bestimmt sind. Die Veröffentlichung dieser Nachrichten in der Presse hatte in der jetzigen Zeit eine gewisse praktische Bedeutung, da die Juden vor der Frage stehen, wie sie sich den Parteien gegenüber verhalten sollen. Das Mißtrauen gegen die Kadetten beruht übrigens nicht nur auf dem Ergebnis dieser Interviews. Schon früher verlautete in eingeweihten Kreisen, die Kadettenpartei sei nicht ganz einig in ihren Ansichten über die Judenfrage und nicht ganz von antijüdischen Vorurteilen frei. Der Hauptführer dieser Partei, Professor Miljukow, hat seinerzeit dem von den „Schwarzhundertmännern" ermordeten Dr. Jollos einen Nachruf gewidmet, der zwar leise, aber ziemlich deutliche antisemitische Anklänge enthielt. Er rühmte Jollos als einender wenigen Juden, die in dem russischen Leben ganz aufgegangen seien, während die meisten Juden abseits von der russischen Kultur und dem öffentlichen Leben ständen. Dieser Aufsatz rief scharfe Proteste seitens der jüdischen Publizistik hervor, aber Professor Miljukow sah sich nicht veranlaßt, in klarer und bündiger Weise diese Proteste zu widerlegen. Die Verschleppungspolitik, die die Kadettenpartei in der Duma mit der Judenfrage getrieben hat, der Umstand, daß unter den Kadetten in manchen Provinzstädten auch verkappte Antisemiten vorhanden sind, und die schlechten Erfahrungen, die die Juden überhaupt mit ihren früheren Gönnern und Bundesgenossen gemacht haben, lassen ein gesundes Mißtrauen als vollständig erklärlich erscheinen. Die Interviews haben dieses Mißtrauen um so mehr verstärkt, als die erhaltenen Antworten lakonisch und zweideutig lauten. Indessen mißfiel dieses Vorgehen Herrn Max Moisejewitsch Winawer, der in einem offenen Schreiben die Koni petenz und die Rechte des „Verbandes für Gleichberechtigung" i: Frage stellt und die Interviews als eine taktlose Anrempelung verdammt. Er ist als Kadett und Jude sicher, daß das kulturell/ Selbstbestimmungsrecht der Nationalitäten ein unerschütterliche Grundprinzip der Kadettenpartei bleiben wird, und hält es geradezu für eine Herausforderung, wenn jemand irgendwelche Bedenke;; dagegen hegt. Die scharfe Tonart, die Selbstüberhebung und dir Vertrauensseligkeit des „Juden und Kadetten" haben die jüdische öffentliche Meinung überrascht und in nicht geringem Maße gereiz. Es handelt sich augenscheinlich um eine sozusagen despotisch Absicht der sogenannten „Jüdischen Volksgruppe", keine einzip: jüdische Partei, insbesondere die nationalgesinnten Elemente dV Judentums, zur Geltung kommen zu lassen. Der Verband für Gleichberechtigung der Juden bestand ursprünglich aus verschiedenen Elementen; nachdem aber die nationalen Elemente in diesem Verein, das Obergewicht bekommen haben, schieden die national Lauc>. eigentlich die verkappten Assirnilanten, aus und gründeten tn „Volksgruppe". Der Verband für Gleichberechtigung besteht C: facto aber noch jetzt und ist eigentlich rechtmäßig dazu berufe - die Angelegenheit, die er vertritt, in der würdigsten Weise zu leite;;. Die Interviews haben zur Aufklärung der Situation sehr viel beigetragen. Das soll nicht bedeuten, daß die Juden sich feindlius den Kadetten oder irgendeiner Partei gegenüberstellen, sonder daß sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen und dieser Wahrnehmung gemäß ihre Beziehungen zu den Parteien gestalten werde..- Diese Methode des Verbandes entspricht der Lage und den Interesst der russischen Juden am allerbesten. Warschau: Das Zentralkomitee der zionistischen Organisation für das Königreich Polen hat in seiner letzten Vollversammlui:< beschlossen, den Vereinen mitzuteilen, daß laut dem Beschlüsse der polnisch - zionistischen Konferenz im Haag die zionistische Organisation in Polen an den Wahlen zur dritten Duma keinen Anteil nehmen wird, weil es bei dem gegenwärtigen Wahlrecliu* ausgeschlossen erscheint, eine selbständige und aussichtsreiche Tätigkeit zu entfalten, und außerdem fast alle polnischen Parteien sich jüdisch-nationalen Forderungen gegenüber ablehnend verhalte!1-