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Die Welt · 1907-10-18 · 42 (18.10.1907) · page 19

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
42 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Königreichs, ist der Abfluß der Juden in die Städte nicht aufzuhalten, und eine Synagoge um die andere, eine jüdische Schule nach der anderen geht ein. Beachtenswert ist hierbei, daß die Wegziehenden fast immer finanziell gut situiert sind, und daß der Zug der Abwandernden meist nur noch nach größeren Plätzen, wie Würzburg, Nürnberg oder Stuttgart geht. In steuerlicher Beziehung ist diese Abwanderung für die Muttergemeinde von Bedeutung, denn es ist volkswirtschaftlich eine ebenso interessante wie verbürgte Tatsache, daß mancher der Abwandernden in verhältnismäßig kurzer Zeit finanziell so erstarkt ist, daß er seine Kapitalskraft nur an größeren Plätzen wirken lassen kann und will, während die zurückbleibende Landbevölkerung nicht im selben Schritt reicher, eher ärmer geworden ist, und damit an Steuerkraft zurückkommt. Wie selbst linksliberale schwäbische Zeitungen mitteilen, sind solche Beispiele keineswegs Ausnahmen, daß noch jetzt lebende Israeliten einst ihre Habe beim Einziehen im Zwerchsack dahergebracht haben, während sie jetzt nach drei bis vier Jahrzehnten zu den begütertsten Leuten ihrer Gegend gehören. Der findige Geschäftssinn und die nüchterne Lebensweise der fränkischen Israeliten sind vorbildlich. Darin ist es auch begründet, daß sie mit dem fränkischen Bauern, der sich ihnen gerne anvertraut, verhältnismäßig leichtev und gute Geschäftsbeziehungen anknüpfen. Aber eine Erscheinung ist dem jüdischen Geschäftsmann auf dem Lande unbequem geworden, das ist das Genossenschaftswesen, das auch beim fränkischen Bauern immer mehr Anklang findet und das der Geschäftsentwicklung der Juden auf dem Lande einen erheblichen Eintrag zu tun imstande ist. Neuerwerbung der Hamburger Stadtbibliothek Es dürfte interessieren, daß die Hamburger Stadtbit)liothek mit Hilfe privater Gönner und des Senats die Bibliothek hebräischer Literatur des verstorbenen Rechtsanwalts Dr. H. B. Levy erworben hat. Die Sammlung besteht aus 1020 Werken und 17.4 Manuskripten, teilweise in sehr kunstvollen, auch silbernen Einbänden. Die Handschriften, die häufig mit prächtigen Miniaturen und gemalten Initialbuchstaben geschmückt sind, reichen bis in die Zeit des 13. und 14. Jahrhunderts. Als bestes Stück gilt der Pentateuch- Kommentar des Salomon Jizchaki aus dem Jahre 1270. Eine Volks- und Jugendbibliothek in Wien Unter dem Vorsitze des Seniors der Wiener Rabbiner, Dr. Schmiedl, fand in den Räumen der Gemeindebibliothek eine von demselben gemeinsam mit Ortsschulrat Antscherl und Bibliothekar Dr. Münz einberufene Konferenz statt, in welcher die Frage der Ausgabe von Jugendschriften auf der Tagesordnung stand. Anwesend waren: die Rabbiner Dr. Bach, Dr. Feuchtwang, Dr. Grunwald, Dr. Taglicht und Dr. Rosenmann, Baurat Stiassny, die Hof- und Gerichts-Advokaten Dr. W. Knöpfelmacher, Dr. Leopold Kohn und Dr. S. R. Landau, Chefredakteur Dr. J. S. Bloch,' Custos Frankfurter, Direktor Heller, Schulinspektor Dr. Kanitz, etc. etc. Nach einem Referate des Dr. Münz, in welchem darauf hingewiesen wurde, daß seit jüngster Zeit in Deutschland unter der Aegide der Großloge in Berlin jüdische Jugendschriften erscheinen und daß derselbe Verleger auch für Wien seine Dienste angeboten hat, entspann sich eine eingehende Diskussion. Sämtliche Redner, und zwar Herr Antscherl, Dr. Kohn, Dr. Kanitz und Custos Frankfurter waren darin einig, daß die jüdische Jugend in Wien dringend einer Lektüre bedürfe, die sie mit der jüdischen Geschichte, mit dem Wesen des Judentums näher bekannt machen, dabei aber durch Form und Darstellung interessieren würde. Meinungsverschiedenheiten ergaben sich lediglich bezüglich der Frage, in welcher Form das allen Anwesenden vorschwebende Ziel der Verwirklichung zugeführt werden könne. Die Ansichten gingen dahin, daß man die ganze Sache der „Bnai-Brith Loge" oder der historischen Kommission des Kultusvorstandes, oder gar einer besonderen Kommission übergeben solle. Am meisten Anklang fand jedoch die Anregung des Dr. Kohn, einen Verein zum Zwecke der Förderung der Jugendschriften ins Leben zu rufen. Für die Vereinsgründung trat auch Dr. Landau mit dem Bemerken ein, der Verein dürfe sich nicht bloß auf die Schaffung einer Jugendlektüre beschränken, sondern müßte sein Hauptaugenmerk darauf richten, daß eine jüdische Volkslesehalle entstehe, in die die jüdische Jugend Zutritt hätte, und in der auch Jugendschriften unentgeltlich entlehnt werden könnten. Dr. Landau appelliert an die Versammlung, in dieser Frage selbständig vorzugehen und sich an niemanden „anzulehnen". Die gesamte Öffentlichkeit und insbesondere die breiten Schichten der jüdischen Bevölkerung werden gewiß das gesteckte Ziel bereitwilligst unterstützen. Nach einer Erklärung des Dr. Knöpfelmacher, daß die „Bnai- Brith Loge" der Sache sympathisch gegenüberstehe, wurde nachstehender, von Custos Frankfurter formulierter Antrag einstimmig angenommen: „Die heutige Konferenz beschließt grundsätzlich, einen Verein zur Schaffung einer jüdischen Volks- und Jugend-Bibliothek ins Leben zu rufen. Dieser Verein wird es als seine Aufgabe betrachten, einerseits auch die Schaffung guter Jugendschriften in geeigneter Weise zu fördern, anderseits die Gründung ähnlicher Bibliotheken auswärts anzuregen." In meritorischer Beziehung wurde von demselben Antragsteller die Einsetzung eines siebengliedrigen Komitees vorgeschlagen. Nach der Wahl des Komitees wurde die Versammlung geschlossen. Wahlergebnisse Barissia, Prag: J. U. C. Jaro Stein X(XXX,XX,FX,X) phil. Heinrich Wittmann XX,FX tech. Paul Porges XXX Die offizielle Antrittskneipe findet Samstag den 19. Oktober, im kleinen Heinesaal, kgl. Weinberge, statt. Herr Dr. Schnirer-Wien ersucht uns, bekannt zu geben, daß sein Name unter den in Nr. 40 abgedruckten Aufruf der akadem. Verbindung „Kadimah" ohne sein Wissen gesetzt worden ist. Briefkasten der Redaktion Volksverein Zion, Brünn: Herzlichen Dank, Zionsgruß. W. J. F., Köln. Ihre Anfrage ist uns nicht recht verständlich. Was verstehen Sie unter Lesehalle? Jacobsohn: Prof. Dr. Warburg, Berlin, Uhlandstr. 175. Wichtige Preisermäßigung! Morris Rosenfeld: übersetzt von Berthold Feiwel, Buchschmuck von E. M. Lilien. Elegant broschiert nur mehr Mk. 3.50. Versendung unter Nachnahme oder gegen Voreinsendung des Betrages zuzüglich Porto. Jüdischer Verlag, G. m. b. H., Köln, Ubierring 23.

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