Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 40 (4.10.1907)
- Date
- 1907-10-04
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 4× ep/1000834
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Bevölkerimg anzupassen. Wir hoffen, daß es in dieser Weise gelingen wird, „Institutionen zu schaffen, die eine neue Generation guter tüchtiger Juden heranziehen werden." Ich wollte an Herrn Dr. Nathan noch eine Frage stellen: Wie ist es zu erklären, dat.) der Hilfsverein seine Bemühungen speziell auf Palästina und nicht auf ein anderes orientalisches Land gerichtet hat? Aber diese Frage habe ich nicht gestellt, weil ich wußte, daß ich. keine direkte Antwort erhalten haben würde. Ich habe diese Fragestellung bis zu der Zeit aufgeschoben, wo die Anerkennung der palästinensischen Tätigkeit den Hilfsverein der deutschen Juden vollständig durchdringen wird. Ich wünschte Dr. Nathan von Herzen eine glückliche Reise. Und auch wir wollen hoffen, daß seine Bemühungen von wesentlichem Nutzen für unser Land sein werden." Bei der „Amtlichen Feder44 Madame „Amtliche Feder" erhob zu mir ihre großen blauen und starren Augen, die so rein sind, wie die Augen eines Kindes, und sagte mir mit einer groben plumpen Baßstimme: — Wer richtet Odessa zugrunde? Tun es die BundesmitoT'eder der Echtrussen? Ihr ruiniert Odessa, ihr verdammten Skrih-•::teil und Artikelschmierer! Was ist denn geschehen? Man hat ein paar Dutzend Juden verhauen, Säuglinge erschossen — das ist eine intime Familienangelegenheit! Gleich trommelt und donnert ihr in die Welt hinaus: in Odessa kann man nicht mehr leben, nicht mehr die Nase auf die Straße herausstecken! Werdet ihr die Toten durch euer Geschrei ins Leben rufen? Die Toten bleiben tot, die Lebenden hingegen schreckt ihr vom Besuche Odessas ab. Wer büßt für die Folgen? Die Juden selbst! Kommt ein Fremder nach Odessa — wer verdient an ihm? Die Juden! Ein jüdischer Schneider repariert ihm die Beinkleider, bügelt ihm den Überzieher auf oder näht ihm ein neues Jackett Ein Jude verkauft ihm Zigaretten, versieht ihn mit einer Krawatte und ähnlichem Plunder. Hat dem Fremden die Stadt gefallen, dann mietet er eine Wohnung - wieder verdient der Jude. Oder will er gar ein Haus kaufen -— ohne Juden geht's nicht. Was macht ihr also, Artikelschmierer? Ihr verscheucht die Fremden von Odessa und raubt den Juden das Stückchen Brot. Wißt ihr nicht, daß ihr durch euer Geschreibsel die Stadt ruiniert? Die Juden, um die ihr euch so sehr kümmert, bringt ihr um. — - Ihr habt ein so gutes Herz, Madame „Amtliche Feder" — erwiderte ich gerührt. - Wie habt Ihr ein so weiches Herz während eines so harten Dienstes bewahren können? — Bei Gott, ich habe ein gutes Herz! — rief Madame „Amtliche Feder" — ihr habt keine Vorstellung davon, wie es mir um die Odessaer Juden leid tut. Aber warum verweigern sie jede Umkehr? — Wie verstehen Sie das, Madame „Amtliche Feder?" — Umkehr, Reue, Buße - und keine Sündengedanken mehr. Das ist es, was den Odessaer Juden nottut. Sagt doch selbst, sind denn das mögliche Zustände? Kaum haben die Echtrussen die Ruhe in Odessa hergestellt, sofort beginnen die Juden zu toben und zu klagen. Man haut ja mit Gummiknütteln und schießt ja nicht in diejenigen hinein, die nichts verschuldet haben. Sagt doch selbst, habt ihr je gehört, daß man einen ganz unschuldigen Menschen verhauen oder gefoltert hätte? Na, um ein Beispiel zu zitieren, ich will euch selber als Beispiel wählen: wird es euch einfallen, auf jemand ganz ohne Ursache loszuhauen? Es ist doch klar, daß, wenn man die Juden schlägt, so schlägt man sie für etwas. Schlägt man sie also für etwas, wozu wird nun die Trommel über die ganze Welt gerührt? Man liest euere Depeschen und Briefe und man denkt, daß in Odessa Leute ganz ohne Grund hingeschlachtet werden. Ist es recht, daß man gezwungen war, die Börse zu schließen? Was soll aus dem Handel werden, wenn solche Gerüchte über das Volk Verbreitung finden? — Entschuldigen Sie, Madame „Amtliche Feder" — sagte ich. Ich werde es schon nicht mehr tun. — So, so — erwiderte Madame „Amtliche Feder" — es ist Zeit, daß ihr Artikelschmierer einmal begreifen lernt, daß das gedruckte Wort eine große Kraft ist, — ein Heiligtum. Mit dem gedruckten Wort muß man vorsichtig umgehen. Madame „Amtliche Feder" hatte Tränen der Rührung in ihren Augen. — Ich auch. („Rjetsch".) Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolonial bank) Limited Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß ein Gesuch in Sachen dieser Gesellschaft am Dienstag den 7. April 1908 vor Mr. Justice Kekewich in der Chancery Abteilung im High Court of Justice (Hohen Gericht) in den königlichen Gerichtsgebäuden, Strand, London, England, zur Verhandlung gebracht werden wird. In diesem Gesuche wird das Gericht um Genehmigung der vorgeschlagenen Abänderung der Zwecke der Gesellschaft ersucht, (welche Zwecke Kolonisationsimtemehmungen in Palästina, in Syrien und in irgend einem andern Teil der Welt gestatten), und wird durch diese Abänderung beabsichtigt, die besagten Zwecke zu beschränken, damit die Gesellschaft daran verhindert wird, Kolonisationsunternehmungen irgendwo anders als in Palästina, Syrien und irgend einem andern Teil der asiatischen Türkei, der Halbinsel Sinai und der Insel Cyprus zu fördern. Das Gesuch wurde von dem Gerichte am 23. Juli 1907 geprüft. Eine große Anzahl Aktionäre hatten gegen die Abänderung Einwand •erhoben, und der Herr Richter äußerte sich, daß seiner Meinung nach den entfernten Aktionären, welche in allen Teilen der Welt wohnten, die Gelegenheit geboten werden sollte, ihre Meinung auszusprechen über eine Sache, welche für die jüdische Gemeinde eine sehr ernste Frage wäre; und er entschied daher, daß die Verhandlung bis zum ersten Dienstag im Monat April nächsten Jahres vertagt werde, und daß in der Zwischenzeit Inserate in den verschiedenen in Frage kommenden Ländern veröffentlicht werden, und daß diese Inserate die Aufforderung an die Aktionäre enthalten sollen, ihre Zustimmung zu der vorgeschlagenen Abänderung oder ihren Einspruch gegen dieselbe geltend zu machen. Damit das Gericht in den Stand gesetzt wird, sich zu vergewissern, was die Wünsche der Mitglieder der Gesellschaft bezüglich dieser Sache sind, wird jedes Mitglied der Gesellschaft aufgefordert, ein oder das andere der nachstehend abgedruckten Formulare auszufüllen und an den Sekretär des Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolonialbank) Limited, 10, Walbrook, London, England, zu senden. Diejenigen, welche den Wunsch hegen, die Kolonisationsunternehmungen der Gesellschaft in der vorgeschlagenen Weise zu beschränken, müssen das folgende Formular unterzeichnen: Formular Nr. I. Ich wünsche, daß die Machtbefugnis der Gesellschaft, Kolonisationsunternehmungen zu fördern, auf Palästina, Syrien und andere Teile der asiatischen Türkei, die Halbinsel Sinai und die Insel Cyprus beschränkt werde. Voller Name:.............................................................................. Adresse: ............. ......................................................................... Anzahl der im Jewish i Colonial Trust (Jüdische I Kolonialbank} Limited | besessenen Aktien Nummer des Zertifikats:................................................................................. (oder Inhaberzertifikats):._................................ ......................... Unterschrift:................................................ Diejenigen, welche wünschen, daß die Gesellschaft die Machtbefugnis, Kolonisationsunternehmungen nicht nur in Palästina und Syrien, sondern auch in irgend einem andern Teile der Welt zu fördern, beibehalten soll, müssen das folgende Formular unterzeichnen : Formular Nr. 2. Ich wünsche, daß die Gesellschaft ihre jeLd besessene Machtbefugnis, Kolonisationsunternehmungen nicht nur in Palästina und Syrien, sondern auch in irgend einem andern Teile der Welt zu fördern, beibehalte. Voller Name:........................................................................................................ Adresse:................ Anzahl der im Jewish \ Colonial Trust (Jüdische I Kolonialbank) Limited f besessenen Aktien ) Nummer des Zertifikats: ...... .................................................................... (oder Inhabezertifikats):...... Unterschrift:............................................................. Alle Beantwortungen dieses Inserates müssen von den Mitgliedern in eigener Handschrift unterzeichnet werden und bei dem Sekretär der Gesellschaft nicht später als am 2. März 1908 eintreffen. Im Auftrage des Gerichtshofs: Lewis & Yglesias, Solicitors der Gesellschaft.