Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 40 (4.10.1907)
- Date
- 1907-10-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Verwirklichung der nationalen Erziehung von einem Umstand abhängig zu 'machen, der in Wirklichkeit nur das Ergebnis der nationalen Erziehung sein kann. Wir aber dürfenundkönnen nicht warten. Sehen Sie denn nicht alle, wie die Jugend, die des Judentums unkundige Jugend, neue Inhalte und neue Ideale sucht und immer mehr nach außen gravitiert, gleichviel wohin, immer aber vom Judentum weg? Darum beeilen wir uns, so lange es nicht zu spät ist, und tun wir, was schon heute in unserer Macht liegt. (Schluß folgt) Vom Ernst unseres Wollens Ein Vorwort für die Arbeit für den Parteifonds Mein lieber Freund Dibarti hat im vergangenen Jahre einige Betrachtungen an den* Kassenbericht der deutschen sozialdemokratischen Partei geknüpft, die er unter der Überschrift „Gehet hin und tuet desgleichen" dem verehrten zionistischen Publikum vorsetzte. Dieses ging hin und — tat nicht desgleichen. Wenn Dibarti seine Ausführungen mit der Ermahnung schloß: „Sorget, daß zur Zeit des achten Kongresses man euch nicht mehr anderer Leute Opferfreudigkeit als Musterbeispiel vorzuhalten nötig hat, daß man euch nicht mehr zu sagen braucht: Ihr habt gesündigt", — so müssen wir' heute leider konstatieren, daß er tauben Ohren gepredigt hat. Es ist ihm wirklich nicht zu verübeln, wenn er meiner Bitte, den diesjährigen Parteibericht der deutschen Sozialisten auch wieder mit zionistischen Augen zu betrachten, durchaus nicht entsprechen will, weil er es für eine nutzlose Arbeit hält. Aber wir wollen doch noch nicht alle Hoffnung aufgeben, vielleicht sind die Gemüter in diesem Jahre etwas empfänglicher. Es gibt in Deutschland organisierte Sozialdemokraten: Mitte 1906 — 384 000, Mitte 1907 — 530 000. Als Jahresdurchschnitt können wir also 457 000 annehmen. Für diese wurde von den Einzel- (lokalen) Organisationen nach Abzug der lokalen Agitationskosten und anderer Ausgaben an die Zentralkasse abgeführt Mk. 570 550, — d. h. pro Kopf ungefähr Mk. 1.25. Vergleichen wir damit die zionistische Organisation. In dieser waren in derselben Zeit (1906/07), wenn wir die Mark Schekel gleich einer Person setzen (in Wirklichkeit sind es ja noch mehr) 88 100 Organisierte. Für diese wurde an die Zentralkasse Mk. 58,700. — abgeführt, d. h. pro Kopf Mk. O.66V2. Der Zionist bringt also im Jahre für die Zentralkasse seiner Partei ungefähr die Hälfte von dem auf, was der Sozialdemokrat der seinen zukommen läßt. Dieses Verhältnis würde sich noch verschlechtern, könnten wir die Zahlen vergleichen, die die Einnahmen der lokalen Organisationen darstellen. Jeder organisierte deutsche Sozialdemokrat zahlt jährlichen Beitrag ungefähr 4 Mark, sehr viele Zionisten aber nicht mehr als die eine Mark Schekel. Nun wird der eine oder der andere kommen und einwenden: Ja, aber der Nationalfonds, die Ölbäume (die!! nebbich), der Palästinaschekel, für Morris Rosenfeld, für die russischen Pogromfolgen usw. Wir haben leider keine Zusammenstellung für die ganze zionistische Organisation, aus der man Schlüsse ziehen könnte. Nehmen wir aber Deutschland als Beispiel; es soll Länder geben, in denen noch weniger aufgebracht wird. Da sind im letzten Jahre an Nationalfonds und Ölbaumspende und anderen zionistischen Sammlungen insgesamt 31 793 Mk. zusammengekommen, d. h. bei 6000 Schekelzahlern pro Kopf sage und schreibe fünf Mark. Demgegenüber bringen die Sozialdemokraten in "Deutschland jährlich für die Gewerkschaft allein pro jKopf bis über das Zehnfache unserer Leistung für *iden Nationalfonds (der vielen so heilig ist, daß sie ihn durchaus nicht vermehren wollen) auf. Die Notenstecher zahlen Mk. 55.67, die Lithographen Mk. 44.32, die Bildhauer Mk. 42.55, die Holzarbeiter Mk. 46.48 u. s. f. Zu diesen Beträgen kommt aber immer noch ein mindestens eben so hoher Betrag durch indirekte Besteuerung und Umlagen für besondere Zwecke, ergibt also für den deutschen Sozialdemokraten das Zwanzigfache von der Leistung des deutschen Zionisten. Und der sozialistische Arbeiter gehört häufig außerdem noch einem Fachverein an, muß Krankenkassen- und Invaliditätsbeiträge zahlen und hat — wohl ein nicht so hohes Einkommen oder gar Vermögen wie der Durchschnitt der „bourgeoisen" Zionisten. Wir sind aber mit der Betrachtung damit noch nicht am Ende. Das Parteiorgan der deutschen Sozialdemokraten, der „Vorwärts", ein Tageblatt, ergab im letzten Jahre einen Überschuss von 171 000 Mk., — das Parteiorgan der Zionisten, deren Organisation den vierten Teil der deutschen sozialdemokratischen ausmacht, ergibt aber nicht etwa ein Viertel dieses Überschusses, auch nicht ein Achtel oder Zwölftel, wohl aber ein Defizit von über 15 000 Mark. Aber noch mehr: Die deutschen Sozialdemokraten haben noch drei Organe: „Die Neue Zeit", „Gleichheit" und „Wahrer Jakob", die zusammen einen Oberschuß von 54 000 Mark abwerfen, denen wir höchstens „Haolam" mit dem Defizit von über 5600 Mark gegenüberstellen können. Unser „Wahrer Jakob", der „Schlemihl", hat sich leider gar nicht halten können. Wir sehen hier ganz ab von den kleineren sozialistischen Provinzialblättern, die teils ebenso einen Zuschuß wie unsere Landespresse erfordern, teils aber auch mit Gewinn arbeiten. Die sozialdemokratische Partei in Deutschland besitzt außerdem noch eine eigene Buchhandlung mit Verlag. Diese ergab im letzten Jahre einen Oberschuß von 50 000 Mark. Sollen wir unseren „Jüdischen Verlag" daneben halten, wir Juden, die wir angeblich so gute Kaufleute sind? Auch größere Spenden finden wir in dem sozialistischen Kassenbericht verzeichnet, insgesammt etwas über 40 000 Mark. Bei uns noch nicht 7000 Mk. Die Fonds der deutschen Sozis ergaben im letzten Jahre 30 700 Mk. Zinsen. Wir zahlten ca. 3500 Mark. Nun nur noch einige interessante Zahlen aus den Ausgaben der Sozialdemokraten in Deutschland: Allgem. Agitation 189000 Mk., Wahlagitation 459500 Mk., Parteischule 66 600 Mk., Gehälter und Verwaltung 34 600 Mk.,, Parteikorrespondenz 35 500 Mk. Es erübrigt sich, dem noch viel hinzuzufügen. Die Zahlen sprechen zur Genüge für sich selbst. Was aber sollte ich antworten, als mir kürzlich ein sozialdemokratischer Jude, der in Zionisticis sehr versiert ist, sagte: „Wie wenig ernst es den Zionisten um ihre Sache ist, sieht man am besten aus der Beobachtung, wie wenig sie für ihre Zwecke aufbringen". Ist es nicht eine Schande, daß man dagegen nicht viel sagen kann?