Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 40 (4.10.1907)
- Date
- 1907-10-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XL JAHRG. KÖLN, 4. Oktober 1907 imirfr LtWn nttfD i"d No. 40. Unsere verehrlichen Abonnenten deren Bezugszeit mit 30. September 1907 abgelaufen war, ersuchen wir um rascheste Erneuerung des Abonnements, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Expedition „DIE WELT" GROSSHERZOG FRIEDRICH VON BADEN (Ein Gedenkblatt) Die Menschheit hat einen ihrer Edlen, Deutschland einen der Vorkämpfer seines nationalen Gedankens und seiner Einigung verloren. Und dieser hohen Gestalt, die dem Gesichtsfeld der Mitlebenden entrückt wird, folgen wehmutsvoll und dankbar auch die Blicke des jüdischen Volkes. Er war nicht nur einer der wenigen, so dünn gesäten Menschenfreunde, die in unserer Steinzeit noch ein weiches, für das Leid und die Not unseres Stammes tief mitfühlendes Herz bewahrten. Er war nicht nur ein gerechter Fürst, der durch sein würdevolles und mildes Wesen, durch seine staatsmännische Einsicht, von Vorurteilen ungetrübt und den Geist wahrer Humanität ehrend, die Gleichberechtigung förderte. Bei einem „Bürger auf dem Fürstenthrone", wie man Großherzog Friedrich von Baden mit Recht nannte, bei einem Herrscher echt volkstümlicher Art, der sich in allen rein menschlichen Beziehungen gemütvoll und wohlwollend bewährte, war dies selbstverständlich. Auch daß er in den schweren Stunden der Bedrängnis unserer Volksmassen in Osteuropa die Schwergeprüften mit aufrichtigem, fühlendem Herzen tröstete und einen sicheren Willen zum Helfen kundgab, — auch darin liegt nichts besonders überraschendes. Von dem greisen Fürsten, hinter dem ein gedanken- und erfahrungsreiches Leben lag, das ihn in Verbindung mit allen welthistorischen Ereignissen brachte, von einem so gütigen und weisen Förderer des Liberalismus, der Bildung und des Friedens konnte man dies erwarten. Die Juden Deutschlands und die jüdische Gesamtheit wird dieser Vorzüge und Verdienste in Ehren gedenken. Für das leidende jüdische Volk haben nur wenige Verständnis, für das ringende und strebende — die Allerwenigsten, die Auserwählten. Und es soll gesagt sein: Großherzog Friedrich von Baden war der erste dieser Auserwählten. Die Zeit ist noch nicht gekommen, um von allen Beziehungen losgelöst, in der kühlen Atmosphäre historischer Forschung, aus der heißen Werkstätte einer laufenden Arbeit einzelne Ereignisse und Daten in die Öffentlichkeit hinauszutragen. Aber zwei allgemeine Tatsachen können schon jetzt als unumstößlich hingestellt werden: Großherzog Friedrich von Baden war von der Wahrheit der zionistischen Idee durchdrungen und beflissen, in höchstmöglichster Weise die zionistischen Bestrebungen zu fördern. Es war nicht eine vorbeieilende Welle momentaner Eindrücke, die eine Fürstenlaune ebenso schnell verweht, wie sie sie schafft; es war eine Überzeugung, eine Erkenntnis, ein starkes Wollen, das in den vielseitigsten Bemühungen, in Unterredungen, Beratungen, Versuchen, die für den Historiker in einer Reihe schätzenswerter Dokumente aufbewahrt bleiben, zum Ausdruck kamen. Und möge der Zionismus jetzt seine Probleme noch