Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 39 (27.9.1907)
- Date
- 1907-09-27
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3315709-3316240-3316282--49786-3344720- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
20 DI^SqKELT No. NOTIZEN „Hatikwah" als Glockenspiel Wie man uns aus dem Haag berichtet, ist zurEr^ innerung an den Achten Zionistenkongreß die Melodie von „Hatikwah" in das Glockenspiel der Hauptkirche im Haag eingeführt worden. Israelitische Reformbestrebungen in Frankreich Eine liberale Reformpartei hat sich schon seit längere Zeit unter den französischen Israeliten geregt. An ihrer Spitze stehen der Rabbiner von Dijon Louis Leyy und der radikale Abgeordnete Theodore Reinach, der von Beruf klassischer Philologe ist, und ihren Bemühungen ist es endlich gelungen, eine eigene Kultusgenossenschaft zu bilden, die in der Rue Copernic ein eigenes Vereinshaus erworben hat. Louis Levy, ein energischer Mann von fünfunddreißig Jahren, gab einem Mitarbeiter des „Temps", der ihn beim Einräumen des neuen Vereinshauses überraschte, folgende Auskunft: Seit etwa dreißig Jahren wenden sich die gebildeten Juden immer mehr vom Synagogenbesuch ab, ohne deshalb dem Judentum zu entsagen oder eine andere Religion anzunehmen. Die Reformatoren hoffen solche Leute wieder zum Kultus der Väter zurückzuführen, indem sie allen veralteten Wunderglauben und Formelkram ablegen. Bereits hat man den Reformern als eine Verleugnung der wichtigsten religiösen Vorschriften die Abschaffung des Sabbats vorgeworfen. Das ist nicht richtig. Sie behalten den Gottesdienst am Freitag abend und Sonnabend morgen bei, fügen dem aber allerdings am Sonntag, wo die Leute mehr Zeit haben, eine dritte Versammlung in der Synagoge hinzu. Der Rabbiner, dessen Rolle im Kultus zu beschränkt war, wird hier Gelegenheit finden, regelmäßig als Prediger aufzutreten. Die wichtigsten hebräischen Gebete und Gesänge werden beibehalten, aber mit französischen vermischt. Die Hauptsachen werden die gleichen bleiben, doch wird man sie auf den Vorabend und den Festtag einschränken. Die Männer werden, wie in den christlichen Kirchen, in der Synagoge den Hut abnehmen. Im Religionsunterricht werden die Ergebnisse der wissenschaftlichen Bibelkritik berücksichtigt und alles Sagenhafte als Sage behandelt. Louis L6vy sagte dagegen nichts über die Schichtung und den Genuß des Schweinefleisches. Es scheint also, daß es hierin bei den alten Vorschriften bleiben soll. Die Auswanderung der russischen Juden Über die Aus Wandererbewegung der russischen Juden veröffentlicht das jüdische Auswandererbureau folgende Angaben: Nach den Vereinigten Staaten wanderten 1899 24 275 Personen aus, 1900 39 011 und 1902 37 846. Dann kam 1903 das Blutbad von Kischinew, und seitdem ist die Zahl der Auswanderer rasch sehr stark gestiegen; sie betrug 1903 47 689, 1904 77 544, 1905 100 100 und im vorigen Jahre gar 200 000 Personen. Diese Daten des Bureaus sind aber schwerlich genau und zuverlässig. Die angeblichen 100 000 und 200 000 Auswandererer sind in den beiden letzten Jahren wohl kaum in Nordamerika eingetroffen; diese Ziffern scheinen jedenfalls stark abgerundet zu sein und sind mithin ziemlich wertlos. Da das Bureau 1899 noch nicht bestand und erst später begründet wurde, so hat es seine Angaben für die ersten Jahre nicht selbst einziehen können. Die von ihm mitgeteilten Zahlen für 1899 und 1900 weichen aber von den Angaben der russischen Konsuln in Bremen und Hamburg recht bedeutend ab. 1899 passierten nämlich nach den Angaben der Konsuln fast 50 000 und 1900 66 835 russische Auswanderer die genannten Hafenstädte. Daß von jenen 50 000 aber weit mehr als die Hälfte Juden waren, unterliegt keinem Zweifel, denn die wenigen Russen, Polen, Litauer usw., die nach Amerika auswandern, machen nur wenige Tausend aus. Auch die Angabe des Bureaus für 1900 ist wohl zu gering, besonders wenn man berücksichtigt, daß ein Teil der Auswanderer über Odessa reist. Die Zahl der nach Südamerika, England Kanada und Afrika ausgewanderten Juden wird vom Bureau nich angegeben. Seine Angaben sind also unvollständig. Gerade nacl Argentinien aber ergießt sich schon seit vielen Jahren ein rech starker jüdischer Auswandererstrom. Gerichtsurteile in Angelegenheiten des Schwarzen Hunderts Einer Statistik der „Birshewyja Wedomosti" zufolge, wurde i.; Prozessen des Terrors des Schwarzen Hunderts und antisemitische Progroms in den Städten Wjasma, Briansk, Krolowez und den Kreisen Orgejewsk, Umanj folgende Strafen verhängt: Arrestanten kompanie — 1 Person auf 1 Jahr, Gefängnishaft 41 Personen z insgesamt 25 Jahren, zu Haft 7 Personen von insgesamt 4 Monatei zu Geldstrafen von zusammen 60 Rbl. 3 Personen. Die Brüdt Chwostowy Adelia, Gutsbesitzer, die einen Lehrer und zwei Bauer erschlugen, wurden vom Landschaftshauptmann von Tweri zu eint Haft von l1/« Monaten im Semstwohaftlokal verurteilt. Ein Majoder in „gereiztem und jähzornigem Zustande" einen Stabsrittmeistt mit dem Säbel schwere Wunden beibrachte, wurde vom Petersburgs Kriegsbezirksgericht zu 3 Monaten Hauptwache verurteilt. Der Stad> richter von Belooseno verurteilte einen Holzindustriellen wege■< Verleumdung des Schwarzen Hunderts zu zwei Monaten Haft. Au Gesuch des Verbandes des russischen Volkes wurden begnadig die vom Bezirksgericht in Charkow für die Ermordung zwei' Ärzte während des Progroms im Kreise Woltschansk Verurteilte: sowie alle wegen des Pogroms in Kertsch Verurteilten. Die alle höchst Begnadigten wurden sofort aus der Haft entlassen. D> Prozeß des Kischinewer Pogroms wurde „wegen Mangels an Ai geklagten" (!) niedergeschlagen, obgleich dieser Pogrom, der d Aera der permanenten Pogroms einleitete, wie sich kürzlich e i Publizist äußerte, 60 Menschenleben und viele Millionen Materie: schaden ruinierter Familien gekostet hat! Das heißt gegen wärt - Gerechtigkeit und Gerichtsbarkeit in RuI31and! Wie sah der Pharao aus, der im Roten Meere ertrank? „Er war," so beantwortet die Tägliche Rundschau diese Frag- , „ein etwas beleibter alter Mann von mehr als Durchschnittsgröl (1,74 Meter), fast vollständig kahl, nur mit einem schmalen Striu weißen Haares, mit verkalkten Adern, verknöcherten Rippenknochi\s und sehr wenig Zähnen." Diese Angaben stammen von Pr Elliot Smith, der im Auftrage Masperos, des Leiters der ägyptisch; Ausgrabungen, die Mumie Menephtahs ausgewickelt und gründlii untersucht hat. Allem Anscheine nach ist Masperos Vermutui daß es wirklich die Mumie Menephtahs sei, richtig. Man ka' : dies aus der Inschrift der Leichentücher, der Art des Einbalsamiere; und besonders aus der Ähnlichkeit mit Ramses IL, Menephh. Vater, und mit Seti dem Großen, dessen Vater, schließen. Leu hat die Mumie sehr durch Räuber gelitten. Es hat sich auch hera gestellt, daß die Einbalsamierer sich an dem Eigentum des Phai > vergriffen haben. _ Cöthen: Die Jüd. Stud.-Unterstützungskasse am Friedric: - Polytechnikum zu Cöthen erteilt durch ihr Informationsbureau A kunft über die Aufnahmebedingungen in das hiesige Polytechnika i sowie über die Lebensverhältnisse in Cöthen usw. — Uns ' Adresse: Deutschland, Cöthen i. A., Jüd. Stud.-Unt» - stützungskasse, J. B. — Rückporto erbeten. Briefkasten Dr. A. W. Die Adresse lautet: Prof. Dr. O. Warburg, Berlin ■ Uhlandstraße 175. Anläßlich bes Kongresses unb zu ben Feiertag n sinb mir oon allen Seiten so zahlreiche unb Ijerzlicos Glückwünsche zugegangen, baß es mir ganz unmOgli^l ist, sie einzeln zu beantworten. 1d) spreche baher auf | biesem DPege für alle biese freunblichen IDuns#e meinen innigsten Dank aus. Daoib TDolffsohn