Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1907-09-27 · 39 (27.9.1907) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
39 (27.9.1907)
Date
1907-09-27
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316240-3316282--49784-3344718
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

18 DIE ELT No. 39 Darum beschließt diese Versammlung von Zionisten in Cooper Union, New-York, unsere Brüder aufzufordern, auf einem Wege nicht weiter zu gehen, der nur zu einer Erschwerung der Last führen kann, die jetzt auf den Juden der Welt liegt und dessen weitere Verfolgung die Einführung des Antisemitismus in dieses freie Land bedeuten würde. fr— Föderation der Zionisten in den südslawischen Ländern: Wir erfahren, daß das Mitglied des Großen Aktions-Komitees, Herr Dr. Hugo Spitzer, beabsichtigt, eine Föderation sämtlicher Zionisten in den südslawischen Ländern ins Leben zu rufen. Zu diesem Zwecke will sich unser Gesinnungsgenosse schriftlich mit sämtlichen Zionistenvereinen in Kroatien-Slavonien, Serbien, Bulgarien und Bosnien-Herzegowina ins Einvernehmen setzen, um dann eine Konferenz der Delegierten sämtlicher zionistischer Vereine nach Zemun einzuberufen. Diese Konferenz wird den Zweck haben, diesen Plan zu besprechen und zugleich den Sitz der Föderation zu bestimmen. Nach der Meinung des Herrn Dr. Spitzer sollte der Sitz in Zagreb sein. Es ist kaum notwendig hervorzuheben, daß dieser Plan aufs wärmste begrüßt zu werden verdient. Nicht nur; daß in moralischer Hinsicht eine solche Föderation von großer Bedeutung wäre, sondern es wären dadurch einer systematischen, tatkräftigen .Agitation die Wege geebnet. Eine Körperschaft, die über ansehnliche Geldmittel verfügen würde, könnte agitatorisch schon dadurch allein erfolgreicher wirken, als es bis nun der Fall ist. Die Kräftigung des Zusammenschlusses, namentlich die Annäherung zwischen Spaniolen und Aschkenasen, ist schon vom allgemeinen jüdischen Standpunkte eine warm zu begrüßende Tat. Man käme sich näher und lernte sich besser kennen und verstehen; die Scheidung zwischen zwei Gruppen eines Volkes würde fallen, und der Zionismus, diese einigende Kraft im Judentum, ist vor aliem dazu berufen und befähigt. Es ist ein segensreicher Beschluß des VIII. Zionistenkongresses, daß er durch Änderung des Organisationsstatuts die Gründung solcher territorial unbegrenzter Föderationen ermöglicht. Sache unserer Zionisten ist es nun, dies auch auszunützen, wenn es nur irgendwie möglich ist. Herrn Dr. Spitzer aber können wir zu seiner glücklichen Idee nur wärmstens beglückwünschen. Ein jüdischer Turnlehrer für Palästina In Ausführung des seinerzeit vom Aktionskomitee gefaßten Beschlusses wird ein jüdischer Turnlehrer nach Palästina zwecks Einführung des Turnunterrichts in den jüdischen Zentren entsandt werden. Im Einvernehmen mit der Jüdischen Turnerschaft ist es gelungen, eine ausgezeichnete Kraft in der Person des Gerichtsreferendars Julius Heilbrunn zu gewinnen. Herr Heilbrunn steht schon lange in der jüdischen Turnbewegung und hat sich als Schriftführer der Jüdischen Turnerschaft um die Ausbreitung des Turnens unter den Juden sehr verdient gemacht. Er verfügt über eine sehr gute theoretische und praktische turnerische Vorbildung und dürfte in jeder Beziehung der richtige Mann für die ihm gestellte Aufgabe sein. Seine Abreise wird voraussichtlich in den ersten Tagen des Oktober erfolgen. NACHRICHTEN Ein jüdischer Nationalverein in Sereth Aus Sereth wird berichtet: Samstag den 7. d. fand irn hiesigen Bierpalast eine Volksversammlung mit der Tagesordnung „Gründung eines jüdischen Nationalvereines'4 statt. Den Vorsitz führte Dr. Kohn, der nach kurzen einleitenden 'Worten dem Referenten cand. ing. Jakob Krumholz das Wort erteilte. In einstündiger, sachlicher Rede setzte er den Zweck und die Notwendigkeit eines jüdischen Vereins auseinander und forderte die zahlreich Erschienenen auf, dem Vereine beizutreten. Reicher Beifall lohnte die Ausführungen. Es wurde hierauf ein 15gliedriges Komitee gewählt, das die Statuten ausarbeiten soll und dann einerneuen Versammlung die genehmigten Statuten vorzulegen hat. Nach dem Schlußworte des Vorsitzenden wurde die Versammlung geschlossen. Jüdisch-nationale Politik in Österreich Oderberg: Am 15. d. M. fand in Hupperts Austriasaale eine allgemein zugängliche Versammlung statt, in der Herr Ing. Robert Stricker aus Wien die allgemeine politische Lage der Juden in Österreich besprach. Trotz eifriger Gegenagitation einiger Deutschen jüdischer Konfession war der geräumige Saal lange vor der anberaumten Stunde bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Am Präsidialtische nahmen außer dem Vortragenden Platz: die Einberufer, Herr Josef Zanker und Dr. D. Teller, ferner der Gemeindevorsteher von Oderberg-Bhf., Herr Viktor Lustig, der Schriftführer jur. S. Hornung und die Mitglieder des Ausschusses des jüd. Bernaus- Vereines, die Herren Dr. Goldklang und Dr. Zeckendorf Nachdem Herr Zanker die Versammlung mit einigen Begrüßungs worten eröffnet hatte, ergriff der Referent das Wort und legte ii überaus lichtvoller, sowohl formell als auch sachlich mustergültiger Rede den Ursprung, die Grundlagen und Ziele der jüdischnationale! Politik in Österreich dar. Hierauf erörterte Herr Dr. Deutsch ii knapper übersichtlicher Form das Wesen und die Bestimmung de: Jüd. Nationalfonds, zu dessen Gunsten eine Sammlung eingeleite1 wurde, die ein erfreuliches Resultat zeitigte. Ein begeistert aufgenommenes Nachwort des Herrn Dr. Teller, der die Anwesende;; zur Mitarbeit aufforderte, bildete den Abschluß des schönen Abench Madame Zadoc Kahn gestorben Am zweiten Tage Rosch-Haschanah starb in Paris die Witvv des ehemaligen Grand Rabbin von Frankreich, JVladame Zado Kahn, eine durch Geist und Herzensgüte gleich ausgezeichnete Frai Sie war eine würdige Gattin ihres großen Mannes und widme! sich mit hingebendem Eifer allen jüdischen Bestrebungen. Panik in der Synagoge in Cairo Nach einer Meldung des Daily Telegraph brach in der grol.u.-; Synagoge in der Straße Sharia Maghrabi in der Rüstnacht zu Jo; Kippur infolge Feuerlärms eine entsetzliche Panik aus. Die Synagoge war überfüllt, als plötzlich das elektrische Licht versagte un-! das Gebäude in dunkelheit gehüllt wurde. Einige Ängstliche schrie \ „Feuer" und damit war das Signal zu einer allgemeinen Panik gegeben. Die Menge drängte wild zu den Ausgängen, wo sich ei setziiehe Szenen abspielten. Man zählt viele Verwundete, darnnt r einige mit sehr erheblichen Verletzungen. Die Verurteilung Dr. Brucks Der gewesene Dumadeputierte Dr. Bruck (einmaliges Mitglied des Großen A. C.) wurde wegen eines in seinem Blatte „Witebskaja Schisn" erschienenen Artikels über die zweite Duma zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.