Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 39 (27.9.1907)
- Date
- 1907-09-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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um den Spaß zu verstehen, muß man in den eigenartigen Ritualbräuchen Bescheid wissen. Am siebenten Tage des Sukkothfestes wird „Hoschsnah Rabah" gefeiert. Beim Gottesdienst kommt zu den sogenannten „vier Gattungen" (Lulaw, Essrog, Hadaß, Arawoh) noch ein Weidenbündel hinzu, das eine symbolische Erinnerung veranschaulicht. Dem Brauche gemäß werden diese Bündel — gewöhnlich werden sie Hoschanahs genannt — nach den sieben Hakaphoth, beim Rezitieren eines mit den Worten „Kaul Mewasser,, beginnenden Passus, an den „Ständern" ausgeklopft und fortgeschmissen. Nun hatten die übermütigen Bochurim, von Jukele angeeifert, die verstiegene Idee diese possierliche Ausklopfmethode auch auf die „jewonischen" Essrogim demonstrativ, zum allgemeinen Gaudium und zur Besiegelung der Tatsache einer vollständigen Niederlage Reb Leibeies, anzuwenden. Die junge Schar hat das Zerklopfen der jewonischen Essrogim in Szene gesetzt. Die Bochurim sprangen, von gemeinsamem Impuls getrieben, zusammen und holten die Essrogim herbei. Großer Jubel erhob sich, und Jukele sagte: „So hat Awrohom-owinu Terachs Götzen zertrümmert.'% Man sah windmühlenartige Armbewegungen — die Korfu-Essrogim flogen in Stücke durcheinander. Die Hauswirtinnen in der „Weiberschul" sahen zu ihrem Schmerz, daß es mit dem diesjährigen „Eingemachten" — aus ist! In dem Städtchen, in dem die eigenartigen Verhältnisse Kleinigkeiten zum Erhabenen und Ungeheuren aufbauschen, — war das ein Ereignis! Mendel fühlte sich wie neugeboren. Er war so lange ein Prophet in der Wüste, nun bildete er sich allen Ernstes ein, eine neue Ära geschaffen zu haben. Garwolin wurde aus der Stumpfheit aufgerüttelt, und jetzt wird man das Volk leiten können! — sagte sich der siegesfrohe Maskil. Reb Leibele schloß sich noch mehr als bis dahin von der Welt ab. Mendel gründete einen Chovevei- Zion-Verein. Die Hoffnung kam mit geschwellten Segeln und am nächsten Erew-Jom-Kippur konnte man schon einen Spendeteller „für die Kolonisation Palästinas" im Garwoliner Bet-Hamidrasch aufstellen. Reb Leibele täuschte sich, indem er glaubte, daß in Garwolin alles beim alten bleiben muß. Ein Essrog, ein Bote des Freudenfestes, vermochte auch das erstarrte Garwolin in Bewegung zu setzen. Ein Newton-Apfel ist der Erez-Isroel-Essrog für Garwolin geworden .... o o o o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG o o o o o o o I o o o o o o o Deutschland Charlottenburg: Der Herzl-Klub Charlottenburg teilt mit, daß seine allwöchentlichen Sitzungen nicht mehr am Mittwoch, sondern am Sonnabend, abends 9 Uhr, stattfinden. Gäste stets willkommen. Klublokal vorläufig noch Restaurant Grensing, N.W., Bachstr. 6. Zuschriften an Herrn Alfred Lewinski, X. W., Cuxhavener Str. 3. Berlin: Die Mitgliederversammlung der Jüdischnationalen Frauenvereinigung fand am Sonnabend 7 Uhr bei Dräsel statt. In derselben wurde ein reichhaltiges Herbstprogramm entworfen; außerdem hielt l;räiilein Cilly Tauber einen Vortrag über: „Zionistische Vorkämpfer", Fräulein Noemi Baneth brachte eigene Kongreßbetrachtungen, welche uns das Gewaltige und Erhabene desselben noch einmal vor Augen führten. Köln: Am Samstag den 21. ds. Mts. erstattete anser Delegierter, Herr Dr. Bodenheimer in einer Versammlung der hiesigen Ortsgruppe Bericht über len VIII. Kongreß. In der anschließenden Diskussion Aies Herr N. Sokolow auf die Bedeutung der nationalen Erziehung hin und schlug die Einrichtung von Kursen ür hebräische Literatur und jüdische Volkskunde vor. )ie Versammlung stimmte dieser Anregung um so lieber u, als sich Herr Sokolow zugleich bereit erklärte, lie Leitung dieser Kurse zu übernehmen. Die vorbereitenden Schritte zur Gründung werden demnächst geschehen. England London: Auf Veranlassung des Palästina Klubs and eine Konferenz aller zionistische Vereine des Eastnds in den Klubräumen statt mit dem Zwecke, die Möglichkeit einer Verschmelzung aller dieser Vereine, ie sich teilweise in nicht sehr guter Lage befinden, zu erwägen. Folgende Vereine waren vertreten: Palestinian Klub, Herzl-Nordau-Kulturverein, Machneh Zion, Shebath Zion, Ozre Zion, die London Youry Men's Zionist Association, und der zionistische Share-Club. Nach einem Referate des Herrn J. K. Goldbloom wurde einstimmig folgende Resulution angenommen: „Wir, Vertreter und Mitglieder von zionistischen Vereinen East Londons, versammelt im Palestinian Klub zum Zwecke der Beratung über die Besserung der Lage des Zionismus im East End Londons kommen zu dem Schlüsse, daß es dringend notwendig und sehr wünschenswert ist, daß sich alle zionistischen Vereine in East London verschmelzen.'1 Sodann wurde ein' Komitee gewählt, daß eine Massenversammlung zur Förderung dieser Angelegenheit vorbereiten soll. In Cavendish Rooms fand am Dienstag voriger Woche ein Meeting der West Central Zionist Society statt, in der Herr L. J. Greenberg Bericht' über den Kongreß erstattete. Herr Greenberg führte unteranderem folgendes aus: Als das eigentliche Resultat des Kongresses sei seiner Ansicht nach der feste Wille zu betrachten, in Palästina — nicht sogenannte praktische Arbeit — sondern das zu leisten, was er gerne mit defi- . nitiver Palästinaarbeit bezeichnen würde. Definitive Arbeit in Palästina muß immer einen Hauptteil der zionistischen Tätigkeit bilden und der Redner selbst sei auch immer dafür eingetreten. Was die zionistische Arbeit in Palästina von derjenigen anderer jüdischen Korporationen unterscheide, sei, daß sie immer mit politischer Tätigkeit verbunden sein müsse. Er betone nachdrücklich, daß diese beiden Arten zionistischer Arbeit Hand in Hand gehen müßten. Das. eine ohne das andere sei unütz und wertlos. Unter definitiver Arbeit verstehe er natürlich nicht Kleinarbeit, sondern großzügige Tätigkeit zur Vorbereitung des Volkes und Vorbereitung des Landes. Der Redner erwähnte sodann