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Die Welt · 1907-09-27 · 39 (27.9.1907) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
39 (27.9.1907)
Date
1907-09-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, UBIERRING 23 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XL JAHRG. KÖLN, 27. September 1907 pnrk öbnrV« nffn B*' No. 39. DAS LIBANON-EXPERIMENT Die das Libanonproblem behandelnden Aufsätze der „Times" wurden von der englischen Presse zum Gegenstande eingehender Erörterungen gemacht. Auch die französische Presse hat diesen Aufsätzen eine ausgiebige Besprechung gewidmet. Das allseitige Interesse, das diese Aufsätze geweckt haben, finden den Erklärungsi;rund in der aktuell gewordenen Frage der Reorganisation des türkischen Reiches und der Verbesserungsmöglichkeiten in den verschiedenen Teilen der türkischen Verwaltung. Aus Rücksicht darauf, daß die Libanonfrage ein wesentlicher Bestandteil der gesamten europäischen Politik der Türkei gegenüber ist und daß ahlreiche Interessen den Libanon mit unserm Kolonisationsgebiete ng verknüpfen, dürften die Aufsätze auch für uns beachtenswert sein. I. Die Ernennung von Yussuf Pascha zum Gouverneur der Libanonprovinz ist „in den Bergen" nicht mit sbesonderem Enthusiasmus aufgenommen worden. Die Besorgnis, daß der neue Gouverneur der klerikalen olitik seines Vaters, Franco N.asri Pascha, folgen /erde, der den Libanon von 1868 bis 1873 verwaltete, at bereits eine Demonstration von über fünfzehnhundert antiklerikalen aus dem maronitischen Bezirk Kesrawan ervorgerufen, die mit einigen Drusen am 3. Juli in Beirut erschienen und den Wali baten, einen Protest;egen diese Ernennung der Pforte zu übermitteln. Es t leicht möglich, daß dieser Protest niemals bis zur forte gelangt; indessen, wenn ihr Protest auch vergebens sein sollte, hatten die Antiklerikalen, die gerade ous dem bigottesten Bezirk des Maronitenlandes kamen, am wenigsten die Genugtuung, Beirut einmal zu zeigen, daß säe bedeutend zahlreicher sind, als ihre Gegner jgeben möchten. Eine andere Partei erwartete mit ziemlicher Gewißheit die Ernennung des Sohnes eines früheren Gouverneurs, der durch Heirat mit Naum Sascha, dem Vorgänger des verstorbenen Muzaffer ä ascha verwandt ist, da sie hofften, daß der neue Uitessarif leicht von den Vertrauten seines Vaters und Xaum Paschas bei der Ernennung von Beamten beeinflußt werden könnte, — ein Standpunkt, in dem sie sich einig vvußte mit den zahlreichen Stellenjägern des Libanon. Die Zukunft wird zeigen, inwiefern diese Erwartungen gerechtfertigt waren. Indessen muß Yussuf Pascha größere Fähigkeiten zeigen, als die, die ihm nahestehen, besitzen, wenn er einen festen Stand gegenüber den Intrigen der Familien und Parteien und der mächtig angewachsenen politischen Korruption einnehmen will, die sich für seinen- Vorgänger als zu stark erwiesen haben. Von Muzaffer Paschas Regierung kann gesagt werden, daß sie bemüht war, streng die Wage zwischen den verschiedenen Religionssekten zu halten, die immer nur allzugern bereit waren und sind, sich gegen den kleinsten tatsächlichen oder scheinbaren Eingriff in die Rechte zu wehren, die ihnen durch das Grundgesetz von 1861 garantiert sind. Anderseits war sie nicht erfolgreich; liberale Ansichten und gute Absichten, persönliche Makellosigkeit, Takt und Leutseligkeit konnten nicht über die fatale Schwäche hinwegtäuschen, die den verstorbenen Gouverneur als das Werkzeug lokaler, konsularischer und häuslicher Intrigen erscheinen ließ und alle enttäuschen mußte, die geglaubt hatten, er würde sein anfangs gegebenes Versprechen einer Verwaltungsreform in die Tat umsetzen. Aber was man auch immer gegen Muzaffer Paschas Verwaltung einwenden mochte, was immer man in Zukunft gegen diejenige Yussuf Paschas einwenden mag, das eine muß zugestanden werden, daß die Stellung des Gouverneurs der Libanonprovinz nicht beneidenswert ist. Obgleich vielleicht während der Dauer seiner Amtsführung der unabhängigste aller ottomanischen Würdenträger, muß gerade er in Hinsicht auf seine eventuelle Rückkehr nach Konstantinopel nicht zum wenigsten darauf bedacht sein, jede Handlung zu vermeiden, die die Empfindlichkeit des Sultans verletzen oder gar seinen Verdacht erregen könnte. Die Großmächte von Europa nehmen durch die Vermittlung ihrer Vertreter in Beirut und Konstantinopel ein mehr oder weniger tätiges Interesse an seiner Verwaltung; religiöse Streitigkeiten, die Intrigen örtlicher Behörden und des Verwaltungsrates, eine veraltete Verfassung und ein unlogisches lokales Finanzsystem hemmen jede seiner Unternehmungen. Er ist, um es kurz zu sagen, verurl*

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