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Die Welt · 1907-09-06 · 36 (6.9.1907) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
36 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
– (sequence 16)
Language
German
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18 DIE ELT No. 36 Wir wenden uns in der Not des Augenblicks an Sie mit der Bitte, anläßlich der bevorstehenden Feiertage der heimgesuchten Brüder in Marokko zu gedenken. * Nehmen Sie freundlichst auch von Freunden und Bekannten Gaben entgegen und führen Sie sie uns zu. Das Deutsche Bureau der Alliance Israelite Universelle (Berlin N 24, Oranienburger Straße 42/43) vermittelt die Überleitung der Spenden nach Marokko. Die Marokkaner und die Juden . . . Über die ständig dem maurischen Fanatismus ausgesetzten jüdischen Einwohner Marokkos schreibt Viktor Horowitz, Sekretär des österreichischen Konsulats in Tanger: „Nur die Furcht vor den Europäern im Lande und den Konsequenzen hält die Mauren von manchem bösen Streich an diesen Schutzbefohlenen der europäischen Gesandtschaften ab." Besonders haben die Mauren während der jüogsten Wirren ihr Mütchen an den schönen Jüdinnen gekühlt Denn, da es sich bei den marokkanischen Juden größtenteils um den schönen 1492 aus Spanien gekommenen Zuzug handelt, schreibt auch Rohlfs: „Im allgemeinen sind^ie Juden hier schöner und kräftiger als die Araber: die Jüdinnen namentlich zeichnen sich durch Schönheit aus." Auch ein Teilnehmer an der ersten deutschen 1877 nach Fez gekommenen deutschen Gesandtschaft berichtet: „Vor jeder Tür in Mellha hielten wir an, wie gebannt durch den mächtigen Zauber eines oder mehrerer von diesen weiblichen und kindlichen Gesichtern mit den großen, tief dunkeln, sanft glühenden Augensternen, den echten Abkömmlingen jener, von welchen der weise Sänger des Hohenliedes sagt, daß sie seien wie die Teiche zu Hasbon am Tor Bathrabbim." Alle Leiden im marokkanischen Ghetto haben diese unter dem maurischen Fanatismus gebeugten „jhudi" aber nicht gehindert, „darin die gesuchtesten, die kostbarsten Waren zu handeln, zu arbeiten und zu rechnen und mit ihren Frauen und Kindern ein Familienleben zu genießen, wie es ihre Peiniger und Bedrücker nicht kennen und niemals gekannt haben. . . Der Maure dünkt sich zu vornehm, um ein Handwerk zu treiben. Nach Rohlfs wird selbst die Succa, die königliche Münze des Sultans, ausschließlich von Juden bedient, welche auch die einzigen Goldschmiede in Marokko sind. Rohlfs betont, daß er sich ohne Hilfe der Juden, welche im Innern Marokkos zumeist arabisch sprechen, sonst aber den altkastilianischen Dialekt noch heute beherrschen, den sie im 15. Jahrhundert aus Spanien mitgebracht haben, selbst in den Städten mehrfach den größten Insulten der eingeborenen Mauren ausgesetzt sah. So schreibt Gerhard Rohlfs auf Seite 23 seines interessanten Buches über Marokko: „Es war Abend, als ich L'xor erreichte, mein Aufzug, halb europäisch, halb marokkanisch gekleidet, erreichte natürlich das größte Aufsehen. Hunderte von Menschen umdrängten mich, schimpften und schrien; auch marokkanische Juden kamen hinzu und das war ein Glück für mich. Die Juden, welche spanisch verstanden, setzten dem Pöbelhaufen auseinander, daß Rohlfs Mohamedaner geworden sei. Da verwandelte sich das Drohen in ein „Gottlob!" Gegenüber diesem religiösen Fanatismus der Marokkaner hat selbst der jetzige Sultan einen schweren Stand, und auch der französische General Drude dürfte bald herausfinden, daß die Kanonen zur „Pazifierung" der Mauren allein nicht genügen. Studium der jüdischen Emigrationsverhältnisse Mitglieder der Einwanderungskommission, die auf Grund des neuen Einwanderungsgesetzes zum Studium der Einwanderung nach den Vereinigten Staaten ernannt und nach den Auswanderungsländern gesandt worden ist, haben auf dem Bureau des Hilfsvereins der Deutschen Juden über die jüdischen Auswanderungsverhältnisse eingehende Besprechungen gehabt und sich über die Arbeiten des Zentralbureaus für jüdische Auswanderungsangelegenheiten genau informieren lassen. Hinblick auf ein vorzubereitendes Einwanderungsgesetz eine Kommission aus seiner Mitte beauftragt, sich nach Europa zu begeben und die Ursachen der Auswanderung zu erforschen. Die Kommission rJesteht aus 19 Deputierten, von denen jeder einen Dolmetsch und vier Stenographen zur Seite hat. Die Kommission hat sich über ganz Europa verbreitet. Für Italien, die Türkei, Kleinasien, Griechenland, Bulgarien und Rumänien hat die Kommission Herrn W. S. Bennet; entsandt, republikanischen Abgeordneten in Washington und Epitropos der presbyterianischen Kirche in New-York. Sein Dolmetsch ist Herr Dr. Maurice Fischberg. £ Herr Bennet hat damit begonnen, Italien in allen Teilen zu besuchen. Danach hat er sich nach Bosnien, Serbien, Bulgarien, Macedonien, Griechenland, Palästina, Syrien begeben und in Konstantinopel Aufenthalt genommen. Hier wurde Herr Bennet vom Sultan in Audienz empfangen. Der Sultan übergab ihm einen eigenhändigen Brief für den Präsidenten Roosevelt und überreichte Herrn Bennet, der als offizieller Abgesandter eine Auszeichnung nicht annehmen darf, einen Orden für seine Frau. Von Konstantinopel begab sich Herr - Bennet nach Bukarest, wo er vom König und den Ministern der auswärtigen Angelegenheiten und des Innern empfangen wurde. Der Minister des Innern gab ihm ein Epfehlungschreiben an die Präfekten der aufzusuchenden Städte. Da die Aufgabe der Kommission darin besteht, die Ursachen der Auswanderung zu ergründen, so mußten die Delegierten sich mit den Auswanderern, deren materielle, soziale und politische Lage sie kennen lernen wollten, in Verbindung setzen. Herr Bennet richtete naturgemäß seine Aufmerksamkeit auf den jüdischen Teil der Bevölkerung, weil dieser allein das Kontingent für die Auswanderung nach Amerika stellt. Herr Bennet besuchte zuerst die Stadt Jassy, wo er alle aus den Dörfern Vertriebenen, die zumeist nach Amerika gehen wollen, befragte. Von Jassy begab sich Herr Bennet nach T. Frummß und .Podul- Iloici. Der Maire von Podul-lloici erklärte Herrn Bennet, daß alle Juden, die in dieser kleinen Stadt sich nach 1904 niedergelassen haben, ausgewiesen werden, wenn sie nicht eine Aufenthaltserlaubnis für die ländlichen Gemeinden erhielten. In Botosani unterhielt sich Herr Bennet viele Stunden lang mit den vom flachen Lande Vertriebenen und mit den Auswanderungsanwärtern. Die Kommissionsmitglieder erkundigten sich nach dem Schicksal der Leute, nach ihren Absichten und nach den Namen der Verwandten, die sie in Amerika haben. Die Delegierten wohnten auch der Verteilung der Unterstützungsgelder an die im vergangenen Frühjahr Geschädigten bei. Nachmittags besuchten sie die armen jüdischen Stadtviertel, namentlich den Stadtteil Calicimei, der die meiste Zerstörung aufzuweisen hat. Die Herren Bennet und Fischberg traten in mehrere Häuser ein und waren lebhaft bewegt von dem elenden Zustand, in dem sich die Bewohner befanden. Herr Bennet spendeten 125 Francs zur Verteilung von Brot an die Armen, die er besucht hatte. Von Botosani begab sich die Kommission nach dem Dorf Manolesti, wo sie drei Stunden lang die Wohnungen der Bauern besuchte, die Bauern nach ihrer Lebensführung befragte und nach den Beziehungen, die zwischen ihnen und den Pächtern bestehen, nach den Arbeitskontrakten, nach den Arbeitsbedingungen usw. Die Bauern gaben alle von ihnen erforderte Auskunft. Auf die Frage nach den Ursachen ihres Aufstandes erwiderten die Bauern, daß ihr Dorf an dem Aufstand und an der Verwüstung von Botosani nicht teilgenommen habe. Auf die Frage,' welche Hoffnungen sie in die Wirksamkeit der augenblicklich in Vorbereitung befindlichen agrarischen Gesetze hätten, begnügten sie sich mit der Erwiderung: „Können wir wissen, was die Großen tun wollen?" Herr Bennet machte photographische Aufnahmen von einigen ländlichen Häusern und von ländlichen Arbeitergruppen, ebenso von einigen Zerstörungszentren in Botosani. Bei der Rückkehr von Manolesti machte die Kommission einen Besuch bei dem Präfekten Herrn Maurocordato. Andern Tags begab sich die Kommission nach Dorohoi, wo sie die nämlichen Untersuchungen wie in Botosani begann und wo sie feststellte, daß das Elend geringer sei als in Botosani." Die Delegierten dieser amerikanischen Einwanderungskommission haben sich auch auf das genaueste über die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Ursachen informiert, die die Israeliten Rumäniens zur Auswanderung treiben. * Die Kommissionsmitglieder haben das Land verlassen, überrascht und tiefergriffen von dem, was sie gesehen und gehört haben. Man darf wohl annehmen, daß die Mitglieder der Kommission Aufklärung gefunden haben über alie (die Unbilden, denen die Juden dieses Landes ausgesetzt sind. Der Präsident der Kommission, Herr Bennet, hat sein Bedauern ausgesprochen, daß seine amtliche Stellung ihm nicht gestatte, seine Eindrücke und Gefühle in der Presse darzulegen. Der Bukarester „Adeverul" bringt folgende Auslassung über die amerikanische Kommission: „Der Kongreß der Vereinigten Staaten von Amerika hat im Das Technikum Mi ttw e id a ist ein unter Staatsaufsicht stehendes höheres technisches Institut zur Ausbildung von Elektro- und Maschinen-Ingenieuren, Technikern und Werkmeistern, welches alljährlich ca. 3000 Besucher zählt. Der Unterricht in der Elektrotechnik wurde in den letzten Jahren erheblich erweitert und wird durch die reichhaltigen Sammlungen, Laboratorien, Werkstätten und Maschinenanlagcn (Maschinenbau-Laboratorium) etc. sehr wirksam unterstützt. Das Wintersemester beginnt am 15. Oktober, und es finden die Aufnahmen für den am 24. September beginnenden unentgeltlichen Vorunterricht von Anfang September an wochentäglich statt. Ausführliches Programm mit Bericht wird kostenlos vom Sekretariat des Technikum Mittweida (Königreich Sachsen) abgegeben. In den mit der Anstalt verbundenen ca. 3000 qm Grundfläche umfassenden Lchr-Fabrikwerkstättcn finden Volontäre zur praktischen Avisbildung Aufnahme. Auf allen bisher beschickten Ausstellungen erhielten das Technikum Mittweida bezw. seine Präzisions-Werkstätten hervorragende Auszeichnungen. Industrie- und Gewcrbcausstellung Plauen: die Ausstellungsmedaille der Stadt Plauen „für hervorragende Leistungen". Industrie- und Gewerbeausstellung Leipzig: die Königl. Staatsmedaille ,,für hervorragende Leistungen im technischen Unterrichtswesen", Internationale Wellausstellung Lüttich: den Prix d'honneur.

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