Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 36 (6.9.1907)
- Date
- 1907-09-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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4 — , — DIE3 sätze zu einer jüdisch-erziehlichen Tätigkeit machen wird. Auf die Arbeiten, die wir in der Formel „Vorbereitung des Landes" zusammengefaßt haben, hat der Kongreß seine größte Aufmerksamkeit konzentriert und Beschlüsse gefaßt, die einen gesunden Fortschritt und eine erfolgreiche Tätigkeit uns ermöglichen. Schlicht und geradlinig gelangte der Wille des Kongresses in seinen Beschlüssen zum Ausdruck: Die Leitung, vereinfacht und näher aneinandergerückt, soll es möglich machen, die ineinandergreifenden Arbeiten auf allen Gebieten harmonisch zu fördern, die vorhandenen Einrichtungen auszubessern und die Organisation mit allen Hebeln einzusetzen. Und um es möglich zu machen, die Beschlüsse in die lebendige Praxis überzuführen, wurde die Gründung eines Parteifonds beschlossen. Dadurch soll die Möglichkeit gegeben werden, auf sicherer Basis mit einem geordneten Budget arbeiten zu können. Er hat hierdurch seinen Willen bekundet, daß die Beschlüsse nicht mehr papierene Beschlüsse bleiben, sondern daß wir sie, wie es einer ernsten und starken Organisation gebührt, zur Ausführung bringen sollen. Nun ist der Kongreß vorüber, und wir schreiten an die Arbeit. Die gefaßten Beschlüsse bezeichnen die Richtlinien unseres Programms. Wir werden uns bemühen, unsere Institutionen so auszubauen und auszugestalten, daß sie in der Lage sein sollen, selbständig und als Glieder des Ganzen zu wirken. Wir werden besorgt sein, den Geist zu stärken, die Bewegung auszubreiten und in dem Geschaffenen Ordnung zu halten. Wir sind uns der Schwierigkeiten unserer Aufgabe bewußt. Um unsere Aufgabe erfüllen zu können, ist eine Mitwirkung aller Zionisten erforderlich. Wenn der Kongreß einen enger umgrenzten, intensiveren Mittelpunkt der Zentralleitung geschaffen hat, so bedeutet dies nicht eine Verminderung der Gesamtkräfte und Beschränkung der Arbeitsgebiete, sondern im Gegenteil die Schaffung eines leichterzu handhabenden, wirklichen Arbeitszentrums zwecks wirksamer Belebung und Befruchtung aller Sphären zionistischen Schaffens. Der Kongreß hat die Mitgliederzahl des großen Aktionskomitees vergrößert, die Vorsteher der Landsmannschaften in dieses aufgenommen und, um einer Differenzierung der Richtungen einen freieren Spielraum zu geben, die Möglichkeit geschaffen, neue Federationen zu bilden. [E LT , No. 36 Diese Bestimmungen haben den Rahmen unserer Organisation in einer volkstümlichen Weise erweitert. Es handelt sich nun darum, diesen Rahmen mit zionistischer Arbeit von Gestaltungsfähigkeit und organischer Schöpfungskraft auszufüllen. Wir werden uns unserseits bemühen, einen kräftigeren Zusammenhang mit den Mitgliedern des großen A. C, mit den Landsmannschaften und Federationen zu bewahren. Wir werden einen innigeren Kontakt mit den jüdischen Massen suchen und eine Fühlungnahme mit den entferntesten Kreisen unserer Organisation anstreben. Damit aber die Kongreßbeschlüsse nicht graue Theorien bleiben, damit wir in die Lage gesetzt werden, die schwierigen Probleme, denen wir gegenüberstehen, zu lösen, den Hindernissen zielbewußt und kraftvoll Trotz zu bieten und Schritt für Schritt ohne Hast, aber auch ohne Rast uns unserm Ziele zu nähern, muß nun die Arbeit auf der ganzen zionistischen Linie energisch fortgesetzt werden. Alles ist von dieser Arbeit abhängig. Die Möglichkeitsgrenzen der politischer Aktion, die Aussichten der praktischen Unternehmungen, die Ausgestaltung unserer Behörden und Bureaus, die Leistungsfähigkeit der Zentrale sind durch die Größe die Tüchtigkeit, die Begeisterung und — last not least - die Spendekraft unserer Gesinnungsgenossen bedingt Niemand darf in breitem Behagen sitzen und von dei andern Wunder erwarten, niemand darf teilnahmslos une grollend abseits stehen, um zur Stunde der Abrechnung wohlfeile Fragen zu stellen, warum man dies oder jene^ nicht getan habe. Alle müssen eifrig mittun. Die Zeh der Diskussionen ist vorüber. Was wir zu tun haben darüber sind alle einig. Geeint in unsern Bestrebungen, mit Begeisterung und straffer Disziplin, mit richtige Arbeitsteilung und strenger Aufrechterhaltung der vor uns allen und für uns alle geschaffenen Org'anisatioi werden wir auf dem Wege, der uns zu unserem Ziele führt unermüdlich vorwärtsschreiten. Und wir glauben zu versichtlich, daß sich bei unserer Arbeit alle zusammen finden werden, die unser gemeinsames Ziel aufrichtig und innig wünschen. Das Engere Aktionskomitee: David Wolffsohn, Vorsitzender, Jakobus Kann. Prof. 0. Warburg DIE ZIONISTISCHE PRESSE UND DER KONGRESS Das „Frankfurter Israelitische Fatnilienblatt" schreibt in einem Artikel: „Nach dem Kongreß": Was hat der Kongreß geleistet? Was hat er uns gelehrt? Auf diese Fragen wollen wir versuchen in einer kurzen Skizze der wichtigsten Momente die Antwort zu geben. Vor allen Dingen über den Stand der Bewegung. Durch die offiziellen Berichte der Landsmannschaften und des Generalsekretärs der zionistischen Organisation, noch mehr aber durch den allgemeinen persönlichen Eindruck und durch private Ge spräche mit den kompetenten Persönlichkeiten mußte jeder der Eindruck gewinnen, daß der Zionismus in diesen Jahren der großen Wirren und Kämpfe nicht nur sich erhalten hat, sondern auch mit gestählter Kraft aus diesem Ringen hervorgegangen ist. Der Zionismus ist mehr denn je der Träger und Erzeuger des nationalen Lebens geworden. Die Vertiefung des Zionismus zeigte sich besonders bei den russischen und österreichischen