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Die Welt · 1907-08-30 · 35 (30.8.1907) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
35 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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NO. 35 DIE. ELT c ooooooooo NACHRICHTEN °g>°<5c oooooooooj Ein Pogrom bei Kischinew Aus Kischinew wird über eine am 18. August im Flecken Tomaschpol (Gouvernement Podolien) veranstaltete Judenhetze geneidet: Am Sonntag brach zwischen einem jüdischen Ladenbesitzer ind Bauern, welche ihm ein Stück Zeug gestohlen hatten, ein Streit aus, der in eine Prügelei überging. Es sammelte sich bald eine Menge Betrunkener an, die plötzlich das Geschrei erhoben: .Haut die Juden!" Darauf erfolgte in erster Reihe eine völlige Verwüstung der jüdischen Läden. Eine gesonderte Gruppe beschäftigte sich mit dem Prügeln der Juden. Sehr verspätet traf ein Landpolizist mit mehreren Reitern ein, .lie von der plündernden Menge mit einem Steinhagel empfangen vurden, worauf sie Feuer gaben. Zwei der Plünderer und ein üdischer Knabe wurden getötet. Nach der Salve flohen die ilündernden Bauern, wobei sie einen großen TeiL des Eigentums Jer von ihnen ausgeraubten Juden auf Wagen mit sich führten. Jetzt wird Tomaschpol von 18 Polizisten und mehreren Reiter- Patrouillen bewacht. Notlage der Juden in Rumänien Der Sekretär der „Israelitischen Allianz zu Wien", Herr Dr. \nnand Kaminka, ist soeben von einer Reise durch Rumänien zufickgekehrt, wo er namens der europäischen Hilfsorganisationen m Einvernehmen mit dem Zentralkomitee in Jassy und den Loalkomitees die Aktion für die Opfer der Exzesse zum Abschluß i! bringen hatte. Nach der Schilderung des Herrn Dr. Kaminka >t die Situation eine für die rumänischen Juden trostlose!nd von Tag zu Tag sich verschlimmernde, so daß das lilfswerk nicht zum Abschluß gelangen kann. Die rumälische Regierung führt einen Vernichtungskrieg gerade gegen die nnsten, ohnehin mit der bittersten Not kämpfenden Juden, und las System fortwährender Ausweisungen aus Dörfern und Erwerbsntziehungen bedeutet faktisch ein stilles, unblutiges Massakre, as von den rumänischen Behörden, in Verhöhnung des Berliner ertrages, an den Juden verübt wird. Als einzige Hilfe für einen ■oßen Teil der Juden der nördlichen Moldau betrachtet Herr Dr. aminka die Auswanderung. — In der letzten Sitzung der Zenale in Jassy mußten leider die Unterstützungen,, die ohnehin nur le ein Tropfen auf einen heißen Stein sind, gekürzt werden, a von England der in der Wiener Konferenz präliminierte Beitrag icht eingegangen, und der rumänische Fonds erschöpft ist. Dem Bezirk Jassy hat die Wiener Allianz fernere 50000 Frs., dem Beirk Botosarii 90000 Frs., außerdem hat die Allianz für vertriebene amilien vorläufig 10000 Frs. überwiesen. Morris Rosenfeld. Eine große Zahl jüdischer und nichtjüdischer Blätter, die seiner- <At den Tod Morris Rosentelds meldete, ist neuerdings einer weiteren «äischung zum Opfer gefallen, die sich übrigens bei einigermaßen;>rgfältiger Prüfung sofort als solche hätte erweisen müssen. Es andelt sich um einen angeblichen Brief Morris Rosenfelds, der viederum angeblich) in der „Wilnaer Volkszeitung" veröffentlicht ar, worin er (mehrere Tage vor seiner Todsagung, was merkwürdigerweise den Redakteuren der erwähnten Blätter nicht auffiel) •e^en seine Todmeldung protestiert und diesen Gerüchten unehrenhafte Spekulationsgelüste seiner Verleger zugrunde legt. Die meisten >etails (so z. B., daß Rosenfeld von seinen sechs Kindern, von aiem ihm durch Wucherer entrissenen Häuschen spricht, ferner avon, daß ihm von seinem Verleger nie Honorar-gezahlt wurde sw.) sind so sehr „erfunden", daß sich sofort die Überzeugung insteilen mußte, daß man es hier mit einer groben Fälschung zu un habe. Das Lemberger „Tagblatt" glaubt auch bereits dem 'bischer, einem minderwertigen russischen Schreiber, der sich in •'ngarn herumtreibt, auf der Spur zu sein. Jedenfalls dient es nicht dem Ansehen des schwergeprüften Achters, wenn man ihn mit dergleichen, glücklicherweise erfundenen, .Anklagebriefen" durch die Spalten der Blätter zerrt. Unsere amerikanischen Freunde, bei denen wir nähere Erkundigungen einzogen, teilten uns mit, daß Rosenfeld in einem Erholungsheim untergebracht ist, und sie fügten hinzu, daß die amerikanischen Juden ihn nicht im Stiche lassen werden. Daß auch seine Freunde in Europa ihn nicht vergessen werden, dafür war das warme Interesse, das sich in den letzten Wochen für den Dichter äußerte, ein erfreulicher Beweis. Die Juden in Kanada Der soeben erschienene Bericht der kanadischen Regierung über die Einwanderung von Ende Juni 1905 bis Ende Juni 1906 ergibt die Gesamtzahl von 189064 Immigranten gegen 146266 im vorhergehenden Jahre. Die Einwanderung nach Kanada ist, wie aus dieser Feststellung hervorgeht, im Verhältnis zur alten Bevölkerung doppelt so groß wie in den Vereinigten Staaten; sie beträgt dort 29 pro Mille, hier 13 pro Mille. Nach den Italienern und den Engländern stellen die Juden die größte Zahl der Immigranten, nämlich 7127, um 588 weniger als im Vorjahr. Davon sind Russen 6056. Dem Beruf nach waren von den männlichen jüdischen Einwanderern Landwirte 267, Arbeiter 389, Handwerker 1870, Händler u. dergl. 183 und Bergleute 5. Der Bericht der Einwanderungsbeamten für Westkanada klagt darüber, daß sich dort nur wenige Juden ständig auf dem Land angesiedelt hätten; die meisten bleiben in den Städten oder ziehen als Hausierer umher. Im Distrikt Wapella indessen gebe es jedoch jüdische Farmer, die je 75—250 Acres bewirtschaften. Der Inspektor für den Distrikt Lipton teilt mit, daß die jüdische Ansiedelung im Osten und Nordosten 40 000—50 000 Busheis Getreide im ^Berichtsjahre auf den Markt gebracht habe. Danach werden in diesem Distrikt 6000 bis 8000 Acies von Juden bebaut. Der Medizinalbeamte stellt fest, daß von 186 145 Einwanderern 284 auf Grund der Untersuchung zurückgewiesen worden. Von 7091 Juden, die man untersuchte, betraf er 29 oder einen unter 245; bei den Italienern stellte sich das Verhältnis wie 1 zu 185, bei den nichtjüdischen Russen wie 1 zu 88. The Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolonialbank) Ltd. In der am 21. August d. J. im Haag stattgehabten Generalversammlung unserer Gesellschaft ist für das mit dem 31. Dezember 1906 abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von 8 d pro £ 1.— share, steuerfrei, auf Kupon Nr. 3 erklärt worden. Die Einlösung erfolgt vom 16. September ab an unserer Kasse in Brook House, Walbrook und bei unserer Branch in 41 Whitechapel Road E. C, ferner in Rußland mit 31 Kopeken bei: Sibirische Handelsbank, St. Petersburg, Kommerzbank in Minsk, sowie deren Filialen in Bjelaja-Zerkow, Konotop, Libau, Mohilew Gouv., Pinsk, Rowno, Romny und Schitomir, und bei den Firmen: Samuel Barbasch, Odessa und Filialen in Kischenew und Tultschin, J. Benjacob, Wilna, M. Feldstein, Warschau, Gebrüder Bachrach, Warschau, Joseph Katzenelsohn & Söhne, Libau und Bobruisk, Gebrüder Urysohn, Moskau; in Deutschland mit 65 Pfg. bei: Deutsche Bank, Berlin, Nationalbank für Deutschland, Berlin; in Österreich mit 80 h bei: Unionbank, Wien, und bei der Firma Sokal & Lilien, Lemberg; in Frankreich mit 80 Cent, bei den Herren S. & D. Cohen, 2 Rue de Provence. Paris, in Holland mit 40 Cents bei den Herren Lissa & Kann, Haag; in Rumänien mit 80 Bani bei den Firmen: Marmoresch, Blank & Co., Bukarest, Moritz Wachtel, Jassy; in Palästina bei der Anglo Palestine Company Ltd. in Jaffa, Jerusalem und Beirut zum Tageskurse; in Amerika: mit 16 Cent bei der Mutual Alliance Trust Company, New York, 323 Grand Street; in Südafrika bei der Firma: E. Friedlander & Co., Ltd. Johannesburg. London, den 23. August 1907. The Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolonialbank) Ltd. Brook House, Walbrook, E. C.

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