Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 35 (30.8.1907)
- Date
- 1907-08-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE KÖLN AM RHEIN, UBIERRING 23 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XI. JAHRG. KÖLN, 30. August 1907 piin1? rf?nri'e* b)bx *D No. 35. DIE ERGEBNISSE DES ACHTEN KONGRESSES Der achte Kongreß, schon äußerlich durch die Ruhe der Diskussion wesentlich unterschieden von seinen unmittelbarenVorgängern,warein praktischer Kongreß. Bs wurde verhältnismäßig wenig debattiert, ein guter Teil der Beratung in die speziellen Ausschüsse gelegt, das Arbeitsfeld zudem auf einige Hauptfragen eingeschränkt, prinzipiell-theoretischen Erörterungen — mit Ausnahme der Montagabend-Debatte — aus dem Wege gegangen, — kurz, der Kongreß beriet und beschloß keine programmatischen Thesen für die einzelnen Materien, sondern er formulierte die nächsten Aufgaben, r dekretierte bestimmte Arbeiten und paßte die Oranisation diesen Arbeiten an. Im nachfolgenden geben wir eine zusammenhängende Darstellung der wesentlichsten Kongreßbeschlüsse. In Hinsicht auf die Palästinaarbeit stellt die Schaffung eines besonderen und selbständig dotierten Palästinaressorts innerhalb des Engeren Aktionskomitees und eines Palästinaamtes die wichtigste Reform dar. Die darauf bezüglichen Beschlüsse lauten: Der Kongreß beschließt, daß ein besonderes Palästinaressort innerhalb des Engeren A. C. geschaffen wird, welches das Recht hat, sich Beiräte zu ernennen. Dieses Palästinaressort soll unter der Leitung eines Mitgliedes des Engeren A.C. stehen. Ihm wird ein in Palästina befindliches, aus einem oder mehreren besoldeten Beamten bestehendes Palästinaamt unterstellt. Der Kongreß beschließt, daß 25% aller Einnahmen des A. C, sofern sie nicht für andere Zwecke bestimmt sind, sofort nach Eingang dem Palästinaressort beim Jewish Colonial Trust zur Verfügung gestellt werden. Außerdem fließen dem Palästinaressort die für seine besonderen Zwecke gesammelten und gespendeten Beiträge zu. Als eine Aufgabe größeren Stiles soll dem l'alästinaressort die Begründung einer Siedl ungs- M'enossenschaft zugewiesen werden. Das Projekt, insbesondere von den Poalei Zion und den österreichischen Zionisten warm vertreten, fand prinzipiell allgemeine Sympathie. Doch hielt der Palästinaausschuß des Kongresses noch ein weiteres Studium der Materie für notwendig, eine Meinung, der sich auch der Kongreß anschloß und der er in folgendem Beschlüsse Ausdruck gab: Der Kongreß beauftragt das Palästinaressort, die Frage der Siedlungsgenossenschaft in Palästina zu studieren und der Jahreskonferenz darüber Bericht zu erstatten. Auch in der Frage des Bodenkredits suchte der Kongreß eine mittlere Linie zu finden, was ihm auch gelang. Sämtliche Antragsteller und der Kongreß vereinigten sich im Interesse des Prinzips, dessen Berechtigung alle Teile anerkannten, zu nachstehendem Beschlüsse: Der Kongreß empfiehlt dem Engeren A. C. und dem Direktorium der A. P. C, dafür Sorge zu tragen, daß bei der A. P. C. eine Abteilung für langfristige Kredite auf ländlichen und städtischen Boden eingerichtet werde, welche auch das Recht haben soll, städtischen und ländlichen Boden zu kaufen und zu verkaufen, zu parzellieren, zu pachten, zu verpachten und zu ameliorieren. Bezüglich der nationalen Erziehungsarbeit in Palästina begnügte sich der Kongreß mit einer allgemeinen Direktive, von der er nur in Hinsicht auf eine hebräische Mittelschule eine Ausnahme machte. Der darauf bezügliche Beschluß lautet: Der Kongreß beauftragt das Palästiiiare sort, den Bildungsanstalten in Palästina seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und zu trachten, für deren Zwecke einen besonderen Fonds zu schaffen. Er beauftragt ferner das Palästinaressort, für die Entwicklung einer hebräischen Mittelschule in Palästina Sorge zu tragen. Die hochherzige Zuwendung des Delegierten Moser für das hebräische Gymnasium macht die besondere Hervorhebung dieses Instituts, dessen Verwirklichung jetzt ein beträchtliches Stück näher gerückt ist, erklärlich. Mit den bisher verzeichneten Beschlüssen ist die Stellungnahme "des Kongresses zur speziellen Palästinafrage erledigt. Auf eine Revision der programmatischen Thesen, wie sie der siebente Kongreß festgelegt hatte, verzichtete man und ging über einen Antrag Syrkin,