Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 34 (23.8.1907)
- Date
- 1907-08-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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no. 34 ■— — die: h bin ein ziemlicher Fachmann in Experimenten, und Sie können iir glauben — gestatten Sie mir es zu sagen: nicht alle Experimente ihren zu einem guten Resultate, und nicht von allen Experimenten rnt man. Sie können ja lange Experimente machen und — glauben ie mirwieder, weil ichFachmann bin --- wissen am Ende ebensowenig, is Sie am Anfang gewußt haben. (Heiterkeit. Ruf: Sie machen aber och die Experimente weiter!) Man ruft mir zu, ich mache noch immer Experimente. Jawohl! Aber das kostet zehntausend Tieren das eben, bis ich überhaupt vorwärts komme. (Lebhafter Beifall uiid iändeklatschen). Was ist es also, was wir bei Ihnen bekämpfen, ogegen wir uns heute als Opponenten stellen? Das ist der Geist, er Sie beseelt? Gegen diesen Geist müssen wir ankämpfen, weil ir überzeugt sind — und das ist keine Phrase —, daß uns der roße Herzl ein viel größerer Mann gewesen, als heute viele von inen begreifen (stürmischer Beifall und Händeklatschen). Er hat der wollte wenigstens dem Juden das einprägen, was er bis dahin icht gewußt hat, er wollte ihm einprägen, daß, um ein großes Ziel i erreichen, man auch große Mittel verwenden muß. Weiche roße Mittel wollen Sie verwenden? Sie nennen sich politische ionisten. Nun sind Sie alle gezwungen, trotzdem Sie, wie ich esagt habe, noch nicht alle politisch reif sind, Politiker zu sein, her das eine werden Sie aus der Politik denn doch schon gelernt üben, daß man, um Politik zu treiben, Macht besitzen muß. Die lacht aber, die wir heute oesitzen ist nur die große Idee, die uns ereint, ist das unerhörte Unrecht, das seit zwei Jahrtausenden an ns geübt wird (lebhafter Beifall). Diese Macht zählt aber noch;cht einmal in dem Lande, in der Stadt, wo wir heute weilen. Wir uissen eine andere Macht haben, das ist die Macht des Geldes, ie modernste Macht (lebhafte Zustimmung). Unser großer geliebter (ihrer Herzl hat mit großen Kämpfen versucht uns einen kleinen chatz zu schaffen, der darin die Form gefunden, daß er die Bank ■^gründet hat. Meine Damen und Herren! Was in den Statuten •r Bank steht, ist mir momentan völlig gleichgültig. Der Geis! aber, der bei der Gründung der Bank zum Ausdrucke ■ im, war der, ein politisches Institut aus der Bank zu schaffen und cht ein geschäftliches Instrument, und nicht das Geld der Bank ir kleine und kleinliche Dinge zu vergeuden und zu verschwenden, mdern das Kapital der Bank zu dem eisernen Bestände zu machen, r auf uns wartet, damit wir nicht auf das Kapital warten sollen, enn die Zeit gekommen sein wird. Mein verehrter Freund Motzkin hat gesagt, daß der politische harterismus — ich nenne das lieber den politischen Zionismus — icht versprochen hat, daß er in 24 Stunden dem jüdischen Volke is geben wird, was es erwartet. Das hat er nie versprochen, und enn diese Legende entstanden ist, so ist sie eben nicht begründet, ie ja die meisten Legenden nicht begründet sind. Aber etwas :leres hat er versprochen. Er hat gesagt: Ihr müßt auf den Moment jederzeit gerüstet sein, und infolgedessen dürft ihr nicht n einzigen kleinen Machtfaktor, den ihr besitzt, in leichtfertiger "eise aus den Händen geben. Das ist der Zweck der Bankründung gewesen, und das ist der Zweck, den, gleichgültig was i den Statuten steht, der Nationalfonds hat. Aber Sie müssen is eine bedenken, Sie müssen das eine gelernt haben, daß Sie ieses einzige politische Instrument nicht vergeuden und nicht verhwenden, das im Vergleiche zu der großen Idee, die wir zu verirklichen trachten müssen, doch so klein ist (Zwischeniii. Es wird mir zugerufen: der Nationalfonds. Auch dieser ist cht dazu da, um einige kleine Unterstützungen zu geben! Das : dieselbe Chalukapolitik, die wir vor Jahren gehabt haben (Beifall ul Händeklatschen bei einem Teil d.D.). Der Nationalfonds ist für eine oße Zeit und eine große Gelegenheit gemacht worden, und da •irfen Sie nicht mit dem Nationalfonds so umspringen, wie in den eisten Köpfen die Absicht besteht. Man sagt uns immer, wir üssen das, was in Palästina besteht, uns erhalten! Aber mit der ")L)ten Vorsicht, und wir müssen, wenn es nötig ist, wenn es in ■■lästina mit einigen Unternehmungen, die wir gemacht haben, nicht ■ t geht, verstehen, diese auch opfern zu können. Das ist richtige 'litlk (Lebhafter Beifall und Händeklatschen bei einem Teil d. D.). Hoher Kongreß! Als Doktor Nordau vor einigen Tagen hier nid, um jubelt von Ihnen, wie der Geist des jungen Judentums ü einen Schrei in die ganze Welt gerichtet hat, bleich vor der "öße des Augenblickes, in dem wir uns befanden und nach dem rufen hat, was uns seit Jahrtausenden verweigert wird, nach -rechtigkeit für unser Volk, ein Appell, der weit über alle nde gehört worden ist: ich frage Sie, nieine sehr verehrten -men und Herren, haben Sie sich da gefragt, ob der Appell auch :M an Sie gerichtet ist? Ich frage Sie, haben Sie sich in dem •inente, wo endlich einmal andere Völker und Staaten das geben 'Hen, worauf wir ein Anrecht haben und worum wir gar nicht ücin wollen, ich frage Sie, haben Sie sich gefragt, ob Sie wirklich - diesen Moment der Gerechtigkeit auch schon vorbereitet sind? jgELT — ■ -= 7 Haben Sie sich gefragt, ob unsere nationale Bewegung wirklich das Judentum in seiner ganzen Größe darstellt? Ob" sie eine Bewegung der ganzen Nation ist? Das wäre die richtige Antwort auf den Appell gewesen, den Nordau an die Außenstehenden und uns, die Innenstehenden, gerichtet hat. Wir müssen uns ehrlich gestehen, wir sind noch nicht die Bewegung der ganzen Nation, wir müssen uns ehrlich gestehen, daß noch viele nicht mit uns gehen, welche noch mit uns gehen würden, wenn nicht dieserGeist der Intoleranz gegen diejenigen bei uns herrschen würde, welche nicht derselben Ansicht mit uns sind (Widerspruch, Beifall und Händeklatschen bei einem Teil d. D.). Das ist derselbe Geist, das ist dieselbe Kette und das sind dieselben kleinen Ringe dieser Kette, welche bewirkt haben, daß hier oben auf unserer Tribüne nicht jene Männer sitzen, welche in der ersten Stunde den Enthusiasmus uns zugeführt hat (Lebhafter Beifall und Händeklatschen). Wo sind die Mandelstamm, wo sind die Jassinowski, wo sind überhaupt die Männer, die in erster Stunde an der Seite Hcrzls gestanden sind? (Stürmischer Beifall, Lärm und lebhafter Widerspruch.) Wo sind alle diejenigen? (Ruf: In Afrika!). Nein! diese Herren sind nicht in Afrika, und ich bin überzeugt, sie sind heute ebenso gute Zionisten, wie wir alle sind (Stürmischer Beifall. — Lebhafter Widerspruch) Die Herren mögen in einem Augenblicke ihre Herzen haben lauter sprechen lassen als ihren Verstand, während Sie, meine Damen und Herren, jetzt Ihre Herzen lauter sprechen lassen als Ihren Verstand (Beifall und Widerspruch). Diese Männer haben sich hinreißen lassen von der großen Idee, die wir nicht begreifen konnten, die sie aber vor uns begriffen haben wollten. Diese Herren wären hier geblieben, sie wären mit uns gegangen, sie hätten uns zur Zierde gereicht, wenn nicht dieser Geist unter Ihnen geherrscht hätte (Lebh. Beifall.) Darum, meine sehr verehrten Damen und Herren, möchte ich auf das Sprichwort antworten, das Herr Dr. Stand hier gebraucht hat, indem er sagte: „Naasseh renischmah" — Ihr sollt zuerst tun und dann hören! Ist das etwa eine bedeutende politische Reife (Lebh. Beifall). Zuerst soll man hören und dann erst soll man tun (Lebhafte Zustimmung). Und darum, meine Damen und Herren, hören Sie auf das, was Ihnen der eine einzige große Mann gesagt hat, den wir überhaupt seit hunderten von Jahren besessen: Seid ein starkes Volk, wenn auch mit schwachen Kräften! Schließt euch fest zusammen und macht keine Restriktionen, wie sie gestern in der Bankangelegenheit gemacht worden ist. Öffnet eure Arme, damit alle diejenigen zu euch kommen können, welche mit uns sind, welche mit uns dieselben Ideale haben. Wenn wir diesen Geist, den ich den Geist eines größeren Judentums nennen möchte, in uns aufgenommen haben werden, wenn wir diesen Geist besitzen werden, der uns alle dasselbe wird tun lassen, der nichts trennt, der unsere Kraft nicht verschwinden lassen wird, dann, meine Damen und Herren, wird es nicht dazu kommen, daß wir plötzlich eine Debatte haben werden, bei der es heißt: Pro- und Kontraredner (Lebhafte Zustimmung). Meine Damen und Herren! Es gibt nur Proredner, nur Redner für die Palästinaarbeit (Lebhafter Beifall). Ich möchte Ihnen Schritt für Schritt während der Spezial-Debatte den Beweis erbringen, daß es nur Proredner für Palästina gibt. Was wir eben verhindern wollen, ist, daß wir von der ersten Idee, die uns vereinigt hat, allmählich aber vollkommen uns abwenden. Was wir immerwährend euch zurufen, ist: Bleibt das, was ihr seid, bleibt das, was euch früher von den anderen Juden unterschied, ein etwas höheres Judentum. Ihr aber seid im Begriffe, diesen Weg zu verlassen. Und warum habt ihr wohl noch nicht vollkommen begriffen, was unser großer Führer Herzl einst gesagt hat? Weil ihr ein kleinmütiges Volk seid, weil ihr nicht warten könnt. Nun wird man mir sagen, wenn jemand hungert, kann man ihn nicht warten lassen. Nun frage ich Sie alle, meine Damen und Herren, werden Sie mit all Ihrer Arbeit in Palästina und selbst wenn Sie alles Geld unseres Schatzes und der ganzen Nation vollkommen verwenden, damit den Hunger des jüdischen Volkes stillen? Nein! Viei reichere Männer, als wir es sind, haben viel mehr ausgegeben und weniger schaffen können, weil dasjenige gefehlt hat, was uns nun zu fehien beginnt: der Geist, der große Gedanke. Lassen Sie den großen Gedanken aus unserer Bewegung fort und Sie haben den Zionismus allmählich in einen kleinen Pflanzungsverein umgewandelt, in einen kleinen Pflanzungsverein, für den sich nur diejenigen interessieren werden, welche nicht mehr als kleinliche Ideen haben, aber allmählich wrerden wir versumpfen und verflachen, und dann wird der Moment da sein, wo das Wort Nordaus zur Wahrheit werden wird: Der Zionismus ist die letzte Anstrengung des jüdischen Volkes. Die zionistische Idee kann nicht sterben, aber die Zionisten können müde werden, für diese Idee zu kämpfen. Wir wollen nicht im Streite auseinandergehen, wir wollen uns vereinen. Aber eins müssen wir alle behalten, wir müssen behalten die Überzeugung, daß es'nur eine Art der Rettung für das Judentum