Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- Sep. 2 (15.8.1907)
- Date
- 1907-08-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Tiefe des jüdischen Volkes Keime großer Entwicklungen gelegt, die nach verschiedenen Richtungen umgestaltend wirken. Aber auch der programmäßige Zionismus zeigt ein Bild des Höhestands unserer Institutionen, der unbeugsamen Energie und der erhöhten Pflege des Ideals. Auf zweierlei müssen wir unser Augenmerk lenken: auf die Bewegung und auf die Organisation. Die Bewegung müssen wir ausdehnen, vertiefen und verstärken; für die Organisation müssen wir scharf umgrenzte Gesetze und Ordnungen haben. Für die Bewegungen brauchen wir die großen Extasen; für die Organisation, die sich aus der Bewegung heraus kristallisiert, ist eine vorsichtige Handhabung notwendig. Wir sind noch nicht an ein Stadium angelangt, bei dem wir schon durch die Kraft unseres Besitzes unser Ziel erreichen könnten. Dieser Besitz ist aus den lebendigen, pulsierenden Flutwellen der Bewegung entstanden, und was bedeutet dieser Besitz? Rings um unsere Organisation muß die Atmosphäre des großen, heißen Wollens herrschen. Wir haben den Glauben an die Lebenskraft unseres Volkes zurückgewonnen. Die Erfahrungen des Zionismus haben uns nicht Lügen gestraft. Es ist doch etwas geschaffen worden. Schaffen wir weiter. (Anhaltender lebhafter Beifall.) * * Das Wort erhielt hierauf Delegierter Kleerekoper (Amsterdam) zu einer Ansprache in holländischer und hebräischer Sprache. Er wendet sich an die holländischen Juden mit dem Appell, sie, die so zahlreich zum Kongreß geströmt seien, mögen bald in die Reihen der Zionisten treten. Hebräisch fortfahrend, spricht er den Wunsch aus, daß bald der Tag kommen möge, wo die holländischen Juden den alten Eid erneuern werden: Im eschkachech . . .! Stürmischer Beifall lohnte die formvollendete Rede. Sodann beginnt die Debatte über den Bericht des Zentralbureaus Dr. Nacht (Focsani) gibt Ergänzungen über den Zustand des rumänischen Zionismus. Sehr gefördert wurde der hebräische Unterricht. Die Sammlungen für unsere Fonds werden eifrig betrieben. Dr. Reich bittet, daß die Tagesordnung endlich bekannt gegeben werde. Der Bericht, den das Aktionskomitee vorgelegt, bilde wohl eine Abspiegelung des Lebens in der zionistischen Partei, aber keineswegs der Tätigkeit des Aktionskomitees. Vieles geschah ohne Zutun des Aktionskomitees. Redner wünscht das Wesen der Konferenzen mit den Regierungen kennen zu lernen. Das Aktionskomitee hat vieles unterlassen, was die Arbeit in Palästina hätte fördern können. Allerdings haben auch die zionistischen Massen nicht ihre Pflicht erfüllt, namentlich was die Arbeit in Palästina anbelangt. Es wird nur dann eine Besserung eintreten, wenn in der Palästinaarbeit regeres Leben herrschen wird. Dann wird auch das Interesse für Palästina wachsen. Doch dürfe die Arbeit keineswegs in eine kleinliche ausarten. Der Palästinaschekel müsse obligatorisch gemacht werden. Redner wendet sich gegen den den österreichischen Zionisten gemachten Vorwurf, daß sie durch die innerpolitische Betätigung von der wirklichen zionistischen Arbeit abgelenkt werden. Das sei nicht wahr. Gerade politische Betätigung sei der Weg, auf dem man die jüdischen Massen dem Zionismus zuführen könne. (Beifall.) Dr. Ehrenpreis: Es sind sehr viel neue Gesichter im Kongreß, da unsere Anhänger fluktuieren. Wir müssen mehr für die innere Erziehung der Zionisten tun. Die politische Betätigung hat zwar gute Erfolge gehabt, aber sie bedingt ein Erschlaffen der eigentlichen zionistischen Arbeit, da uns viele gute Kräfte entzogen werden. Die zweite Frage ist, ob der Preis die Arbeit lohnt. Wir schaffen uns nur neue Gegner. Versäumt wurde bisher jede Agitation unter den spaniolisch redenden Juden. Für diese existieren keine Broschüren, keine Zeitungen, keine Redner. Der Zionismus hat ein nationales Interesse an der Vereinigung der aschkenasischen und sephardischen Juden. (Beifall). Dr. Friedemann. Das A. C. hat sich zwar Mühe gegeben, aber es ist sehr wenig erreicht worden. Das kommt vor allem davon her, daß zwei Richtungen im A. C. sich immer entgegenarbeiteten. Jetzt haben wir uns alle auf eine mittlere Linie zurückgefunden. Es kann nicht nur politisch oder nur praktisch gearbeitet werden. Beides ist kein Gegensatz, Herzl war nie gegen praktische Arbeit in Palästina. Man muß arbeiten und dabei schweigen, aber bei uns hat man geredet und nicht gearbeitet. Es muß gesetzlich gearbeitet werden, vor allem mit den Menschen im Lande selbst. Diese Arbeit wird die politische Arbeit stärken und ihr eine Unterlage geben. Das A. C. kann nur arbeiten, wenn wir ihm Geld geben. Der Schekel muß vollständig abgeführt werden. Wir brauchen ein Budget und ferner eine politische dauernde Vertretung in Konstantinopel. (Beifall). Die Permanenzkommission schlägt eine Organisationskommissior von 21 Mitgliedern vor. Zur Geschäftsordnung sprechen Dr. Deiches, Dr. Nossig und Dr. Bodenheimer, auf deren Vorschlag dieser Kommission das Recht der Kooptation gewährt wird. Die vorgeschlagene Liste wird angenommen. Präsidium und Permanenzausschuß schlagen entsprechend aucl einen Palästina-Ausschuß für die Debatte vor. (Gr. A. C, Perm. A., Direkt, der Bank u. der A. P. C, des N. F., Palästina-Deleg. ev. noch Sachverständige). Dr. H. G. Heymann ist für eine kleinere Kommission (21 ode 42 Personen). Dr. Gaster, Rechtsanwalt Rosenbaum und Scheinkii sprechen für den Vorschlag des Präsidiums und des Permanenz ausschusses. Die Debatte über die zu wählende Palästinakommission endet* mit der Annahme eines modifizierten Antrages, wonach die Lands mannschaften an der zu wählenden Kommission nach dem altei Schlüssel der Wahl von Kommissionen teilnehmen. * Bei Schluß des Blattes erhalten wir folgenden telephonischei Bericht über die Donnerstagsvormittagssitzung: Es wird die Debatte über den Bericht des Zentralbureau fortgesetzt. Die Hauptredner sind: Dr. Alfred Nossig, Dr. D Pasmanik, Dr. Niemirower und Davis Trietsch. Dr, Nossig fordert die Wiedereröffnung einer zielbewußter politischen Tätigkeit für die Palästinaarbeit und die Arbeit in dt Diaspora, wofür er ein in Thesen gefaßtes Programm vorlegt. Dr. Pasmanik kritisiert den Mangel einer wirklichen, stei wahrnehmbaren Leitung. Das Fehlen der Mittel sei keine Eni schuldigung. Durch die national-politische Tätigkeit in der Diaspoi und die reale Arbeit in Palästina werde man die Mittel schaffen. Dr. Niemirower trat im Gegensatze dazu noch für die diplo matische und kulturelle Arbeit ein. Trietsch bemängelt die Nichtausführung der Beschlüsse dt: letzten Kongresses in Hinsicht auf den Sitz des Bureaus, die prak tische Arbeit in Palästina und Einbeziehung der Nachbarländer i unser Programm. Letzteres hätte die Itogründung überflüssig gt macht und einflußreiche Kreise uns zuführen können. Schluß der Sitzung 1 Uhr mittags. Nachmittags: Fortsetzun der Debatte. Weitere Wahlresultate Name Ort Wahlkreis Landsmafinsclu A. B. Kleerekooper Amsterdam P. Iloie Rumänien (anstatt des zurückgetretenen O. Marmorek) Goldbloom London Melbourne Australien Schelwitzky „ „ „ Dr. Ehrenpreis Sofia Kritschewsky, Dr. R. Paris St. Gallen Schweiz Dr. Leszynsky Berlin Halberstadt Deutschland Ersatzdelegierter Dr. Soskin „ Halberstadt Ersatzdelegierter Steiner, Wilh. Preßburg Preßburg Ungarn Dr. Soskin Berlin Südafrika Dr. H. G. Heymann „ Dr. Steinitz „ „ Dr. Mühsam G. C. Polak Mmiie Schach Paris „ Dr. Bernstein Elberfeld „ Freidenbaum London Luritz, Dr. N. Petersburg Rossieni „