Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- Sep. 2 (15.8.1907)
- Date
- 1907-08-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE KÖLN AM RHEIN UBIERRING 23 ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XI. JAHRG. Köln, 15. August 1907 p-nrfc nWtf b)b& "n Sep. 2. DER ACHTE KONGRESS Spezialbericht i. Vormittagssitzung (Fortsetzung) Das Wort erhält nach der Ansprache des Herrn A. de Pinto Ierr Dr. Tschlenow, der den Gruß der palästinensischen Brüder iem Kongresse entbot. Ansprache Dr. Tschlenows Geehrter Kongreß! Vor drei Wochen war ich in einem Orte, der fern von hier, (ber unsern Herzen nahe liegt: in Erez Israel, in Rischon le Zion. Jort habe ich eine Ehrenpflicht erfüllt, die mir auferlegt wurde, ind im Namen der Vertretung unserer Organisation des G. A. lie große Jubiläumsversammlung brüderlich begrüßt. Es war eine eigenartige Versammlung, die an die Nationalfeste ler alten Zeiten erinnerte: von allen Kolonien und Städten Judäas ind Vertreter in großen Scharen gekommen, um gemeinschaftlich las erste große Nationalfest zu feiern. Und eigentümlich war's, als abends alle vor dem Volksiause zusammentrafen. Auf jüdischem Boden, in einem jüdischen Milieu; dichte Reihen gesunder jüdischer Gesichter .und rund herum, on allen Seiten Jugend, junge Jugend — mit begeisterten Augen, Hekeln und blauweißen Fahnen in den Händen und durch Salven arer Begeisterung Ausdruck gebend. Und über all dem der blaue alästinensische Himmel mit seinem sanften, weichen, tief ins Herz indringendem Palästinamonde. Ich habe die Anwesenden begrüßt und sagte dabei: Ich gehe von hier zu einer andern Versammlung, die auch inen Kibbuz Golujjoth, eine Repräsentation der Juden aller Länder iarstellen wird, zum Kongreß nach Haag. Soll ich dort den rüderlichen Gruß erwidern? Ein Jubelruf hat mir diese Pflicht auferlegt, die ich jetzt erfülle. >eid begrüßt, Ihr alle, die Ihr hier in der Diaspora unserer Volksache dient, von denen, die unser Ideal in der Gegenwart verwirklichen. Ich habe übernommen, Ihnen noch Folgendes zu sagen: Unsere Bewegung hat sich drei Ziele gestellt, sie erstrebt: in Volk, ein Land, eine Sprache, die noch vor kurzem, von lanchen auch jetzt, für tot erklärt wurden, wieder aufzuleben, lede von diesen drei Aufgaben ist kolossal schwer/ und es ist ".icht zu verwundern, wenn im Herzen bei diesem oder jenem nanchmal Zweifel auftauchen, und man fragt sich: sind die Aufgaben lösbar? Entsprechen sie den menschlichen Kräften? Die verflossenen 25 Jahre waren eine Probe, die das Land, das Volk und die Sprache zu überstehen hatten. Und nun rufe ich allen Schwankenden und Zweifelnden zu: Geht ins Land, da werdet Ihr sehen, wie öde verlassene Strecken zu Paradies winkeln von unsern Brüdern umgewandelt wurden. Besuchen Sie die Schulen, gehen Sie in die Straßen von den Kolonien, wo die Kinder spielen. Da werdet ihr hören, wie unsere Muttersprache lebt und klingt. Besuchen Sie die Häuser, die Leute, dringen Sie ins öffentliche Leben hinein, und Sie werden fühlen, daß etwas Neues, nicht Dagewesenes, Eigenartiges entstehet: ein jüdisches Leben, jüdisches Denken und Fühlen. Geehrte Gesinnungsgenossen! Das Gebäude, das wir zum Wohle unseres Volkes errichten wollen, muß groß sein, und die Arbeit ist schwer. Aber die verflossenen 25 Jahre haben bewiesen, daß das Baumaterial stark und baufähig ist. Eins fehlt noch in genügendem Maße — der feste Volkswille. Ein Volk kann, wenn es will — sagte auf einem unserer Kongresse unser verstorbener unvergeßlicher Führer — die jüdische. Volksache hängt jetzt nur von einem ab — vom Willen des jüdischen Volkes. Und der wird kommen und muß kommen. Das ist die Aufgabe, der wir dienen. Geehrter Kongreß! Ich habe meine Ehrenpflicht erfüllt. Nochmals: Einen herzlichen brüderlichen Zionsgruß, euch? den Vertretern des jüdischen Volksideals von unsern Brüdern in Erez Israel Langanhaltender Beifall folgte der Rede Dr. Tschlenows. * * Das Wort erhält hierauf zu einer Ansprache Max Nordau. Stürmische Zurufe des ganzen Hauses begrüßen ihn und die Akklamation s'cigert sich zu einer begeisterten Ovation, da er auf der Rednertribüne erscheint. Ansprache Max Nordaus Nachdem Herr Dr. Max Nordau unter dem Beifalle der Versammlung Herrn A. A. de Pinto für die in seiner liebenswürdigen Ansprache geäußerten Gefühle in französischer Sprache gedankt hatte, setzte er in deutscher Rede, wie folgt, fort: Geehrter Kongreß! * Ein Jahrzehnt wird in wenigen Tagen vollendet sein, seit der erste Zionistenkongreß in Basel eröffnet worden ist. Unser unver-