Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 32 (9.8.1907)
- Date
- 1907-08-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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No. 32 DIE ELT worden, weil die Delegierten aus Polen an den Beratungen der allrussischen Konferenz, auf deren Tagesordnung sich diese Fragen schon befinden, teilnehmen werden. Über Ort und Zeit der Zusammenkunft werden; die Delegierten im Haag unterrichtet werden. Konferenz des hebräischen Sprachvereins „Ibriah" Vor dem Kongreß findet eine mehrtägige Konferenz dieses Vereins statt, an dem 40—50 Delegierte teilnehmen werden. Näheres wird im Haag bekannt gegeben werden. Nachtrag zur Delegiertenliste Seit dem 31. Juli sind noch folgende Wahlen gemeldet worden: Name Ort Wahlkreis Landsmannschaft Dessau, Prof. Beruh. Mailand Italien Qalinski, M. Berdiansk Lida (148) Rußland Name Itzkowitsch, M. Kanewski, M. Kleerckoper, S. Lurie, G. (in Rosenhek, Dr. S, Seidel, R. Weißenberg, S. Wolff, Dr. M. Ort Wahlkreis Landsmannschaft Bialystok Bjelsk (152) Rußland Elisawetgrad Elisawetgrad (151) Podol-Ilui Rumänien Pinsk Kowno (47) Rußland Nachwahl für Dr. Schmarjahu Lewin) Kolomea Südgalizien X Österreich Kokand Taschkent- Samarkand (153) Rußland Elisawetgrad Elisawetgrad (159) Haarlem III Holland (in Nachwahl für Dr. Hen) Wl. Temkin ist nachträglich auch noch in Elisabethgrad (149) Rußland gewählt. Zu berichtigen: A. Eljaschew statt Eljaweschew. Bei den Namen Syrkin.und Schabotinski muß es heißen: Landsmannschaft Rußland statt Österreich. Anstatt Franzis Berenstein muß es heißen: Dr. jur. S. Franzie-Berenstein. VOR DEM ACHTEN KONGRESS Es wird so oft gläubig nachgesprochen: Wir leben in einer Zeit, die den Zusammenschluß des jüdischen Volkes gebieterisch erheischt, und unsere Kongresse fördern diesen Zusammenschluß. Und doch, wie kleinbürgerlich und wichtigtuerisch ist solche Rede. Tatsächlich wäre die rein mechanische Gruppierung eine wertlose Spielerei, wenn ihr nicht ein Volkserwachen vorangegangen ist. Der romantische Schimmer, von dem die Kongresse umwoben sind, ist nicht imstande, einen dauernden Einfluß auszuüben. Wir dürfen uns nicht in Illusionen wiegen. Es soll des regen Geistes Bedürfnis bleiben, stets aufs neue auf die Schwächen hinzuweisen. Wir sind noch nicht das Volk; wir sind nur erst ein kleines Häuflein. Große Massen gehen noch immer sinnlos und gleichgültig an uns vorbei. Wir stehen vielleicht im Widerspruch mit dem schnurgeraden Denken der Alltagsmenschen, und nichts ist leichter, als durch Argumente des „common reason" unser Ideal zu zerpflücken. Ja, und solange wir selbst nicht innerlich jüdisch-volkstümlich geworden sind, ist unsere Einheit überhaupt ein Wahn: Organisationen sind etwas Schematisches, Zusammengefügtes, und der leiseste Windhauch zerstört den Blütenschmelz der ersten Begeisterung. Hüten wir uns davor, daß Vorurteile, die unter den Juden verschiedener Länder gegeneinander herrschen, bei uns wieder zur Geltung kommen. Gleichviel ob über „Russen" oder über „Westjuden" räsonniert wird, — es ist die Sprache und die Gesinnung der Assimilation. Ganz derselbe Geist ist es, der die Teile auseinanderreißt und überall eine Eigenbrödelei fördert. Man beschönigt es durch sogenannte „Ortsverhältnisse", im Grunde ist es dieselbe Werkstätte, die die großen Gemeinden in kleine teilt und die kleinen in Minjanim, die Werkstätte der Zerbröckelung, der Atomisierung — wiederum die Assimilation. Oder wenn alle Sprachen und alle Kulturformen der Welt zu eigen gemacht werden und nur das Hebräische, d. h., das einzig Nationale, entweder ganz zurückgedrängt oder im besten Falle parteiväterlich bevormundetwird — ist das nicht dieAssimilation, die auch in unserer Mitte ihr Unwesen treibt? Die früheren Kongresse hatten einen exotischen Reiz. Diese Periode ist jetzt vorüber. Harte Denkarbeit und mancherlei widrige Erfahrung hat uns gegen die dekorativen Eindrücke gehärtet und gestählt. Wir müssen jetzt gründlicher und tiefsinniger sein. In dem hastigen Treiben und Rauschen des Kongresses dürfen wir uns nicht wie satte und selbstzufriedene Menschen mit Erfolgen brüsten. Wir haben noch nicht die Massen hinter uns; wir sind nur eine Auslese von Pionieren, und als Pioniere müssen wir eifrige, überzeugte, durch und durch jüdisch-nationale Kampf- und Tatmenschen auf der heißen Arena des Lebens sein. Wenn unser Sinn kleinlich und unser Herz eng ist, wenn wir kein volkstümliches Innenleben in unserer Mitte entfalten können, wenn wir durch einen verdünnten, verwässerten Zionismus allen gerecht werden wollen, so können wir höchstens ein momentanes Zusammenhäufen, aber nicht einen dauernden Zusammenschluß bewirken. Die Zufriedenen sind keine Zionisten. Zionisten sind diejenigen, die ein nagendes Heimweh erfaßt hat, ein nationales Heimweh nach dem Lande der Väter und nach einem Sich-Ausleben. Vereinsmeierei ist kein Zusammenschluß. Zusammenschluß ist ein gewaltiges Erwachen der Selbstachtung, des Einheitsbewußtseins und des Zusammengehörigkeitsgefühls. Zionismus ist nicht ein kurzfristiges Unternehmen „pro ultimo"; er ist das Beschreiten der langen, aber sicheren Bahnen einer Wiedergeburt. Nur dann, wenn wir von diesem Gefühle durchdrungen sind, können wir darauf stolz sein, daß wir eine Organisation geschaffen haben und daß wir die Kühnheit hatten, die jüdische Solidarität durch Kongresse zu manifestieren. Auf dem Meere der Diaspora soll der Zionismus der Leuchtturm sein! Mögen auch die Reflexe in den Nebeln den Augen derjenigen, die durch die Wellen der Brandung umhergewirbelt werden, trüb scheinen, aber die Lichtflamme muß groß und rein sein. N. S. 2