Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 31 (2.8.1907)
- Date
- 1907-08-02
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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No. 31 DIE ELT 23 c ooooooooo NACHRICHTEN ooooooooo Die jüdische Sprache in Österreich Namens des Jüdischen Klubs hat der Abgeordnete Dr. Heinrich Gabel einen Gesetzesantrag überreicht, demzufolge jene Hofkanzlei- und Justizhofdekrete aufgehoben werden sollen, die der hebräischen und jüdischen Sprache die prozessuale Anerkennung und gesetzliche Gültigkeit versagen. Die Antragsteller weisen darauf hin, daß die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung im Osten des Reiches sich des Jüdischen als ihrer Umgangs- und Verkehrssprache bedient, und daß jene Dekrete das Verkehrsleben hemmen und das Prozeßverfahren zum Schaden der beteiligten Juden erschwert wird. Es ist höchste Zeit, daß jene Verordnungen, die aus den Jahren 1814 und 1846 stammen und mit dem judenfeindlichen Geist jener Zeit erfüllt sind, außer Kraft gesetzt werden. Der jetzige Zustand ist unhaltbar und rückständig. Die Ostjuden haben wie alle andern Bewohner Österreichs ein Recht auf ihre Sprache und deren gesetzliche Anerkennung. Deutsche Unternehmungen in Palästina" Die wirtschaftlichen Unternehmungen der Deutschen in Palästina sind, nach einem Bericht des deutschen Konsulats in Jaffa, in ruhiger und steter Entwicklung begriffen. Die „Frankf. Ztg." gibt aus dem Bericht folgendes wieder: Der Betrieb der Landwirtschaft in Sarona hat trotz mancher Schwierigkeit doch im Laufe der Jahre zu einem gewissen Wohlstand geführt. Zu dem Hauptbetrieb, der Weinbereitung, hat man sich in einer Genossenschaft, dem Weinbauvereiti, organisiert. Die deutschen Landwirte bei Jaffa gehen mehr und mehr zum Apfelsinenbau über, doch ist die Anlage einer solchen Kultur verhältnismäßig kostspielig, und die Erträge beginnen erst im 7. Jahr. — Die Deutschen in Palästina haben sich frühzeitig industrieller Tätigkeit zugewendet, und sich darin eine führende Stellung erworben. Sie begannen zunächst mit mechanisch betriebener Müllerei. Zurzeit befinden sich im Konsularbezirk acht Dampfmühlen in deutschen Händen. Außerdem werden von Deutschen eine mechanische Werkstatt und Eisengießerei betrieben, die sich schon so weit entwickelt hat, daß sie zurzeit 40 Arbeiter beschäftigt. Von ihr wurden auch, seitdem die Petroleummotoren in Palästina zu Bewrässerungszwecken Eingang gefunden haben, im ganzen 193 Motoren aus Deutschland eingeführt. Von den Hotels der Stadt Jaffa befindet sich ein gutes Haus in deutschen Händen. Gute deutsche Hotels befinden sich ferner in Jerusalem und in Ramleh, einfachere Gasthäuser außerdem in Jaffa, in Asdod und Wilhelma bei Lydda, ferner hat das Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie Hotels in Nabulus und Djemin eröffnet. Die Deutsche Palästinabank hat sich im Laufe der letzten Zeit gut entwickelt und konnte sogar eine Filiale in Haifa eröffnen. Eine deutsche und eine belgische Gesellschaft haben Studien für Straßenbahnen in Jaffa und Jerusalem gemacht. Die natürlichen Bedingungen lassen für Jaffa den elektrischen Betrieb am zweckmäßigsteh erscheinen, da der zwar kurze, aber nächst dem Jordan wasserreichste Fluß Palästinas, der Audsche, in einer Entfernung von noch nicht 10 Kilometern nördlich von der Stadt eine mehr als ausreichende Triebkraft abgibt. Derselbe Fluß würde auch in hervorragendem Maße geeignet sein, eine weite mit Apfelsinenbäumen zu bepflanzende Fläche zu bewässern. Der österreichische Ministerpräsident und der Jüdische Klub Ministerpräsident Frhr. v. Beck hatte in der vorigen Woche den Obmann des Jüdischen Klubs Abg. Dr. Strau eher zu sich geladen, um mit den Jüdischnationalen in Fühlung zu treten und sich über ihre Tendenzen zu orientieren. Im Ministerratszimrner des Parlaments fand daraufhin eine längere Besprechung statt. Dr. Straucher erörterte in ausführlicher Darstellung die Ziele und Wünsche des Jüdischen Klubs, der auf die Verwirklichung der vom Ministerpräsidenten verkündeten Politik der uneingeschränkten Rechtsgleichheit ohne Unterschied der Nationalität und des religiösen oder politischen Bekenntnisses das Hauptgewicht lege. Die Anerkennung staatsbürgerlicher Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit der Juden strebe der Klub in erster Linie an und müsse deshalb gegen Präterierungen und Zurücksetzungen jüdischer Petenten für Staatsbeamtenstellen aufs energischste auftreten. Die ehrliche Durchführung der bestehenden Gesetze und die tatsächliche Befolgung der vom Ministerpräsidenten verkündeten Regierungsgrundsätze nehme den Juden jeden Grund zu regierungsfeindlichem Verhalten. Über die Stellung der Jüdischnationalen zu den anderen nationalen Parteien und über die zionistische Bewegung ließ sich der Kabinetschef gleichfalls genau informieren. Dr. St rauch er wies darauf hin, daß die anderen Nationen die Juden zumeist politisch zurückgestoßen haben, so daß diese Entwicklung die Juden um so rascher veranlaßt habe, sich endlich auf ihr eigenes Volkstum zurückzuziehen. Würden in Galizien freie Wahlen stattfinden, dann würde sich die Regierung überzeugen, daß die Juden des Ostens nur Jüdischnationale zu ihren Abgeordneten wählen würden. Denn die Juden bleiben trotz aller politischen und nationalen Verkleidung Juden, auch wenn sie sich der Sprache des Volkes, in dessen Mitte sie leben, bedienen. Die Verdächtigungen der zionistischen Bewegungen wegen ihrer angeblichen Staatsfeindlichkeit sind Tendenzlügen und beruhen auf Unkenntnis des innersten Wesens dieser Bewegung. Die politische Partei der Zionisten ist gut österreichisch und staatstreu. Wenn die Juden von Land zu Land gejagt werden und nirgends eine Heimat finden, wenn das eine Land sie vertreibt, das andere sie nicht aufnimmt, so ist es natürlich, daß sie die Schaffung einer gesicherten Heimstätte anstreben. Die Judenverfolgungen in Rußland und Rumänien haben die Notwendigkeit der zionistischen Bestrebungen dargetan und hervorragende nichtjüdische Staatsmänner haben die Berechtigung und Zweckmäßigkeit des Zionismus anerkannt. Der Ministerpräsident betonte wiederholt, die Gleichberechtigung der Juden unbedingt anzuerkennen und erklärte, daß während seiner Regierung Verletzungen der den Juden gewährleisteten staatsbürgerlichen Gleichheit nicht vorkommen. Er selbst sei konservativ und gut christlich und deswegen allein könne er kein Feind der Juden sein. Frhr. v. Beck sprach vor Beendigung der Konferenz die Absicht aus, auch fernerhin mit den Jüdischnationalen in Kontakt bleiben zu wollen, damit er über die Wünsche und Beschwerden der Juden stets informiert sei. Naturalisation von Juden in England London, 30. Juli. Der Ministerpräsident empfing heute eine Abordnung einflußreicher Personen jüdischer Konfession, die ihn ersuchten, dahin zu wirken, daß die Kosten für die Naturalisation als britische Untertanen herabgesetzt würden. Campbell-Bannermann erwiderte, er wolle mit seinen Ministerkollegen darüber sprechen; doch dürfe man nicht erwarten, daß die Staatskasse durch die Prüfung von Gesuchen um Naturalisierung Schaden erleiden solle. Er persönlich würde es gern sehen, wenn die Tür zur Erlangung des britischen Bürgerrechts so weit wie möglich geöffnet werde. Studentisches Herzl-Denkmal in Moza Wir erhalten vom Denkmalkomitee folgende Zuschrift: Da die Sammlungen für das studentische Herzldenkmal demnächst abgeschlossen werden, ist es unbedingt nötig, daß die Einsendung der ausständigen Sammelbogen und der darauf gesammelten Beträge unverzüglich erfolge. Die wiederholten Urgenzen während des letzten Schuljahres haben nur teilweisen Erfolg gehabt. Es ergeht hiermit an die Besitzer von Sammelbogen die dringende Aufforderung, Eogen und Geld bis zum 15. Juli d. J. an die Adresse: Techn. Otto Krasny, Mähr.-Ostrau, abzuführen. Ausständig sind die Sammelbohen Nr. 1, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 14, 15, 17, 19, 20—31, 36, 37, 45. 51—73, 75, 78, 79,80,81,90 -97, 102—109, 112. Die Vereine, resp. Einzelpersonen, auf deren Namen die Bogen lauten, werden um sofortige Erledigung dieser letzten Urgenz dringendst ersucht. Es geht absolut nicht an, die Sache noch weiter zu verschleppen! Infolge der ausführlichen Berichterstattung tiler die Verhandlung, betr. Abänderung der Statuten der Jüdischen Kolonialbank mußten wir trotz Vergrößerung des Umfanges dieser Nummer zahlreiche Einsendungen zurückstellen. Die Redaktion.