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Die Welt · 1907-07-26 · 30 (26.7.1907) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
30 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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No. 30 ' ■ ............- DIE] Verschiedenes London. In einer großen Versammlung unter Vorsitz Sir Francis Montefiores hielt der Präsident der English Zionist Federation, Dr. Gaster, einen großangelegten Vortrag über Palästina, wo er kürzich weilte. Seine nach vielen Hinsichten interessanten Beobachtungen und Urteile werden wir durch Abdruck der Rede in nächster Kummer unsern Lesern vermitteln. Trauerfeiern für Theodor Herzl. Anläßlich der dritten vViederkehr von Theodor Herzls Todestag haben an so vielen Orten Trauerfeiern stattgefunden, daß wir außerstande sind, sie einzeln zu egistrieren. In ihrer Gesamtheit repräsentieren sie sich als großartige Kundgebung zionistischer Pietät, die mit den Jahren nicht itir nicht geschwächt, im Gegenteil, immer mehr vertieft und verdelt wurde. -:-7^^-^ NACHRICHTEN Jg^jS Die Zionisten und die Wahlen in Rußland Nachdem die Bemühungen der Zionisten, den „Verband für Vollierechtigung" zum Zwecke gemeinsamen Vorgehens aller Parteien vieder aktionsfähig zu machen, bisher erfolglos geblieben sind, hat las Zentralkomitee der russisch-zionistischen Organisation neuerdings iem Verbände ein Memorandum vorgelegt, worin es, im Interesse Jer Gemeinsamkeit die Fragen über die künftige Gestalt des Verandes zurückstellend, folgende Bedingungen aufstellt: 1. Gründung;fies Zentral-Wahlbureaus, dessen Beschlüsse nur bei Zustimmung liier vier Parteien verbindliche Kraft haben sollen. 2. Führung on Wahlverhandlungen durch das Bureau und zwar auch mit \Tichtjuden, die für sämtliche Parteien obligatorisch sind. Das Bureau stellt weder Kandidaten auf, noch bekämpft es sie. sorgt nur dafür, daß die Kandidaten entsprechend der etlichen Majorität der einzelnen Parteien gewählt werden. 4. Die rtlichen jüdischen Komitees sollen sich bemühen, Bedingungen u schaffen, die die bestmögliche Vertretung aller Strömungen .garantieren. 5. Bei Meinungsverschiedenheiten innerhalb der jüiischen Bevölkerung bezüglich der Kandidaten soll das örtliche \omitee ein für alle Teile verbindliches Plebiszit veranstalten. 6. \lle vier Organisationen sind verpfichtet, in keinem Falle eine 'ereinigung mit nichtjüdischen Elementen gegen einen Kandidaten ■ler jüdischen Mehrheit zuzulassen. Aus dem jüdischen Parteileben Rußlands Vor einigen Wochen fand eine Rayonskonferenz der Gruppen md Organisationen der „jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Poale-Zion Zentralrußlands" statt. Die Konferenz dauerte ■+ Tage und behandelte gründlich alle Punkte des Programms. Es wurden folgende theoretische Referate gehalten: 1. Die jüdische Sozialdemokratie und ihre Aufgaben; 2. Die Behandlung des territorialen Problems im Programme der Partei; 3. Die nationalen Forderungen des jüdischen Proletariats. Außer diesen Referaten, an die sich lebhafte Debatten schlössen, wurden Berichte über die Beziehungen der Partei zu verschiedenen sozialistischen Organisationen Rußlands, über die Beziehungen zur zentralen zionistischen Organisation und ihren Institutionen, über lie reale Arbeit in Palästina, über die politische Situation und die Professionellen Organisationen des jüdischen Proletariats verlesen nul zu allen ebengenannten Fragen Resolutionen angenommen. Die Konferenz wählte einen Vertreter für den achten Zionisten- Kongreß und beschloß, eine Konferenz des ganzen Rayons im Herbste d. J. zu veranstalten. Innerhalb der Partei werden energische Vorbereitungen zur bevorstehenden Parteikonferenz getroffen. Ausländern der Aufenthalt in Deutschland verboten Im schlesischen Regierungsbezirke Oppeln" besteht ein Erlaß des Regierungspräsidenten, rwonach Ausländern israelitischer Konfession der Aufenthalt in diesem Regierungsbezirk nicht gestattet ist. Der Erlaß steht nicht etwa bloß auf dem Papier, sondern er ist den nachgeordneten Behörden zur Durchführung besonders eingeschärft worden, und wird demgemäß von ihnen prompt gehandhabt. Er richtet sich naturgemäß in erster Linie gegen Österreicher, und der österreichisch-ungarische Konsul in Breslau hat sich schon seit Jahren mit Eingaben gegen diese staatsrechtlich unhaltbare Maßregel befassen müssen, ohne daß jedoch bisher eine Aufhebung erfolgt wäre.^' Erst jüngst hat der Erlaß wieder in einem ^, LT - 19 Falle Anwendung gefunden, der besonders geeignet ist, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Ungehörigkeit einer derartigen Verwaltungspraxis zu lenken. Bei der Vereinigten König- und Laurahütte-A.-G. hatte ein aus Mähren, also einem deutschen Kronland stammender Ingenieur israelitischen Bekenntnisses Anstellung gefunden. Er ist, wie eine an den österreichischen Minister des Äußern gerichtete Eingabe hervorhebt, weder in Österreich noch in Deutschland vorbestraft, politisch nicht tätig und auch dem preußischen Staat auf keine sonstige Weise lästig gefallen. Nichts desto weniger wurde ihm von der Polizei in Königshütte zunächst erklärt, daß ihm dort ein dauernder Aufenthalt nicht gestattet werden könne. Als er Einspruch erhob, bedeutete man ihm unter Bezugnahme auf den erwähnten Regierungspräsidialerlaß, wenn er nicht freiwillig gehe, so werde das Regierungspräsidium in Oppeln über Ausweisung entscheiden und dann dürfe er sich mit Sicherheit auf die Ausweisung aus dem ganzen preußischen Staatsgebiet gefaßt machen. Die Anrufung diplomatischer Intervention hiergegen hat nicht etwa die Aufhebung des Erlasses durch das preußische Ministerium, sondern nur einen Aufschub erwirkt. Nach der in Schlesien herrschenden Verwaltungspraxis ist nicht einmal durch Naturalisation die dauernde Aufenthaltserlaubnis zu erreichen. Man hat es also gerade mit einer Differenzierung der Ausländer nach antisemitischen Rezepten zu tun. Literarische Anzeige Die literarische Gesellschaft „Sinai" (Sitz in Berlin) beginnt mit der Herausgabe einer literarisch-wissenschaftlichen Quartalsschrift in hebräischer Sprache, jedes Heft in der Stärke von mindestens 15 Bogen Großoktav, unter dem Namen: -pnyn- Bis jetzt haben ihre Mitarbeiterschaft zugesagt: Bar Tobia (Pseudonym), M. J. Berdyczewski, S. Bernfeld, R. Brainin, Martin Buber, Hermann Cohen, A. Coralnik, Berthold Feiwel, S. Hurwitz, J. L. Katzenelson, Joseph Klausner, David Koigen, M. L. Lilienblum, H. Malter, Dawid Neumark u. a. m. Das erste Heft, das bereits gedruckt wird, enthält Beiträge von Bar Tobia, Berdyczewski, Bernfeld, Brainin, Hurvviiz, Klausner, Neumark usw. Das Heft erscheint demnächst. Der Preis eines jeden Heftes ist auf 3 Mark 1.50 R. festgesetzt, für den ganzen Jahrgang (vier Hefte) auf M. 10.— -= R. 5.— . Redaktionelle und sonstige Sendungen sind zu richten an S. Hurwitz für „Haatid", Berlin-Charlottenburg, Kurfürstendamm 51. Neue Rechtsbeschränkungen in Rußland Auf Initiative des Moskauer Generalgouverneurs Herschelnian wurde vom Minister des Innern die Frage über die Nichtzulassung der Juden an die höheren Lehranstalten der Stadt Moskau bis zur Zeit, wo der Prozentsatz der Juden an ihnen seine frühere Norm erreichen wird, zur Erörterung gebracht. Gleichzeitig wurde auch die Frage über die freien Zuhörer „gelöst". Darnach sollen alle freie Zuhörer jüdischen Glaubens, welche kein Wohnrecht besitzen, aus Moskau ausgewiesen werden. Zur Abänderung der Bankstatuten Vor Schluß der Redaktion erhalten wir die Mitteilung, daß die weitere Verhandlung vom englischen Gericht auf den 7. April 1908 verschoben worden ist. Ein genauer Bericht wird folgen. Personalnachrichten. Unser geschätzter Gesinnungsgenosse Dr. Emmo Loebl, Obmann der zionistischen Vereinigung Leipzig, hat sich mit Fräulein Lucy Chamizer verlobt. Oberst Alexander Ritter v. Eiß wurde zum Generalmajor ernannt. Briefkasten der Redaktion G. R. Wierzbowce: Brief abgeschickt. Mehrere Einsendungen zur Rubrik „Aus der Bewgung" mußten zurückgestellt werdin. Berichtigung. In dem Artikel Dr. Sandlers in der vorvorigen Nummer muß es Seite 5 oben statt „für riesige" heissen: „für winzige". Lucy Chamizer * Dr. Emmo Loebl empfehlen sich als Verlobte. Leipzig, im Juli 1907.

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