Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 27 (5.7.1907)
- Date
- 1907-07-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3316240-3316270--49472-3344411- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
- Wrocław 1× ep/1002369
OCR text
DIE ELT KÖLN AM RHEIN, UBIERRING 23 V/ ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XI. JAHRG. Köln, 5. Juli 1907 p-tirfc rbnn"« mr\ No. 27. Der achte Kongreß Die Kongreßbesucher werden dringend ersucht, diesmal der Frage der rechtzeitigen Besorgung von Wohnungen im Haag ihre ganz besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Das Kongreßbureau ist in der Lage, eine genügende Zahl von Wohnungen in verschiedenen Preislagen zu verschaffen. Aber angesichts der im Haag infolge der Friedenskonferenz herrschenden abnormen Verhältnisse ist dies dem Kongreßbureau nur für solche Gesuche möglich, die ihm bis spätestens zum 1. August mitgeteilt werden. Später einlaufende Gesuche können voraussichtlich nicht berücksichtigt werden und die betr. Gesinnungsgenossen laufen Gefahr, in diesem Falle entweder gar keine Wohnung oder nur solche zu überaus teuren Freisen zu erhalten. Es kann daher den Delegierten und allen Gesinnungsgenossen, die den Kongreß besuchen wollen, nur auf das Dringendste angeraten werden, ihre Gesuche wegen Beschaffung von Wohnungen sofort an das Kongreßbureau zu richten. Es wird ersucht, bei den Anmeldungen anzugeben: 1. Tag der Ankunft, 2. ob Hotel- oder Privatlogis erwünscht, 3. ob im Haag oder in Scheveningen, wieviele Zimmer man wünscht und für wieviele Personen, ob mit oder ohne Frühstück und welchen Preis man für ein Zimmer anzulegen wünscht, 4. voraussichtliche Dauer des Aufenthaltes. Die Gesuche sind mit dem Vermerk „Logis" an das „Bureau Zionistenkongreß(-, Heerengracht 13, Haag (Tel.-Adr, Zionism), zu richten. Mandatsbewerbungen Um Delegiertenmandate für den Kongreß bewerben sich weiter: Dr. Walter Friedemann, Frau Dr. Friedemann in Berlin, Derfflingerstr. 14, Eduard Pool, M. Silversmid, beide in Hengelo (Holland), David Person, H. Aronowitz und Rechtsanwalt Isidor Hen in Amsterdam, J. Stibbe in Groningen (Holland), Dr. Gustav Cahen, Arzt in Mannheim. Wahlresultate (D Delegierter, S Stellvertreter) Königsberg i. Preußen: Dr. Arthur Pelz-Berlin (D), Dr. Adolf Friedemann-Wiesbaden (S). Breslau: Hugo Schachtel-Breslau, Berthold Feiwel-Köln (D), Dr. Julius Becker-Bern (S). Frankfurt a. M.: Dr. Feuchtwanger, Jakob S. Posen, Fritz Sondheimer-Frankfurt (D), Jakob L. Goitein, Sally Geis, Dr. S. Schwarzschild-Frankfurt (S). Posen: Dr. Max Kollenscher-Posen, Simon Scherek-Posen (D), Moritz Krause-Posen, Heimann Bochner-Schönlanke (S). Kassa in Ungarn: Hermann Spielberger-Kassa (D), Samuel Rusznak - Kassa (S). Pavlowka und Jagarlik in Rußland: Chelemer, Odessa (D). Philadelphia: Dr. B. L. Gordon, Dr. A. Brav (D), Dr. Harry Friedenwald, Dr. Schmaryahu Lewin (S). Braila (Rumänien): Dr. H. Moscovitz-Braila, Heinrich Rosenbaum-Tg. Neamtz, Max Landau-Braila (D), S. Seeliginann, Dr. J. Hen-Amsterdam, Dr. L. S. Ornstein-Haaag (S). Hethars (Ungarn): Leon Barkany-Sebeskellemes (D),^Dr. Armin Bokor-Budapest (S). Herzls Todestag (io.Tamus 5667) Drei Jahre sind seit Theodor Herzls Tod verflossen. Doch wir haben noch lange nicht die richtige Distanz zu ihm gewonnen, von der aus der Blick frei, das Urteil unbefangen ist. Über Herzl ist viel gesprochen und geschrieben worden, — aber noch niemand hat uns den Menschen Herzl, seine Seele mit ihren Tiefen und Winkeln, seine Entwicklung vor Augen geführt. Ich will dies hier nicht unternehmen. Für mich war Herzl immer nur Idee, eine Verkörperung. Ich weiß, es war falsch. Man kann absolut nicht einen solchen Menschen mit einem feinen, künstlerischen Naturell, einen Menschen der Phantasie par excellence, als eine schematische Formel auffassen. Er war ja auch kein Denker, der Systeme baute und nur Ideen in die Welt schickte. Er war ja ein Mann des Lebens, der Tat. Und dennoch — war dieses, die Vereinfachung des Bildes, die Abstrahierung der Persönlichkeit die einzige Methode, um das Wesen, den letzten Qrund der Psyche dieses Mannes, die Erklärung seiner Persönlichkeit zu finden. In seiner größten Blüte habe ich ihn nicht gekannt. Als ich ihn zum ersten Mal sah — war er nur noch durch zwei Jahre vom Grabe getrennt. Es lag schon der Schatten des frühen Todes — früh nach jeder Richtung hin, — über ihm. Eine Müdigkeit schlich sich oft in seine Augen, zuckte manchmal als Blitz des Unmuts, der tiefen, kummervollen Sehnsucht hervor. Diese seltsamen dunklen Augen! Wen sie anschauten, fesselten sie. Es war eine, unbändige, unheimliche Angst in ihnen. Und wenn man noch so voll Trotz und Freiheit zu ihm kam, man war bald im Banne dieser großen, heiß flammenden Augen — die so ernst und weich dareinschauten, wie verträumt, in unsichtbare Fernen schauend und doch nur die eigene aus sich geborene Welt schauten. Es war nichts spezifisch-jüdisches in diesen Augen. Es spiegelte sich auch nicht in ihnen das Leiden der jüdischen Seele und nicht ihre heimliche Begeisterung, es war auch keine kalte, scharfe Klugheit, wie sie unsere „Großen" hatten. Aber es war etwas, das stärker wirkte, als alles andere — es war der Wille. Starr, unbeugsam, auf ein einziges Ziel konzentriert, war sein Wille. Und dadurch bezwang er 2