Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 25 (21.5.1907)
- Date
- 1907-05-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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DIEt&ELT No. 25 Wahlresultate. Kapstadt: S. Goldreich, Johannesburg; M. L. Genussow, Kimberley; Morris Alexander, Kapstadt; Aron Yecht, Buenos Aires; Frau D. Wolffsohn, Köln, und als Ersatzdelegierter L. Keßler, Johannesburg. Cincinnati: Dr. Max Margolis, z. Z. Halle. Bewerbungen um Delegiertenmandate Ein Mandat als Delegierter zum VIII. Kongreß anzunehmen erklärten sich weiter bereit: Herr Adolf Reichefithai, Nagyszombat, Ungarn; Rechtsanwalt Dr. Siegfried Schwarzschild, Frankfurt a/M., Vilbelerstr. 4/6; Referendar Dr. Weil, Köln; Siegfried Levy, Köln, Schildergasse 78—80 (letzterer ausdrücklich auf das Programm praktischer Arbeit für Palästina). Wiederholt machen wir darauf aufmerksam, daß gemäß dem Beschlüsse des A.C. die Wahlen zum Kongresse in der Art durchzuführen sind, daß die Wahrprotokolle und Schekelgelder spätestens vier Wochen vor dem Kongresse beim Zionistischen Zentralbureau iu Köln eingeliefert sein müssen. Die Wahlprotokolle sind gemäß der in der „Weit" Nr. 13 und „Ha'Olam" Nr. 14 abgedruckten Vorschrift aufzunehmen. Diese Wahlprotoköllformulare können von uns in Deutsch und Hebräisch in beliebiger Anzahl bezogen werden. Anfragen wegen der Beschaffung von Wohnungen im Haag, Vorbestellungen auf Kongreßkarten usw. usw. sind ausschließlich an das Bureau Zionistenkongreß, Heerengracht 13, Haag, Tel.-Adr. Zionism., zu richten. Bedeutung der österr. Reichsratswahlen für den Zionismus Von Dr. Elias Auerbach 1. Allgemeines. Was bedeuten für den Zionismus die österreichischen Reichsratswahlen von 1907? Zunächst ein Novum in der jüdischen Geschichte während der Zeit der Zerstreuung. Seit den Jahren der Exilarchen im Zweistromland, seit dem früheren Mittelalter haben niemals in einem Staatswesen die Juden als Nation ihre eigenen Vertreter gehabt. Nur hier und da wurden ihre religiösen Großwürdenträger bei feierlichen Anlässen zugezogen. Die Eintagsduma von 1905 und der österreichische Reichsrat von 1907 schließen sich würdig an die Konstituierung der Jüdischen Nation in Basel 1897 an. Es ist kein Zufall, daß die Männer, die jetzt in ihrer Eigenschaft als Juden gewählt wurden, Zionisten sind. Wer jüdische Interessen politisch vertreten will, muß Nationaljude sein. Aber wir haben ein Recht, diesen Ausfall der Wahlen als einen gewaltigen Erfolg des Zionismus und seiner Agitation zu bezeichnen. Wenn man bedenkt, daß die Juden eine kleine nationale Minderheit sind, und daß der Zionismus unter ihnen erst eine junge aufstrebende Richtung ist, so sind vier jüdisch-nationale Mandate alles, was sein kann. Aber über eines dürfen sic]i die zionistischen Abgeordneten im Reichsrat nicht täuschen: in dem Augenblick, wo die heißen Bemühungen der österreichischen Juden um nationale politische Vertretung von diesem schönen Erfolge gekrönt worden sind, hat die nationale Frage in Österreich ganz erheblich an Bedeutung eingebüßt. Natürlich besteht sie noch und wird bestehen, aber sie ist nicht mehr die Frage, die Hauptfrage des ganzen staatlichen Lebens. Neben sie treten ebenbürtig wirtschaftliche und kulturelle Fragen. Das allgemeine Wahlrecht hat sich als ein gewaltiger Faktor nationalen Ausgleichs erwiesen — wie vorauszusehen war. Das ist klar und bedarf keiner Erörterung. Unter andern Auspizien sind die jüdischen Abgeordneten gewählt worden, unter andern werden sie zu arbeiten haben. Unter welchen? 2. Taktik der Fraktion. Vier jüdisch-nationale Abgeordnete sind in den österreichischen Reichsrat eingezogen. Wir wissen bereits, daß sie eine eigene Gruppe bilden mit dem Namen „Juden". Nicht Zionisten. Hier handelt es sich nicht um Fragen des Zionismus, sondern des Judentums. Das Wort Jude soll wieder Eigenname zur Selbstbezeichnung werden, Eigenname und Kampfprogramm. Jude Jieißt jüdisch-national. Die jüdischen Abgeordneten werden auch die und grade die Juden zu vertreten haben, die sie nicht beauftragt haben. Sie sollen darnach streben, die Gesamtvertretung der österreichischen Juden zu werden, und müssen sich dessen bewußt bleiben, daß sie die Leiter der jüdischen öffentlichen Meinung sein müssen. Vier. Ein kleines Fähnlein. Die vier Juden werden tausend nichtjüdische Fragen mit zu beraten haben, und auch die jüdischen Fragen werden oft genug mit andern untrennbar verbunden sein. Wie werden die jüdischen Abgeordneten sich zu den andern Parteien zu stellen haben? Die Mehrheit des Reichsrats wird eine klerikal-reaktionäre sein. Somit ist ohne weiteres gegeben, daß die Juden zur oppositionellen Minderheit gehören werden. Für diese Notwendigkeit haben die Juden schon im Wahlkampfe Verständnis gezeigt, indem sie trotz lockender Kompromißvorschläge dem jüdischen, dem Zionismus nahestehenden Sozialisten Diamand gegen den reaktionären Polen (lies: Juden) zum Siege verhalfen. Innerhalb der Minderheit aber werden die Juden eine außerordentlich schwierige Stellung haben. Zur Minderheit gehören sämtliche deutschen Parteien. In allen Fragen des Antisemitismus — dessen Gebiet hier viel weiter reicht als in Deutschland -— bilden fast sämtliche deutschen Parteien mit der Mehrheit einen festen Block mit starker, unangreifbarer Majorität. Und eine freisinnige Partei, die in ähnlichem Sinne wie in Deutschland zur Judenpartei par exellence werden könnte, gibt es in Österreich eigentlich nicht. Die jüdischen Abgeordneten werden sich oft genug gegen judenfeindliche Angriffe zu verteidigen haben, aber es wird für sie weder nötig noch möglich sein, der kläglichen Methode der deutschen Juden zu folgen, sich in die nationale Brust des Angreifers zu werfen und ihn in „Gesinnungstüchtigkeit" zu übertrumpfen. Tschechen und Deutsche, Klerikale und Agrarpolen werden sie bekämpfen, und sie werden sich als Juden schlechthin zu wehren haben. Aus alledem folgt, daß das wichtigste Problem für die Taktik der jüdischen Fraktion ihre Stellung zur Sozialdemokratie ist, der mächtigsten Minderheitspartei und der stärksten Partei des Reichsrats überhaupt. Abgesehen von kleineren Splittern ist die sozialistische Partei die einzige, die vorläufig als zuverlässige Gegnerin jeder Beschränkung jüdischer Rechte gelten kann. Sie muß es sein, wenn sie ihren einfachsten Prinzipien treu bleibt. Kein Verständiger wird verlangen, daß die Juden sich der sozialistischen Partei restlos anschließen sollen. Neben den prinzipiellen Differenzen ist es schon die Tatsache der Wahl von Juden, die zeigt, daß es hier jüdische Fragen gibt, die von der Wirtschafts frage der Arbeiterklasse aus nicht gelöst werden. — Aber hier hai es keinen Wert, alle Differenzen hervorzusuchen, sondern es müssen, da die politische Notwendigkeit dazu drängt, die gemeinsamen Interessen der kleinen jüdischen Fraktion und der großen sozialistischen Partei betont werden. Was hier zu sagen ist, gilt nicht nur für die Zionisten, sondern für alle österreichischen Juden. Sie haben, anders als in Deutschland, hier, besonders in Galizien, starke proletarische Interessen zu vertreten. Sie haben mit dem Sozialismus