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Die Welt · 1907-06-14 · 24 (14.6.1907) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
24 (14.6.1907)
Date
1907-06-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 24 — die|qxelt - Die nationaljüdischen Abgeordneten Österreichs 15 Über die Persönlichkeiten der vier nationaljüdischen Abgeordneten im österreichischen Parlamente, deren Portraits wir hier bringen, schreibt unser neues Bruderblatt, die „JüdischeZeitung" in Wien: Abg. Dr. Benno St rauch er, Advokat in Czernowitz, geboren in Sadagora, studierte in Czernowitz und Wien, ist seit 1884 Kultusvorsteher der israelitischen Kultusgemeinde Czernowitz, seit 1904 deren Präsident, seit 1886 Gemeinderat von Czernowitz, seit 1900 Mitglied des Bukowinaer Landtages, seit 1904 Landesausschußbeisitzer, und gehört schon seit 1897 dem Parlamente an. Dr. Straucher hat in seinen offiziellen Stellungen das Einvernehmen der Juden mit den anderen Nationalitäten der Bukowina stets in hervorragender Weise gefördert, und auch das letzte Kompromiß bezüglich der Bürgermeisterwahl ist sein Werk. Im Parlamente hat er immer die Interessen seines Heimatlandes und dessen Bewohner wirksam vereten, sich stets aller Unterdrückten angenommen. Durch sein mannhaftes Bekenntnis zur jüdischnationalen Idee, sein Eintreten für die verfolgten russischen Juden sowie für die politischen Rechte m der Juden Österreichs und ihre Anerkennung als Nation, hat sich Dr. Straucher noch unvergessene Verdienste im verflossenenParlamente erworben. Dr.Straucher nahm hervorragenden Anteil an der Jüdischen Nationalpartei. In der zionistischen Organisation, der Dr. Straucher schon lange angehört, ist er in den letzten Jahren wiederholt aktiv hervorgetreten, indem er bei verschiedenen Parteikonferenzen als Vertreter les Distrikts Bukowina fungierte. Abg. Adolf Stand, Schriftsteller in Lemberg, reboren 1871 in Lemberg, studierte Jus und Philoophie und widmete sich dann ausschließlich dem iterarischen Beruf. Seit früher Jugend in der üdischnationalen Bewegung stehend, hat er den politischen Zionismus mitbegründen geholfen und schon auf dem ersten Kongreß eine hervorragende Rolle gespielt. Seither ist er .Jner der unermüdlichsten Vorkämpfer des Zionismus in Wort und Schrift, bedeutend als Redner, die populärste Persönlichkeit in der Adolf Stand Dr. Benno Straucher Dr. Heinrich Gabel jüdischen Bevölkerung Galiziens. Er gehört auch der Leitung der Jüdischen Nationalpartei an. Nach dem Tode Byks, knapp vor Auflösung des letzten Parlamentes, kandidierte Stand im Städtebezirke Brody gegen den Polenklubjuden Dr. Gold und erhielt trotz des Kurienwahlrechtes, welches der Schlachta die Handhabung ihrer berüchtigten Wahlpraktiken sehr leicht machte, 42° der abgegebenen Stimmen. Mit Adolf Stand tritt eine der markantesten Persönlichkeiten der nationaljüdischen Bewegung ins österreichische Parlament ein. Dr. Heinrich Gabel, Advokat in Lemberg, geboren 1872, gehört der zionistischen Organisation seit langer Zeit an, ist jedoch erst in der letzten Zeit öffentlich hervorgetreten. Gleichwohl errang er sich durch sein energisches und zielbewußtes Auftreten bald eine geachtete Position. Er erfreut sich auch bei der ruthenischen Bevölkerung großer Beliebheit, was ihm bei seiner Kandidatur sehr zu statten kam. Gleich nach seiner Wahl trat er energisch gegen die Praktiken der Schlachta auf. Abg. Dr. ArthurMahler, Privatdozent in Prag. 1872 in Prag geboren, studierte er anfangs Medizin, späterTechnik und ging dann nach London, um die englischen Industrieverhältnisse kennen zu lernen. Später studierte er Philosophie und erhielt einen Ruf als Professor an das amerikanische archäologische Institut in Rom. Auf Grund eines Buches über die Sammlungen des Louvre und einer Studie über Praxiteles habilitierte er sich 1902 an der Prager deutschen Universität als Privatdozent für Archäologie und Kunstgeschichte. Vor zirka sechs Jahren kam Dr. Mahler mit der zionistischen Ideenwelt in Berührung. Seither ist er in der zionistischen Partei rege tätig und besonders als Redner geschätzt. Er beteiligte sich auch an der Gründung der Jüdischen Nationalpartei, deren Leitung er angehört. Hoffen wir, daß die Begabung und Hingebung der vier Abgeordneten auch ihre entsprechende Wirkungsmöglichkeit finden wird! Dozent Dr. A. Mahler WIENER BRIEF Im Wiener Prater gibt es eine typisch-wienerische Spezialität: ogenannte „Watschenmänner", grinsende Holzschädel, die irgend in Kraftprotz, um die Stärke seiner Faust zu erproben, mit wohlezielten Schlägen traktiert — ein beliebtes Belustigungsobjekt. Jan entrichtet den Obolus und drischt zum Gaudium der Zuschauer *rauf los. „Es is" — wienerisch gesprochen — „a Hetz und kost icht viel". In der politischen Komödie, die sich in diesen Tagen i Österreich abwickelt und die Blockbildung auf deutscher Seite -im Gegenstande hat, ist den deutschen Juden die unrühmliche 'olle dieser Praterfiguren zugefallen. Unsere liberalen Juden, Jenen seit einem Jahrzehnt die Zionisten ins Gewissen reden, und -ie schon die mannigfachsten Brüskierungen, Enttäuschungen erfahren haben, mußten sich eine furchtbare Demütigung bieten issen zum Dank für ihre „deutsche" Opferwilligkeit und "reue. Eigentlich ist die Sache nicht neu. Ähnliche Vorgänge •^iben sich schon in den Jahren 1897 und 1901 abgespielt. Auch damals wurde in der deutschen Fortschrittspartei, die nur jüdischer Wahlhilfe in den Sudetenländern ihren Fortbestand verdankt, gegen jüdische Klubkollegen gemeutert. Aber so kraß ist die traurige Helotenstellung, die die deutschtümelnden. Juden innerhalb der deutschen Parteien und unter den Deutsch-Österreichern überhaupt innehaben, noch nie enthüllt worden. Die deutschliberale Presse hat Monate hindurch für die Bildung eines deutschfreiheitlichen Blocks Stimmung gemacht und schwelgte im Vorgefühl der gelungenen Überbrückung der Gegensätze, welche der Judenpunkt zwischen den deutschen Fraktionen schuf. Es war' so schön gewesen! Die liberalen Journalisten haben zu früh gejubelt, die jüdischen Assimilanten haben sich unerfüllbaren Hoffnungen hingegeben. Wenn schon der deutschfreiheitliche Block — als freiheitlich gilt in Österreich, wer antiklerikal schillert, mag er sonst der gehässigste Antisemit und verbohrteste Chauvinist sein — zustande kommt, dann werden die Juden, und speziell ihre Wiener

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