Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 23 (7.6.1907)
- Date
- 1907-06-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE HE LT KÖLN AM RHEIN, UBIERRING23^*^'ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XL JAHRG. KÖLN, 7. Juni 1907 )l*)V\h nWtf ]v>D "m No. 23. GELEITWORT Blätter dürfen Jubiläen feiern. Sie sind Kinder der Zeit. Aus der Fülle der Ereignisse in ihrem Vorüberhuschen das Einzelne herauszuholen und es ins volle Licht zu stellen, daß sich an ihm, gleich wie an einem Prisma, alle Strahlen brechen, und wieder die Einzelheiten aneinander zu reihen, daß der große Zug des Geschehens in seiner Breite und Tiefe sichtbar werde, das ist die Aufgabe dieser Messer und Wäger des Zeitlichen. Ein Jahrzehnt! Einen kurzen Blick nur nach rückwärts über dieses Jahrzehnt hinaus in die Vergangenheit, in unsere Vergangenheit — und vor der unbeschreiblichen Erhabenheit der Jahrtausende sinkt dieses Jahrzehnt zusammen zur Kleinheit eines Blocks in der Riesen-Pyramide. Allein die Lebenden haben recht. Und haben es um so mehr, wenn ihre Jahre nicht sind, wie die anderen waren, wenn sie ausgezeichnet sind vor den andern durch ein Neues, das nicht nur aus dem Safte des Gewesenen sich erhält, sondern junges Leben zeugt, Kraft und Geist aufspeichert für unabsehbare Zeitreihen des Zukünftigen. Ja, dieses Jahrzehnt — mögen ihm unvergleichlich größere und reichere folgen! — war für uns Juden kein kleines und unwichtiges. Noch nicht das Jahrzehnt unserer Renaissance, aber das Jahrzehnt der Geburt unseres Willens zum Leben. Eines Willens, der aus Sehnsucht und Zorn, aus Not und Liebe erwachsen, in jungem Ungestüm auf neuen Wegen dahinstürmte, um mächtig zu reifen und zu Sicherheit und Zielbewußtheit sich zu verdichten. Dieses schlichte Blatt, das für sein äußeres Gewand noch die Farben böser Tage des Knechttums wählte, war des neuen Lebenswillens erster Weiser. Der Meister, der ihm die Seele, seiner eigenen Seele ein Stück, eingehaucht hat, ist nicht mehr. Aber seine Schöpfung lebt und ist gewachsen und vielfältig geworden, so, daß unser Blatt nur ein Kleines mehr ist in der großen, weitverzweigten Werkstatt. Auch nicht ein Einzelnes auf seinem besonderen Gebiet ist es geblieben: In vielen Ländern und vielen Sprachen haben sich ihm Brtiderblätter zugesellt. Neidlos, ja voll Freude und Genugtuung blicken wir auf die Mitstreiter, die die „Welt" aus dem einzigen zionistischen zu einem unter vielen Blättern gemacht haben. Frohen Herzens dürfen wir sie heute grüßen: die „Jüdische Rundschau", den „Rasswjet", das „Jüdische Volk" den „Wschöd", die „Jewrejskaja Mysl", die „Zycie Zydowskie", die „Hatikwah", die „Idea Sionista", den „Jüdischen Arbeiter", die „Moriah" und „Unsere Hoffnung", den „Jüdischen Kämpfer" und den „Maccabaean", den „Sionista", den „Jud" und den „Joodschen Wächter", „Jewish Hope" und,,Haolam" und die anderen alle. Jedes von ihnen trägt etwas von der „Welt" in sich. Alle atmen den Geist, mit dem Theodor Herzl sein Blatt erfüllte, jenen neuen, reinen Geist, der aus dem Worte „Judenblatt" ein „Wort der Ehre" machte. Sie alle schaffen und tragen jetzt mit unserem Blatte zusammen die geistige zionistische Welt, die, wie sein Name sagt, einst Herzls Organ allein zu repräsentieren hatte. Welch schöne, reiche Frucht dieses Jahrzehntes! Wer könnte in wenig Worte zusammenfügen, was als geschichtliches Material in' den zehn Bänden der „Welt" aufgehäuft ist! Wir, die wir den Quell unserer jungjüdischen Bewegung hervorsprudeln sahen und mit liebenden Blicken unverwandt an ihm hingen, da er anschwoll zum starken Strome, sind auch nur für den Versuch eines solchen Werkes zu sehr befangen vom Miterleben, vom Subjektiven unserer Empfindungen. Alles Gefühlsmäßige, die Freuden und Hoffnungen, die Träume und Schmerzen dieser zehn Jahre, drängen sich 1