Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 17 (26.4.1907)
- Date
- 1907-04-26
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Amerika Die American Zionist Federation versendet folgendes Zirkular: „Der achte Zionistenkongreß wird im;Monat August stattfinden. Das Aktionskomitee hat bisher das genaue Datum und den Ort des Kongresses noch nicht fest bestimmt. Diese Bestimmung wird vielmehr auf der Sitzung des großen Aktionskomitees, die für den 5. iMai einberufen ist, getroffen werden. Unsere Federation erwartet einen telegrafischen Bescheid über die Beschlüsse der Sitzung bezüglich des Kongresses. Der achte Kongreß wird der erste wirkliche Palästinakongreß in unserer Bewegung sein. Alle Meinungsverschiedenheiten bezüglich der grundliegenden Prinzipien, die unsere Bewegung beherrschen, sind beigelegt worden. Die Arbeit für eine wirkliche Neuaufrichtung für und in Palästina hat begonnen. Der achte Kongreß wird daher von ganz besonderer Bedeutung sein, denn Palästina wird den Mittelpunkt seines Interesses bilden. (Hierauf folgt eine Aufforderung zur Wahl von Delegirten zum Kongreß). In diesem Zusammenhange wollen wir Ihre Aufmerksamkeit auf die Instruktionen lenken, die das Aktionskomitee bezüglich der Schekelsammlung erlassen hat. Alle Schekel, die nach dem 30. April eingehen, werden nicht mehr zur Wahl von Delegirten zum achten Kongreß berechtigen. Die Vereine werden daher ersucht, mit größter Beschleunigung die Schekelsammlung vorzunehmen, damit die amerikanische Landsmannschaft auf dem Kongresse stark und gut vertreten sei.u Rußland Das zionistische Komitee des südlichen Rayans, dem die Gotivernememts Cherson, Bessarabien, Podolien, Wolhynien und Taurien angehören, schreitet zur Organisation von Gouvernementskonferenzen nach den Direktiven des Zentralkomitees. Das Programm der Konferenzen ist folgendes: 1) Referat des Rayonsbureaus und Berichte der Delegierten über die zionistische Arbeit im Gouvernement 2) Organisation und Agitation, Stadtkomitees der Schekelzahler, ihre Arbeit: Vertretung der verschiedenen in den Komitees tätigen Gruppen uud Strömungen, Ausbildung von Agitatoren, Kreiskomitees und ihre Tätigkeit, Gründung von Rayonskomitees 3) Parteiliteratur und Mittel zu ihrer Verbreitung, literarischer Kommissionen 4) Finanzinstitutionen: Schekel und Organisationsbeiträge, Nationalfond, Selbstbesteuerung etc. 5) Reale Arbeit in Palästina, Palästinakomitee, Gründung von lokalen Kommissionen des Palästinakomitees, Ackerbauerverein, Pflanzung von Ölbäumen, Herzlhain, Bezalel, jüdisches Gymnasium in Jaffa und andere Kulturarbeiten in Palästina. Anträge. Wahlen. Österreich Die Wiener Zionisten können mit den bisherigen Erfolgen ihrer rührigen Wahlarbeit sehr zufrieden sein. Sie haben bisher 12 große Wählerversammlungen, in denen Dr. Schalit das Programm der jüdischen Nationalpartei entwickelte, abgehalten, und zwar mit bestem Erfolg. Von Beginn dieser Woche an fanden sogar zwei Versammlungen an einem Abend statt. Die Versammlungstätigkeit der Zionisten erregt im Bezirk großes Aufsehen und flößt auch unsern Gegnern, die uns bisher mit Vorliebe als quantite negligeable zu behandeln pflegten, Respekt ein. Der sozialdemokratische Kandidat warnte in einer Wählerversammlung „vor einer Unterschätzung der Zionisten". Herr Doktor Gustav Kohn wagt es nicht einmal, eine öffentliche Versammlung abzuhalten. Die Ofnerianer und Sozialdemokraten suchen sich der unbequemen zionistischen Redner durch brutale Vergewaltigung, die Herr Doktor Ofner durch gedungene Ordner besorgen läßt, zu entledigen. Der Wahlkampf zeigt uns, daß die energische Beteiligung an dieser Wahl den Zionisten eine intensive nationale Erziehungs- und Aufklärungsarbeit ermöglicht. Es sei ausdrücklich hervorgehoben: Alle organisierten Wiener Zionisten, Bürger, Studenten, Arbeiter, sind an der Arbeit und lassen sich durch keinerlei Angriffe und Skepsis im eigenen Lager stören. Am 30. April d. J. findet zugunsten des zionistischen Wahlfondes im Hotel Polonia (II. Rote Sterngasse) eine Vorstellung statt, bei der durch die derzeit in Wien gastierende polnische Gesellschaft der „Jeschiwa Boen er" zur Aufführung gelangt. Am 27. April veranstaltet die Wiener zionistische Studentenschaft eine Versammlung im Hotel Central (II. Taborstr. 8) mit der Tagesordnung:e Die Anerkennung der jüdischen Nationalität an den Hochschulen Österreichs. Deutschland Köln. Samstag hielt der Präsident des A. C, Herr David Wolffsohn, in einer von der zionistischen Ortsgruppe veranstalteten, überaus zahlreich besuchten Versammlung im Hotel Berlin einen Vortrag, in dem er die Erlebnisse und Eindrücke seiner jüngsten großen Reise in fesselnder Weise schilderte. Redner verweilte insbesondere längere Zeit bei den palästinensischen Reiseerlebnissen und weckte durch seine anschauliche und lebensvolle Vorführung von Land und Leuten in Palästina stürmischen Beifall. — Dem Vortrag folgte eine kurze Pause, nach deren Verlauf Herr Wolffsohn eine Reihe Anfragen beantwortete. — Das unmittelbare Ergebnis dieser wohlgelungenen Veranstaltung der hiesigen Ortsgruppe war die Gewinnung einer beträchtlichen Anzahl von Schekelzahlern sowie der Eingang einer größeren Summe für den Jüdischen Nationalfonds. Hamburg. Am 18. April fand die diesjährige Generalversammlung der zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Altona statt. An der Hand eines schon vorher den Mitgliedern zugegangenen Jahresberichts gab der Vorsitzende Herr Dr. Kalmus einen Überblick über die rührige Tätigkeit der Ortsgruppe im Verlaufe des verflossenen Jahres. Daran schloß sich eine lebhafte Debatte, in der manigfache Anregungen und Wünsche für die künftige zionistische Arbeit geäußert wurden. Es erfolgten darauf die Vorstandswahlen. Der frühere Vorstand, bestehend aus Dr. Kalmus als 1. Vorsitzenden, L. Estermann, Dr. Huldschiner, Dr. Besser, Dr. Halpern, Samuel Cohen und Frau Huldschiner, wurde mit großer Majorität wiedergewählt. Australien Sydney. Von der Ausbreitung, die die Bewegung für den jüdischen Nationalfonds auch in Australien erfährt, legt in erfreulicherweise Zeugnis ab eine ♦Sammlung, die jüngst auf schriftlichem Wege veranstaltet wurde und die die Summe von 300 Mark erbrachte: Unser rühriger Gesinnungsgenosse Herr Percy J. Marks in Sydney, der seine ganze Kraft für die Propagierung der zionistischen Idee einsetzt, erhielt bei dieser Gelegenheit folgenden Brief: „Obgleich ich nicht Mitglied der zionistischen Organisation bin, interessiere ich mich doch für jeden Versuch, der gemacht wird, die Leiden unserer unglücklichen Brüder zu mildern. Mit Freuden leiste ich deshalb einen Beitrag zu dem Fonds, für den Sie sammeln, und ich wünsche Ihren Bemühungen den besten erfolg." Vom jüdischen Schulwesen in Preußen Vom Ausschuß des Verbandes der Deutschen Juden erhalten wir folgende Zuschrift: Sehr geehrte Redaktion! Wie schon vor einiger Zeit mitgeteilt worden war, sind ganze Provinzen Preußens, auch solche, welche eine beträchtliche jüdische Bevölkerung zählen, ohne jüdische Oberlehrer. Zu diesen Provinzen gehören Westfalen und die Rheinprovinz. Bisher war es in der Rheinprovinz für einen jüdischen Lehramtskandidaten nicht einmal möglich, eine Anstalt zu finden, an der er sein Probejahr absolvieren konnte. Wir hören, daß jetzt am Realgymnasium in Köln dem Seminar auch ein jüdischer Lehramtskandidat überwiesen worden ist. Die erste Anweisung des preußischen Kultusministers zur Ausführung des Volksschuiunterhaltungsgesetzes ist im Aprilheft des Zentralblatts der Unterrichtsverwaltung erschienen. Sie behandelt unter VI auch das jüdische Schulwesen. Ein Abdruck der Bestimmungen folgt hierunter. Hiernach sind die jüdischen Schulverbände hinsichtlich der Ansammlung eines Baufonds, der staatlichen Beiträge und der Ergänzungszuschüsse des Staats allen übrigen öffentlichen Schulverbänden gleichgestellt. Der Verband der Deutschen Juden und der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, beide in Berlin, werden in Zweifelsfällen bereit sein, Anfragen der Beteiligten über die mit der Überleitung zusammenhängenden Verhältnisse zu beantworten. Für die jüdischen sowie für die jüdisch-christlichen Volksschulen bleiben die bisherigen Vorschriften maßgebend. Diese Schulen bleiben von der im § 1 statuierten Einführung des Gemeindeprinzips unberührt. Diezu ihrer Unterhaltung Verpflichteten gelten aber als Schulverbände im Sinne des Gesetzes (§ 40). Auf sie finden daher insbesondere auch die §§ 14 ff., 17, 18 ff. Anwendung. Bei der Aufstellung des Verteiiungsplanes durch die Kreisausschüsse (§ 23) sind sie zu berücksichtigen. Bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit der jüdischen Schulverbände sind die ihnen von den bürgerlichen Gemeinden nach $ 40 Abs. 1 des Gesetzes in Verbindung mit § 67 Nr. 3 des Gesetzes vom