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Die Welt · 1907-04-26 · 17 (26.4.1907) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
17 (26.4.1907)
Date
1907-04-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE ME LT KÖLN AM RHEIN, UBIERRING23\v«/ERSCHEINT 1EDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XL JAHRG. KÖLN, 26. April 1907 p-vir6 nW'** No. 17. HAAG Professor Martens' Brief in der „Times", der so reaktionär war, daß er auch das schwarze Rußland erröten machte und die Regierungskreise zu einem Dementi veranlaßte, beweist zur Genüge, wes Geistes Kind die bevorstehende Haager Friedenskonferenz sein wird. War doch Professor Martens der Apostel für die diesjährige Konferenz. Ein selbstzufriedener Theoretiker, ohne Verständnis für die gärenden Zeitfragen, -glatt, geschmeidig, repräsentativ, ohne Zusammenhang mit dem Leben, mit den Volksmassen, war Professor Martens der richtige Sendbote für die Friedenskonferenz, wie sie sich letzthin entwickelt hat. Es soll damit nicht gesagt sein, daß die Friedenskonferenz keine Bedeutung hat. Gewiß hat sie eine große Bedeutung — als Symptom, als Etappe, als Kundgebung. Sie mag auch praktisch eine gewisse Bedeutung haben: technisch — für die weitere Entwickelung der Genfer internationalen Kriegsgesetze, für die Beschränkung der Zulässigkeit verschiedener Mordwerkzeuge,wie Dum-Dum-Kugeln u. dgl., und rechtlich für die Ausgestaltung der Institutionen, die berufen sind, internationale Streitigkeiten ä la Venezuela oder Hull zu schlichten, sobald es die interessierten Regierungen wünschen. In diesem Rahmen bleibt die Haager Friedenskonferenz abgeschlossen. Weitergehenden Fragen, sogar wenn sie von Großmächten angeregt worden sind, ist ein Riegel vorgeschoben worden, Campbell- Bannermann — merkwürdigerweise steht er auch mit seinem: Vive-la-Duma-Rufe schnurstracks gegen Martens — ist mit seinem Abrüstungsplane nicht durchgedrungen. Die Idee war zu revolutionär. Und außerdem haben die Großmächte bekanntlich sich das Recht vorbehalten, bei Angelegenheiten, die ihren Interessen nicht entsprechen, sich überhaupt nicht zu beteiligen. Daß unter diesen Umständen von einer Einmischung in innere Angelegenheiten, von Fragen der Volksunterdrückung und dergl. gar keine Rede sein kann, —ist klar. Eine Friedenskonferenz, von großen Menschheitsideen getragen, würde an diese Probleme herantreten; bei einer solchen hätten wir vielleicht Aussichten, auch mit unserem Zionismus Anklang zu finden. Aber täuschen wir uns nicht: die bevorstehende Friedenskonferenz hat sich von den großen und allgemeinmenschlichen Fragen losgelöst. Sie wird nach einer gewissen Schablone programmäßig verlaufen, nach einer Schablone, die in allen Punkten von vornherein bestimmt und begrenzt worden ist. Für den Zionismus existieren zwei Ausgangspunkte: die Tradition und die Verfolgungen. Für uns ist der erstere vollständig hinreichend. Ein tausendjähriges Volksbestreben hat eine volle Berechtigung an sich. Aber für die Außenwelt kann nur das letztere Motiv überzeugende Kraft haben: die Verfolgungen. Und um dieses Motiv geltend zu machen, muß man die Judenfrage aufrollen d. h. die inneren Zustände der betreffenden Länder kritisieren. Keine Rhetorik und keine Diplomatie kann über diese selbstverständliche Notwendigkeit hinweghelfen. Und wenn wir uns nun die Frage stellen : Ist Aussicht vorhanden, daß die Friedenskonferenz die Judenfrage zulassen wird, — so müssen wir mit Nein antworten. Eine Friedenskonferenz, wie wir sie haben möchten, dürfte sich mit dieser furchtbarsten aller Menschheitsfragen befassen; aber diese Friedenskonferenz, verschanzt hinter technischen Formeln, durch die Machthaber überwacht, mit Loyalität (und Loyolität) gepanzert, gegen jede Überraschung geschützt, — ist nicht geeignet, die Judenfrage zu behandeln. Es fehlt hiermit die Vorbedingung für die Anregung der zionistischen Idee bei der Außenwelt. Die Tatsache ist traurig, aber als Politiker müssen wir uns die Tatsachen gegenwärtig halten. Die Politik ist die Kunst des Möglichen. Aber man muß die Möglichkeit abwarten. Die Judenfrage hat eine so welterschütternde Tragik, ihre Katastrophen und Verwickelungen — auch nach der internationalen Seite — mehren sich mit einer so fürchterlichen Raschheit, flaß sie zu einem Gegenstande internationaler Verhandlungen werden muß, — und da stehen wir mit unserer wahren und gerechten Forderung, organisierend und vorbereitend. Aber die bevorstehende Friedenskonferenz hat für uns keine Bedeutung. Sie hat auch für andere unterdrückte Völker keine Bedeutung. Man wird auch die Fragen anderer Verfolgungen nicht zulassen; denn man fürchtet, in ein Wespennest zu stechen. Vergessen wir nicht: auch

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