Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 16 (19.4.1907)
- Date
- 1907-04-19
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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18 Bl^aSKELT Mähr.-Ostrau. Am 29. v. M. fand im Saale des Hotel „Gambritttis" unter Vorsitz des Herrn Dr. Rudolf Glücklich eine von Bürgern und Studenten gleich zahlreich besuchte Versammlung statt, die sich mit der Frage der Anerkennung der jüdischen Nationalität an den österreichischen Hochschulen beschäftigte. Der Referent * Dr. Hugo Deutsch gedachte der Judenverfolgung" in Rumänien, und vertrat sodann in längerer Rede die Anschauung, daß die Juden nur als Nation aufzufassen sind. Sprache und Territorium seien nicht wesentliche Kriterien einer Nation. Nach diesen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen besprach der zweite Referent, Jurist Hermann Low, die Forderung der'jüdischen Studentenschaft nach Anerkennung ihrer Nationalität und verwies auf den Beschluß des akademischen Senates der Universität in Czernowitz, welcher dieser Forderung als einem elementaren Recht der jüdischen Studentenschaft Rechnung trägt. Im Namen des Exekutivkomitees der jüdischen Studentenschaft Österreichs beantragte er eine Resolution, in der in scharfer Form diesen Forderungen Ausdruck gegeben wird. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Redner Dr. Haas und Reiß erklärten, daß sie von ihrem sozialdemokratischen Standpunkte aus ntcrhts gegen die Anerkennung der jüdischen Nationalität hätten, sie seien nur gegen nationale Sonderinteressen in wirtschaftlichen Fragen. Es sprachen noch Dr. Emil Krasny und der Vizepräses der Kultusgemeinde Herr Friedländer, der die Bestrebungen der Studenten aufs wärmste begrüßte und versicherte, die Ostrauer Kultusgemeinde sei „gut jüdisch-national". Wien. Anläßlich einer im Restaurant und Hotel Guth, Wien II,. Stefaniestraße 14, abgehaltenen Wählerversammlung zugunsten des Kandidaten Ofner, forderte der Wirt Herr Guth die „bezahlten Ordner" dieser Versammlung auf, Zionisten nicht hineinzulassen, worauf eine große Anzahl von Zionisten insultiert und mit Brachialgewalt aus dem Saale entfernt wurde. Die Gesinnungsgenossen werden es demnach wohl vorziehen, — solange hierfür nicht entsprechende Genugtuung geleistet wird —, das erwähnte Lokal zu meiden. Die Organisation „Poale Zion", Wien. Dorna-Watra. Die diesjährige, am 2. April abgehaltene Generalversammlung des Vereines „Zion" nahm einen schönen Verlauf. Nach der Eröffnung der Versammlung durch den Vereinspräses Rabbiner David Fränkel erstattete Herr Jakob Schaffer den Rechenschaftsbericht. Die hierauf vorgenommene Wahl hatte nachstehendes Ergebnis: Rabbiner David Fränkel, Präses, Isidor Blum, Vizepräses, Elias Sommer, I. Sekretär, J. M. Krämer, II. Sekretär (für Hebräisch), Israel Weigel, Kassier, Jakob Schaff er, Bibliothekar und Zeitungsverweser, Adolf Katz, Ökonom. Die Herren S.Landskroner,A.Rosenwald und D. F1 e i s c h e r Ausschußmitglieder ohne Funktion. Zu Revisoren wurden die Herren J. Biber und S. Besner (Kaudreny) gewählt. Herr Rabbiner Fränkel hielt nun eine längere Rede, in der er an der Hand von Zitaten aus Bibel und Talmud auf die Erhabenheit des zionistischen Ideals hinwies und besonders durch die Schilderung des Lebenslaufs und der Wirksamkeit unseres verewigten Führers Dr. Herzl bei allen Anwesenden Begeisterung hervorrief. Die Wahlbewegung in Galizien No. /?= NACHRICHTEN :=^^=J Die Beschwerde gegen ausländische Repräsentanten zurückgewiesen Die famose Beschwerdeschrift des Herrn Albert Bier"), Mitglied des Repräsentantenkollegiums der Kölner Synagogengemeinde, gegen den Bescheid des Regierungspräsidenten der Rjieinprovinz in Angelegenheit der Wählbarkeit ausländischer Juden; zu Ehrenämtern in jüdischen Gemeinden ist zurückgewiesen worden. Die Antwort an den Beschwerdeführer lautet folgendermaßen^ Oberpräsident der Rheinprovinz. Coblenz, den 20. März i907. Nr. 6429. Ihre Beschwerde vom 9. Februar dieses Jahres gegen den Bescheid des Herrn Regierungs-Präsidenten dort vom 18.J;an. ds. Js., betreffend die Repräsentantenwahlen der Synagogengemeinde Cöln für die dritte Wählerklasse, vermag ich eine Folge nicht zu geben, da die angefochtene Entscheidung auf zutreffenden Erwägungen beruht. In Vertr.: gez. Wallraf. An Herrn Alb. Bier, Cöln.; > *) Vgl. Nr. 12, s. 4. .'i i In den als „jüdisch" geltenden Reichsrats-Wahlkreisen Galiziei s wogt bereits ein heftiger Kampf zwischen den verschiedenen Parteien und Gruppen. Die Agitation hat auf das lebhafteste eingesetzt un; jeder Tag bringt neueWählerversamrnlungen, Flugblätter und sonstige Kundgebungen. Besonders lebhaft geht es, wie der „Jüdische Arbeiter" (Krakau) berichtet, in Ostgalizien her.. Port stehen ei) ander in der „Judengasse" drei Gruppen gegenüber. Ein kleine Kreis von Gemeindegewältigen und reichen „Selbstherrschern" b treibt eine möglichst abgestandene polnische Politik; mit ihnen gehen Hand in Hand gewisse Chassidim und andere Leute, die e:rt i persönliches Interesse an der Förderung der politischen Interessen | des Polenklubs haben. Eine ziemlich unbedeutende Gruppe vin jüdischen Intellektuellen vertritt eine polnisch-fortschrittliche Polit k und bekämpft sowohl die mit der Kahalstube verbündete Schlacht als auch die jüdisch-nationale Strömung. Die Masse der jüdische Wähler jedoch steht auf Seiten der zionistischen und nationale Kandidaten und legt bewundernswerte Proben politischer Reife ui d | Festigkeit ab. Die nationale Strömung ist gegenwärtig ohne Zweite die stärkste in der Judengasse. Die Agitation für die nationalt Kandidaten wird in intensivster, aber auch korrektester Weise b> * trieben. Es fehlt nur noch, wie der „Jüdische Arbeiter" meint,; i einem geschlossenen politisch-demokratischen Programm. Mit Au nähme Dr. Nathan Birnbaums, dessen Komitee ein streng dem ■>■ kratisches Manifest herausgegeben hat, hat die nationaljüdisch Partei noch kein allgemein-politisches Programm verlautbart. Einzeli e i Kandidaten vertreten zwar bekanntermaßen radikal-demokratisd e I Prinzipien; andere Parteiführer haben jedoch gemäßigtere Anschauungen. Durch ein entschiedenes programmatisches Bekennte aber würde dem Wahlkampf der Charakter persönlicher Sympathie und Antipathien genommen, und er nähme mehr, die Form eine Prinzipien- und Interessenkampfes an. Das „Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Als neue Erscheinttn sei die rege Beteiligung der Zionistenpartei erwähnt, deren Kandidaten in einzelnen Wahlbezirken, wie zum Beispiel Brom und Kolomea, die jüdischen Kandidaten aus dem polnischnationalen | Lager (acht oder neun an Zahl) um so ernstlicher bedroru-n, als sie überall auf die Unterstützung der ruthenischen | Minoritäten unbedingt zählen können. Dagegen ist keir einzige Kandidatur unter antisemitischer Flagge angemekk worden, weder von den Polen noch von den Ruthenen. Zaleszczyki. Mittwoch, den 4. d. M. fand unter Vorsitz der | Herren: A.Gottfried, Gottlieb, J. Drimm er u. N. Weißmarn eine Monstreversammlung der jüd. Wählerschaft im großen Bei i- Hamidrasch statt. Nach einer kurzen Ansprache des Leiters unserer | Wahlbewegung und des jüd.-nat. Komitees Gg. Moses Horowit referierten die Herren Ing. Reich und Advokaturkand. Wathe berg aus Stanislau über die Notwendigkeit der jüd.-national Politik, und die Schädlichkeit der bisherigen Assimilationspoli; k | im Dienste der polnischen Stanczyken. Über Antrag des He; Moses Horowitz wurde nun folgende Resolution einstimmig am nomrnen:, „Die jüd. Wählerschaft''zu Zaleszczyki erklärt, nuri an der Kandidatur des Dr. Nathan Birnbaum (Mathias Acher) :ait | Grund des jüdischnational-demokratischen Programms festzuhalten, und dieselbe aufs wärmste zu unterstützen". Hier sieht man d>-m | Siege des Dr. Birnbaum zuversichtlich entgegen. Zaleszczyki hört zum 32. galiz. Wahlkreis, welcher noch die Städte Buczaa< \ Sniatyn, Tlumacz und Borszczöw umfaßt. Die Bevölkerung e Gesamtkreises beläuft sich auf ca. 50 ° o Juden, 30 °0 Rutheinl und 20 ° o Polen. Die Kandidatur des Dr. Birnbaum findet syei pathischen Anklang auch unter den Ruthenen; infolgedessen ist i erhoffen, daß die Ruthenen, statt eine Zähl kandidatur auf zustelle! schon im ersten Wahlgange für Dr. Birnbaum stimmen werden. Brody. Am 7. d. Mts. fand hier im Sitzungssaale der Kultigemeinde eine von dem jüdisch-nationalen. Wahlkomitee einberufe' Wählerversammlung statt. Als erster Redner sprach Dr. Pord* (Lemberg). In einem einstündigen Referate stellte er die bisherig Politik unserer sogenannten Vertreter im Polenklub dar. Der zwei' Redner war Herr Dr. H. Löwenherz (Lemberg). Dieser bespradas Verhältnis der Regierung zu den Juden, und wies auf die 0 fahr hin, welche uns Juden droht, wenn wir uns für fremdnatiomn Interessen mißbrauchen lassen. Wir müssen für uns selber sorivi und darum jüdische Abgeordnete wählen. Als Kandidaten propo nierte er Herrn Adolf Stand, der seit 20 Jahren im Dienste eV national-jüdischen Sache steht. Hiernach sprach der Redakteur cie „Czernowitzer Jüdischen Wochenblattes", Herr L. Taubes,; die Bedeutung des allgemeinen Wahlrechts für uns Juden würdig Nunmehr entspann sich eine Diskussion, an welcher Bürger v-.r schiedener Parteirichtungen Anteil nahmen.