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Die Welt · 1907-04-19 · 16 (19.4.1907) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
16 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Ein Jahr später erschien seine Schrift „Melekheth Haschir", enthaltend Auszüge aus verschiedenen hebräischen Handschriften über die Regeln der hebräischen Prosodik. 1868 erschien sein bekanntes Werk „La Geographie du Talmud", das von der französischen Akademie preisgekrönt wurde. Der Ruf, den er sich in der Gelehrtenwelt durch dieses Werk erwarb, veranlaßte seine Berufung nach Oxford im Jahre 1868, wo er mit der Katalogisierung der hebräischen Handschriften in der Bodleianischen Bibliothek betraut wurde. (Die gedruckten jüdischen Bücherschätze der Bodleiana hatte Steinschneider vorher in seinem monumentalen Werke katalogisiert.) Dieses gewaltige Unternehmen nahm seine Arbeitskraft 18 Jahre lang in Anspruch: Der erste Band des Katalogs erschien im Jahre- 1886. Den zweiten Band, zu dem gleichfalls Neubauer die Vorarbeiten gemacht hatte, konnte er jedoch nicht mehr vollenden; sein Mitarbeiter Mr. A. E. Cowley brachte das grandiose Werk zum Abschlu(3, dessen zweiter Band im Jahre 1906 herauskam. Fünf Jahre nach seiner Ankunft in Oxford wurde er zum Unterbibliothekar der Bodleiana ernannt. Er bekleidete dieses Amt bis zum Jahre 1900, wo er es wegen seines vorgerückten Alters niederlegte. 1875 gab er das arabische Original des hebräischen Wurzelwörterbuchs von Rabbi Jona (Abulwalid Merwan) Ibn-Ganach heraus. 1876 erschienen seine „Jewish Interpretations of the Fifty-third Chapter of Isaiah". 1878 edierte er den chaldäischen Text des Buches Tob it. 1879 lieferte er für Renans „Histoire Litteraire de La France" die Beiträge „Les Rabbins Francais du Conimencement du XIVnie Siecle" und „Les Ecrivains Juifs Francais du XIVnie Siecle". Neubauer gab ferner zwei Bände mittelalterlich-jüdischer Chroniken (Mediaeval Jewish Chronicles) heraus, schrieb über „Die Dialekte, die in Palästina zur Zeit Christi gesprochen wurden", „Über einige neuentdeckte jemenitische und nabatäische Inschriften", „Über die Autorschaft „und die Titel der Psalmen nach den alten jüdischen Autoritäten", „Über die Einführung der hebräischen Quadratschrift in biblischen Handschriften", „Bemerkungen zu den Rassentypen der Juden", „Katalog der hebräischen Handschriften am Jews' College" usw. Alle diese Werke sind in englischer Sprache geschrieben. Deutsch erschienen u. a. von ihm „Hebräische Berichte über die Judenverfolgung während der Kreuzzüge". Außerdem schrieb Neubauer zahlreiche Werke und Aufsätze in französischer, italienischer und hebräischer Sprache. Er war ständiger Mitarbeiter aller bedeutenderen jüdisch-wissenschaftlichen Zeitschriften. Ferner schrieb er über jüdisch-wissenschaftliche Themata in der „Times", dem„Athenaeum",der„Academy", dem „Guardian" und sonstigen englischen gelehrten Zeitschriften. Im Auftrage des britischenUnterrichtsministeriums unternahm er einigemale Reisen nach Spanien, Italien und Frankreich, um in den dortigen öffentlichen Bibliotheken wissenschaftliche Untersuchungen anzustellen. Im Jahre 1896 publizierte er ein Verzeichnis der jüdisch-arabischen Manuskripte derKaiserlichen Bibliothek inSt.Petersburg. Im Jahre 1884 wurde er zum Professor der rabbinischen Literatur an der Oxforder Universität ernannt. Er war Mitglied zahlreicher gelehrter Gesellschaften, Ehrendoktor der Heidelberger Universität usw. Das Leichenbegängnis fand Montag den 8. d. M. in London unter großer Beteiligung statt. Die Gleichberechtigungsfrage der Juden in Finnland Die finnländischen Juden werden in der hebräischen Tageszeitung „Has'man" aufgefordert,' dem in nächster Zeit zusammentretenden finnländischen Sejm eine Petition zu unterbreiten, in der sie ihre Vollberechtigung reklamieren sollen. Die genannte Zeitung weist darauf hin, daß das finnländische Parlament als das Muster einer modernen Volksvertretung gelten könne. Unter den 200 Delegierten gibt es 80 Sozialdemokraten, die im Verein mit der zahlreichen Partei der Jung-Finnen die überwiegende Mehrheit des Sejm bilden und ihm ein radikal-fortschrittliches Gepräge geben. Überhaupt kenne man in Finnland nicht die Traditionen vergangener Kulturepochen, die anderwärts so retardierend wirken. Das Prinzip der völligen Rechtsgleichheit findet auch'auf das weibliche Geschlecht Anwendung. Nur die Juden sind noch immer rechtlos. Die Oktoberrevolution, — führt „Has'man" weiter aus, — die so viel jüdisches Blut gekostet hat, brachte den Finnen den Sieg fast ohne jeden Kampf. Sie ernteten, was andere gesäet hatten. Das kaiserliche Oktobermanifest hatte es ihnen freigestellt, die Grundzüge ihrer Verfassung auszuarbeiten. Sie haben sich dann auch eine freiheitliche Konstitution gegeben und den Frauen gleiches Wahlrecht mit den Männern eingeräumt. Nur die Juden haben sie vergessen! Aber noch ist's Zeit. Wohl kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die Sozialdemokraten und die übrigen Fortschrittsparteien im finnischen Parlament für die Gleichberechtigung der Juden stimmen werden, wenn diese Frage aufs Tapet kommt. Es fragt sich aber, wann dies der Fall sein wird. Die Finnländer haben einstweilen andere Probleme zu lösen, die ihnen näher liegen und dringlicher erscheinen dürften, — und die Juden können warten. Dies ist nun einmal ihr Los. . . . Wollen die Juden sich aber damit nicht zufrieden geben, dann mögen sie selbbt die Initiative ergreifen und ihren Willen kundgeben, daß der finnische Sejm in seiner ersten Sitzung klipp und klar die Gleichberechtigung der Juden ausspreche. Ha'OIam Inhalt der Nr. 14 von „Ha'OIam": N. Sokolow: Die rumänische Not. — A. Ludvipol: Poale-Zion in Palästina (Schluß). — J. Kühn: Das neue Parlament in Österreich und die Juden. — Dr. S. A. Poznanski: Der palästinensische Talmud. — E. Lewin: Die böse Folge einer guten Tat. — A. J. Papirna: Aphorismen und Maximen. — M. B. Lasabnik: Der Abschied (Gedicht). H. ZIatopolski: Fragmente. — Dr. S. A. Poznanski: Zwei neue Bücher aus Ungarn. — N. S.: Federstriche. — N. S.: Die Schekeltage. — Der achte Kongreß. — Die zionistische Woche. — Nachrichten. o o o o o o o H C==_ ooooooojj AUS DER BEWEGUNG ({ O O O I =s\ =^> o o o o o o o The Anglo-Palestine Company, Limited Bekanntmachung Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die sechste ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Anglo-Palestine Company, Limited, am Dienstag den 7. Mai 1907 um 3 Uhr nachmittags in Cöln a. Rh. im oberen Saale des Hotel du Nord, Frankenplatz 4—6, mit folgender Tagesordnung stattfinden wird: 1. Entgegennahme des Berichtes des Direktoriums und der Bücherrevisoren und Rechnungsablegung; 2. Wahl von Direktoren und Bücherrevisoren; 3. Durchführung der gewöhnlichen Tagesordnung und Eventualia. Statutengemäß bleiben die Zessionsbücher und das Mitgliederregister der Gesellschaft vom 23. April bis 7. Mai 1907 (beide Tage inklusive) geschlossen. Brook House, Walbrook Im Auftrage des Direktoriums: London, E. C, den 9. April 1907. H. Neumann, Sekretär. Mitteilung der Palästinakommission An die Federationen! Dank der Agitation zugunsten des Herzlwaldes, die ganz besonders in Deutschland in letzter Zeit energisch entfaltet wurde, sind bisher für diese Stiftung bereits ca. 9000 JC eingegangen, es fehlt jedoch noch der Betrag von ungefähr 51000 ^, da der Herzlwald bekanntlich aus mindestens zehntausend Bäumen bestehen muß. Es würde sich daher empfehlen, die noch fehlenden ca. 51000 JC bis zum nächsten Kongreß aufzutreiben, damit die Pflanzungen noch im kommenden Winter auf dem in Aussicht genommenen Terrain angelegt werden können. Wir wollen hoffen, daß nach dem Vorbild der deutschen Zionisten nunmehr auch unsere Gesinnungsgenossen in den übrigen Ländern eifrig ans Werk gehen werden, um den Beschluß des siebten Kongresses, unserem toten Führer ein würdiges bleibendes Denkmal in Palästina zu errichten, bis zum achten Kongreß zu vollführen. Kommission zur Erforschung Palästinas: ■ O. Warburg. P. S. Sämtliche Parteiblätter werden um Abdruck vorliegenden Schreibens gebeten.

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