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Die Welt · 1907-04-19 · 16 (19.4.1907) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
16 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ZENTRÄLORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XI. JÄHRO. KÖLN, 19. April 1907 p-nnb nW« "n No.16. VON DER ZIONISTISCHEN POLITIK den folgenden Kongressen einen soliden ömndbau für die weitere Ausgestaltung zu liefern. Viele Kämpfe, Meinungsverschiedenheiten und Mißverstand- - nisse in Hinsicht auf das Politische haben ihren Ursprung daher genommen, daß bis zum Tode Theodor Herzls die Organisation selbst eigentlich fast gar nicht oder nur wenig an dem Entwurf und der Durchführung des politischen Systems beteiligt war. Plötzlich vor die Notwendigkeit gestellt, alles selbst durchdenken zu müssen, was sie vorher einem Kopfe anvertraut hatte, prallte sie an schwere Probleme und zersplitterte sich an der nur natürlichen Differenzierung der Meinungen, um erst allmählich und unter / Reibungen und Zuckungen zur Klärung und zur Möglichkeit einer Synthese zu gelangen. Das politische System Herzls darzulegen, ist wohl für die Kenner seiner Schriften und Kongreßreden — und das sind ja die meisten — überflüssig. Sein politisches Prinzip war die „Souveränität eines Stückes der Erdoberfläche" für die Juden, (und er entschied sich bald dafür, daß Palästina dieses Stück Erde sein sollte), sein taktisches Prinzip Verhandlungen mit den europäischen Mächten und die Zustimmung und rechtliche Garantierung der Souveränität durch die Hohe Pforte. Auf dem dritten Kongreß gab er dann eine Ergänzung, — prinzipiell: „Unsere Bemühungen sind darauf gerichtet, einer Charter von der türkischen Regierung zu erlangen" — und praktisch: „Es muß für diese Abmachungen ein eigener Kontrahent geschaffen werden, das ist die Jüdische Kolonialbank", die als Zwischenglied eintreten sollte, bis auf Grund des erlangten Charters die eigentliche Landgesellschaft geschaffen würde. * An der prinzipiellen Auffassung Herzls hält der politische Zionismus unerschütterlich fest, — das besagt schon der erste Satz des Baseler Programmes. Bezüglich der praktischen Durchführungen — bei Herzl einerseits diplomatische Verhandlungen, andererseits ein finanziell-politisches Instrument in unseren Händen (die Kolonialbank) — hat nun in den letzten Jahren eine Revision der Methode eingesetzt, deren Zusammenfassung zu einem System wir erwarten. Auf dieses System selbst möchte ich heute nicht eingehen, sondern mich zunächst zur Einleitung mit der bloßen Problemstellung begnügen. zi. Die erste Frage ist die rein diplomatische. Schon hier erhebt siiäi das erste — und ein sehr wichtiges — Problem: Ist es zweckdienlich, bezüglich Palästinas gleichzeitig Verhandlungen mit 1" . i Wenn nicht alles täuscht, wird der achte Kongreß besonderen V rt darauf legen; das politische Moment im Zionismus nachii. cklich zu bekräftigen. Und nicht nur das: Er wird auch bestrebt - i, ein scharfumrissenes und eindeutiges politisches System zu t< midieren. Wer die .Entwicklung der Organisation seit dem!•. .'ten Kongreß aufmerksam verfolgt hat, wird es ohne weiteres;i Erfindung oder Unterstellung zurückweisen müssen, daß irgend i1 e Neigung in der Organisation besteht, den politischen Grundd arakter der Bewegung abzuschwächen oder zu verwischen. Das -genteil ist vielmehr richtig: Man müht sich mit aller Kraft, i sicheres, tragfestes politisches System zu finden, und nur, wer in der Kritik des Hergebrachten allein die negative Seite, und; ht die entscheidende positive der Revision und Reform sieht, I in leichtsinnig genug sein, von einem Erschlaffen oder gar Vers iwinden des politischen Moments in unserer Bewegung zu >i echen. Und nur wer blind sein will gegenüber dem heißen! mühen, unsere Politik, und gerade sie, durch neue Grundlagen stärken und auszubauen, wer irgend eines der Mittel heraushebt, üe auf den politischen Endzweck zu verweisen, dem allein sie nstbar sein sollen, wird gegen grundaufrichtige und tiefernste strebungen mit billigen Schlagworten wie „Rückfall in Kleinionisation" oder „Philanthropie" und wie dergleichen Phrasen i -hr sind, operieren wollen. Eines ist allerdings gewiß: Die Aufstellung eines guten politischen > stems ist eine der schwierigsten Aufgaben, die wir zu lösen ' ')en. Und weil es sich vielfach um nicht Erprobtes, oft um -mporäres, augenblicklich Auszunützendes, manchmal direkt um ' Wagnis handeln kann, werden die Meinungsverschiedenheiten : ht aufhören, auch nach dem nächsten Kongreß nicht. Und immer 'd von irgend einer Seite irgend ein Mittel als besonders tauglich ' ' besonderer Wärme empfohlen werden, zu dessen Tauglichkeit dere weniger Zutrauen haben werden. Aber gerade das politische! ement in unserer Bewegung scheint mir ein solches zu sein, ) bei aller Zielsicherheit Starrheit am meisten vermieden wer- 1 ü muß. Es muß gelenk und geschmeidig sein, sich neuen mstellationen, die oft ganz außerhalb unserer Willens- und Machthäre liegen, anpassen können, und darum muß es stets für den Meinungsaustausch offen stehen. Heute nach zehn Jahren Zionismus scheint nun unser politisches Astern aus vielen Gründen reif zu sein für eine erste abschließende 1 ormulierung, und der nächste Kongreß kann sie schaffen, um so

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