Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 12 (22.3.1907)
- Date
- 1907-03-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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in den letzten Jahren beträchtlich gestiegenen Mietspreisen läßt sich leicht eine Verzinsung von 9 bis 12 °/o herauswirtschaften. In den jüdischen Kolonien sind die Gebäude der Administration meist recht städtisch oder villenartig gebaut Die Kolonistenhäuser sind mehr von dem verfügbaren Baumaterial abhängig und zeigen vielfach auch die Herkunft der Baligelder. Das heißt, daß die „Baron'schen" Kolonisten1) meist sehi viel bessere Häuser haben, als ein normaler Landwirt bauen würde. Das Baumaterial ist vielfach Stein, aber in europäischer Verbindung mit Holz und Eisenteilen etc. Wo Steine nicht nahe zu haben waren, wurde meist ein Fachwerk aus Holzlatten mit aus kleinen Steinen und Erde bestehender Füllung und weißem Verputz angewendet. Es gibt auch reine Holzbauten, die besonders im Beginn der Kolonisation öfters angewendet wurden, um die Kolonisten unter Dach und Fach zu bringen, wenn die reguläre Bauerlaubnis sich verzögerte. Solche Häuser wurden gelegentlich auch fix und fertig zum Aufstellen an Ort und Stelle gebracht. Einige dieser Uolzhäuber, die inzwischen besserer Unterkunft gewichen sind, dienen heute noch als Viehställe. Schließlich ist noch eine ganz primitive Wohnart zu verzeichnen, die man noch vor zwei Jahren in Moza. bei Jerusalem sehen konnte.!n dieser kleinen Kolonie wurden alte, gut erhaltene Grabhöhlen vohnlich gemacht, und zwar entweder durch eine vorgebaute „Hof"- nauer oder durch Holzanbauten. In Moza ist auch eine besonders :harakteristische jüdische Kolonistenwohnung zu sehen, die der erste iortige Ansiedler (Brose) sich vor zwölf Jahren gebaut hat. Es ist jine kegelförmig aus losen Steinen geschichtete (also ohne jeden Mörtel ,;gebaute") Hütte, auf deren kleines, flaches Dach, das zur Zeit der Fruchtreife als Beobachtungsposten diente, eine außen mit aufgeschichtete „Treppe" führte. ') Die von Baron Rothschild unterstützten. Das System des „trockenen" (d. h. ohne Mörtel aufgeführten) Baues dürfte so alt sein wie die seßhafte Kultur Palästinas, und bis heute werden vielfach noch „trockene" Mauern aufgeführt, um Grundstücke — auch in den Städten — abzugrenzen. Die arabische Landbevölkerung baut meist mit an der Sonne - getrockneten Erdziegeln. Die so hergestellten Hütten sehen meist recht jämmerlich aus und können, besonders an den Berghängen, oft nur bei ganz nahem Zusehen von natürlichen Hügeln unterschieden werden. Daß man aber aus Erdziegeln auch sehr nette und wohnliche Häuser bauen kann, die mit sauberem Verputz und ordentlichen Türen, Fenstern und Dächern für keinen Europäer zu schlecht sind, das kann trfan im nahen Zypern sehen, wo kaum anders gebaut wird, und wo selbst englische Beamte dieser billigen, aber durchaus guten und dem Klima entsprechenden Bauart2) den Vorzug geben. Solche Häuser kosten bei vier mittelgroßen Zimmern zirka 600 bis 800 Mark, während die Häuser in deq jüdischen Kolonien Palästinas oft viele Tausende Francs gekostet haben. Es ist klar, daß es für die Ansiedelung von selbständigen Landwirten mit bescheidenem Kapital von größter Wichtigkeit ist, ob der Hausbau größere oder "kleinere Kosten verursachen muß, und deshalb wurde hier diesem Kapitel etwas mehr Raum gewidmet.11) 2) Es wurde eingewendet, dal.) die zyprische Bauart in Palästina nicht praktikabel sei, weil das Erdreich nicht so fest und das Regenquanlnni größer sei. Das erstere Argument ist aber erwiesenermaßen unrichtig, und gegen den stärkeren Regen schützt besseres Dach und stärkerer Verputz an der Regenseite. Ein Marseiller Ziegeldach kostet per Quadratmeter etwa 1 bis 2 Francs mehr als das primitivste, also zirka 100 bis höchstens 200 Francs für ein Vier-Zimmer-Haus. iZimnier von zirka 20 qm Grundfläche.) 3) Auf einer zirka zwei Eni.) hohen steinernen Grundmauer werden die Wände — absolut ohne Holz - - aus Erdziegeln aufgeführt. Das Ganze wird dann mit einem etwas dünneren Erdbrei (als die Ziegelmasse) glattgestrichen und dann weiß verputzt. Der Fußboden besteht aus-, billigen Steinfliesen, das wenig schräge Dach aus über Matten festgewalzter Erde oder aus einfachen resp. auch aus Marseiller Dachziegeln. Bei ordentlicher Behandlung sind diese Häuser sehr dauerhaft. Sie halten im Sommer die Hitze und im Winter die Kälte besser ab als andere Wohnungen. Die jüdische Einwanderung nach Amerika im Jahre 1905|06 *) Von Dr. Bernhard Kahn (Berlin). Die jüdische Einwanderung nach Amerika betrug 153 748 Peronen, d. i. gegen das Vorjahr (129 910) eine Zunahme von 23 838. m Verhältnis zur Gesamteinwanderung, welche sich in diesem;ahre auf 1 100 735 beziffert, gegen 1 026 499 im Vorjahre, ist die üdische Einwanderung von 12,6 (,/o (1904,05) auf 13,97 % gestiegen. Unter den eingewanderten Rassen nehmen die Juden wie im orjahreden zweiten Platz ein. Nur die Süditaliener sind in größerer 'ahl (-240 528) eingewandert. Von den jüdischen Einwanderern kamen aus: Rußland....... 125 234 Rumänien.......3 872 )sterreich-Ungarn . . . 14 884 Deutschland......979 England....... 6 113 Aus anderen Ländern . .2 666 Die hauptsächlichsten Staaten Amerikas, die von den jüdischen ünwanderern aufgesucht wurden, sind folgende (zum Vergleich sind ahl und Prozentsatz der Gesamteinwanderung mit angegeben): Jüdische | Gesamt-' Einwanderung! Einwanderung 1 Personen Prozentsatz Per sonen Prozentsatz ew-Yörk (New-York) ...... | 95 261 61,95 374 703 34,04 ennsylvania (Philadelphia) . . .; 16 685 10,85 .198 681 18,05 lassachusetts (Boston) . . .- .; 9 052 5,88 73 863 6,70 linois (Chicago)....... 7 913 5,14 86 539 7,86 'ew-Jersey (Paterson, Jersey-City,1 Newark, Trenton)...... 5 132 3,33 58 415 5,30 >hio (Cincinnati, Cleveland) . . 3 441 2,23 47 397 4,30 3 173 2,06 9 993 0,90 onneettcut (New Häven, Hartford)1 2 699 1,75 27 942 2,53 *V Das aiiionkain.seho Fiskaljahr von l.'Juli bi> SO. Juni. Der Rest verteilt sich auf alle anderen Staaten. Die meisten jüdischen Einwanderer blieben in den Städten, die neben den Staaten in Parenthese angeführt sind. An Geldmittel brachten die jüdischen Einwanderer insgesamt 2 362 125 Dollars, das macht auf den Kopf 15,36 Dollar, während bei der Gesamtein Wanderung 22,8! Dollar auf den Kopf entfallen. Es befanden sich unter den jüdischen Einwanderern: --------........---------- - - -----------------------------------------: ... -------------- ----- •J üdis ICimvand che enuip; (lesanit- Ein\v:mderung > Z;ilil Prozentsatz Zahl Prozentsatz Männer........... 80 086 52,09 764 463 69,45 73 662 47,91 I 336 272 30,55 Kinder (unter 14 Jahren) . . . 43 620 28,36 : 136 273 1 2,38 Personen vom 14. bis 15. Jahre . 101 875 66,27 913 955 83,03 Personen von 45 Jahren und darüber 8 253 5,37 50 507 4,59 Analphabeten*)........ 29 736 27,00 269 823 27,97 (Personen über 14 Jahre, die \ nichtlesen und schreibenkönnen; die Prozentsätze sind im Verj hältnis zu der Gesamtzahl der! Personen über 14Jahre berechnet) j. Die Zahl der von der Landung Zurückgewiesenen ist verhältnismäßig nicht groß, sie betrug bei der Gesamteinwanderung 12 432 (1,13 °;u), bei den Juden 1523 (0,99 " o), darunter 46 wegen Wahnsinns und Blödsinns, 1 131 wegen Mittellosigkeit" und der Befürch- *) Dazu sind mich die gezählt, die zwar lesen, alter nicht schreiben können; ihit: Znlil ist gerin»-: