Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 11 (15.3.1907)
- Date
- 1907-03-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht verfügen. Das Terrain wurde nämlich seinerzeit zum Teil aus den Geldern des Komitees, zum Teil durch die Spenden der Herren Wissotzki und Weinstein erworben; eingetragen aber wurde es auf den Namen des Vorsitzenden der „Alliance Isra61ite Universelle" Herrn Leven aus Paris. Später (während der gemeinsamen Tätigkeit^der „Alliance" und des Komitees in der Jaffaer Schule) hat auch die Alliance 5000 Fr. für dieses Landstück ausgegeben, während das Komitee damals schon 41 000 Fr. darauf verausgabt hatte. Zurzeit nun betrachtet sich die Alliance als einen ebenbürtigen .Mitbesitzer dieses Terrains und verweigert dessen Übergabe an das Komitee selbst in dem Falle, daß man ihr die 5000 Fr. zurückerstatte. Um diese unbestimmte Situation ein für allemal zu beseitigen, hat das Komitee seinen Vorsitzenden Herrn M. M. Ussischkin nach Paris entsandt, damit er mit der „Alliance44 verhandle." Die Versammlung sprach sich in dem Sinne aus, daß das Komitee nurJ dann an die Errichtung eines Schulgebäudes herantreten solle, wenn es ihm gelingen wird, sich die vollständige Autonomie in Fragen der inneren Verwaltung zu sichern und die rechtliche Sanktion seines Besitzrechtes zu erhalten. Das Mitglied des E. A. C., Herr Jacobus Kann, weilt zurzeit in Palästina. Herr Kann hat die Einrichtungen der A. P. C. in Jaffa und Jerusalem eingehend geprüft und beabsichtigt, sich nach einem kurzen Abstecher nach Transjordanien demnächst zu dem gleichen Zwecke nach Beirut zu begeben. Wie uns berichtet wird, beabsichtigt der Präsident der English Zionist Federation, Herr Dr. Gast er, zur Pessachzeit Palästina zu besuchen. Herr S. Hepner aus Berlin, der insbesondere für die neuzu- ^ründende Palästina-Agrikultur-Gesellschaft Interesse hat, weilt zurzeit in Palästina, um sich mit den agrikulturellen und Marktverhältnissen des Landes vertraut zu machen. * * Eine Lodzer Firma, Richard, Zemach & Co., eröffnet in Palästina eine Wollwäscherei. Sie hat für diesen Zweck in Rischon- Le-Zion ein Gebäude gemietet und bestellte in der Fabrik von Stein in Jaffa die notwendigen Maschinen. Vom Palästina=Kollegium Jaffa. Die Frage des „Palästina-Kollegiums", von dem wir in ler vorletzten Nummer berichteten,, ist endgültig gelöst geworden, lerr Wolffsohn erklärte, daß das A. C. nicht die Sanktionierung für •in „Vereinigtes Palästinakollegium" als einen Teil der zionistischen Organisation geben könne, da an diesem Kollegium auch Vertreter inderer Organisationen Anteil nehmen sollen. Herr Wolffsohn war Jafür, daß das Kollegium ein unabhängiger Rat sein solle. Zugleich issignierte Herr Wolffsohn namens des A. C. die Hälfte des für inen Sekretär erforderlichen Gehaltes von 670 Frcs. jährlich unter ler Bedingung, daß die andere Hälfte vom Odessaer Palästina- Komitee bestritten werden wird. Hoffentlich wird die neue Institution bald zu funktionieren beginnen und von Nutzen für die Sache der realen Palästinaarbeit sein. Die Vorlage des Badischen Oberrats zurückgezogen Mannheim, den 8. März 1907. Der Versuch des Großh. Oberats der Israeliten, das bisherige direkte und geheime Wahlverfahren <ur Synode zu ändern, ist vorläufig abgeschlagen worden. In der Atzung der isr. Gemeindevertretung in Mannheim vom 5. März nahm mser Gesinnungsgenosse Dr. Moses Gelegenheit, die Vorlage des )berrats an-die Synode einer strengen Kritik zu unterziehen, das-Reaktionäre 'der beabsichtigten Maßregeln zu beleuchten und die Gemeindevertretung . der größten jüdischen Gemeinde Badens zu Einern Proteste gegen die Vorlage aufzufordern. Die Ausführungen ies Gemeindevertreters Dr. Moses fanden allseitige Zustimmung; iw zwei Synagogenräte, die gleichzeitig Mitglieder des Oberrates ind, versuchten eine schwache Rechtfertigung der Wahlvorlage. )ie Mitglieder der Gemeindevertretung stellten sich einmütig auf üe Seite des Herrn Dr. Moses und es wurde beschlossen, noch vor der Synodaitagung eine eigene Sitzung der Gemeindevertretung einzuberufen, um Protest gegen die Wahlvorlage einzulegen. Schon zwei Tage nach dieser Sitzung, am 2. März, lud der Vorsitzende des Oberrats, Herr Geheimrat Dr. Mayer (Karlsruhe), die Mitglieder des Synagogenrats und des Vorstands der Gemeindevertretung zu einer Konferenz ein, wobei Herr Dr. Mayer die oberrätliche Vorlage zu verteidigen suchte, aber auf den energischsten Widerstand bei den anwesenden Vertretern der Mannheimer Judenschaft stieß. Schon am 8. März früh lief bei einem Teilnehmer dieser Konferenz die Mitteilung von Herrn Dr. Mayer ein, daß der Oberrat die Vorlage vorläufig zurückziehe und nicht vor die außerordentliche Synode vom 18. März bringen werde. Es wird wohl vom Ausfall der Neuwahlen zur nächsten Synode abhängen, ob diese famose Vorlage überhaupt wieder ihre Auferstehung feiert. Pogromschrecken Rostow a. Don. Der „Verband des russischen Volkes" verbreitet in der Stadt Proklamationen, in denen die Bevölkerung aufgefordert wird, die Juden und die Revolutionäre zu schlagen. Unter der jüdischen Bevölkerung der Stadt herrscht große Panik. Kischinew. Im „Druch", dem Zeitungsorgan Kruschewans, wurde ein von ihm herrührendes Telegramm veröffentlicht, daß 25 Bauerndeputierte sich der Linken angeschlossen haben, um gemeinsam mit dieser die Idee der Gleichberechtigung der Juden zu verfechten. Kruschewan wendet sich nun an alle Abteilungen des „Verbandes des russischen Volkes" mit der Forderung, die An-' nullierung der Wahl dieser Deputierten herbeizuführen. Woronesch. In den letzten Tagen zirkulieren in der Stadt Gerüchte über einen bevorstehenden Pogrom. Es ist aus zuverlässiger Quelle bekannt geworden, daß ein Pogrom tatsächlich vorbereitet war. Der „Verband des russischen Volkes" sandte an die Polizei eine Einladung, in der diese ersucht wird, sich dein Verbände anzuschließen. Hornel. Der Premierminister hat von hier folgendes Telegramm erhalten: „Der Homeler Pogrom am 25. Januar 1906, der von einer schrecklichen Feuersbrunst, die die Hälfte der Stadt zerstört und das ganze Gut der Juden verschlungen hat, begleitet war, hat deswegen so schreckliche Dimensionen angenommen, weil die damals in Hornel lagernden Kubankosaken sich den Juden gegenüber höchst feindlich verhalten haben. Nicht ohne Angst und Grauen erwarten wir jetzt die Rückkehr dieser Kosaken und ersuchen Eure Durchlaucht, diese Verordnung abzuändern und die jetzt hier, lagernden Doner Kosaken in der Stadt zu lassen." In Goloskow, Gouv. Podolien, wäre es vor kurzem fast zu einem Pogrom gekommen. Wie nämlich russische Blätter melden, drang .daselbst zur Meßzeit eine Hooligans-Rotte in einen jüdischen Laden ein, mißhandelte den Inhaber und seine Angehörigen und versuchte, den Laden in Brand zu stecken. Unter der jüdischen Bevölkerung des Städtchens entstand eine große Panik. Viele rafften ihre Habseligkeiten zusammen und rüsteten sich zur Flucht. Zum Glücke stellte sich den Hooligans eine Gruppe junger Bauern entgegen und verhinderte sie an weiteren Gewalttätigkeiten gegen die Juden. Ein Polizist war während des ganzen Rummels am Tatorte nicht zu sehen. Die Duma und die Judenfrage Berlin, 12. März. Aus Petersburg berichtet der Korrespondent der „Vossischen Zeitung": „Von einer hochstehenden, über die Vorgänge und Strömungen in den Regierungskreisen wohlunterrichteten Persönlichkeit höre ich, daß die Regierung beschlossen hat, die Reichsduma nach Ablauf von etwa zehn Tagen aufzulösen, Als Anlaß sollen Erörterungen dienen, die die Reaktionäre über die Judenfrage provozieren werden. Eine indirekte Bestätigung dieser Nachricht bildet ein soeben ergangenes Geheimrundschreiben an die zuständigen Behörden, worin ihnen mitgeteilt wird, daß außerordentliche Ereignisse vielleicht dte teilweise Mobilisierung der Armee erforderlich machen werden." Kruschewans Drohung Petersburg, 12. März. Die Kampforganisation des hiesigen Verbandes des iußischen Volkes" hat angeblich beschlossen, falls die Wahl Kruschewans und seiner Genossen kassiert werden sollte, sich an dem Dumapräsidium zu rächen: Kruschewan richtete an sein Kischinewer Blatt ,,Drug" ein Telegramm, in dem er die ganze Duma und ihr Präsidium in allergröbster Weise beschimpft. -— Verschiedenes Der Vorsitzende der südafrikanischen Federation, Herr Samuel Gold reich aus Johannesburg, weilt zur Zeit in London. Herr Goldreich wird die Gelegenheit seiner Anwesenheit in Europa benutzen, um mit den europäischen Führern der zionistischen Bewegung Rücksprache zu nehmen. Voraussichtlich wird er in nächster Zeit auch die Zentrale in Köln besuchen. Personalnachricht. Unser Gesinnungsgenosse, Herr Simon Lamm in Stary-Sambor, hat sich mit Fräulein Nelli Engelard verlobt. Briefkasten der Redaktion P. K. Bei der Union-Bank in Wien Nro. 1,2.