Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 8 (22.2.1907)
- Date
- 1907-02-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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IC DIE^E LT No. 8 Nation betrachtet zu werden. Neuerdings hat sich der Ruf nach praktischer Arbeil in Palästina erhoben. Wir wollen in allen Dingen praktische Arbeit tun, aber im Sinne des politischen Zionismus, nicht in dem eines kleinlichen und veralteten Chowewe-Zionismus. Es ist und kann nicht unsere Aufgabe sein, dahin zu wirken, daß einige wenige planlose Ackerbausiedlungen in Palästina entstehen. Unsere Bemühungen in Palästina müssen ausschließlich darauf gerichtet sein, das Land für größere Aufgaben vorzubereiten. Von der Federation of American Zionists war folgender Brief eingelaufen: Das Exekutiv-Komitee der Federation of American Zionists gestattet sich der Jahreskonferenz der English Zionist Federation für ihre Beratungen den besten Erfolg zu wünschen. Die amerikanischen Zionisten verfolgen mit Interesse die Entwicklung des Zionismus in England und in den anderen Ländern. Wir, die wir vom Mittelpunkte der Bewegung we;ter entfernt sind, müssen natürlich hauptsächlich auf die Anregungen achten, die wir von Europa bekommen. Mit großer Genugtuung haben wir die Ausbreitung des jüdischen Nationalgedankens durch Europa bemerkt, und wenn diese Bewegung auch noch nicht überall die Form des Zionismus angenommen hat, so fühlen wir doch, daß eine jüdischnationale Bewegung früher oder später unbedingt sich auf den zionistischen Standpunkt stellen muß. Aus unserem Lande können wir von einem großen Fortschritte in der Ausbreitung der zionistischen Idee berichten. Wir haben eine Stufe erreicht, daß es notwendig für uns geworden ist, uns nach bezahlten Kräften umzusehen. Wir glauben, daß die englische Federation und die amerikanische in vielen Dingen zusammengehen können, so zum Beispiel bei der Drucklegung und Verbreitung zionistischer Literatur. Wenn die zionistische Bewegung hier und da neue Wege einschlägt, so sind wir überzeugt, daß das nicht willkürlich geschieht, sondern daß diese Entwicklung bestimmt ist von dem währen Leben unseres Volkes. Möge Ihre Konferenz das ihre zu der Wiederaufrichtung unseres Volkes beitragen. Die Federation of Zionist Societies ofCanada schrieb folgenden Brief: Eine der bedeutsamsten Taten des Zionismus ist die gewesen; daß er Juden aus den weitentlegensten Ländern der Erde zusammengebracht hat und sie dazu veranlaßte, sich mit einander zu beschäftigen und zu arbeiten in Gemeinsamkeit für ein einheitliches und edles erhabenes Ziel. Bevor der Zionismus auftrat, waren wir eine Menge zerstreuter Einheiten, die einer dem andern fremd dahin lebten, aber der Zionismus hat uns belogen, die Bekanntschaft unserer Brüder jenseits des Meeres zu suchen und so kam es, daß wir Zionisten von Canada, als wir erfuhren, daß ihr englischen Zionisten zu einer Konferenz zusammentratet, das lebhafteste Interesse an eurem Werke nehmen und euch unsere herzlichsten und aufrichtigsten Wünsche senden .... Nicht dadurch, daß wir unsere Brüder in Rußland umkommen lassen, noch dadurch, daß wir sie in ein Land bringen, wo sie eine schwache Minorität bilden und infolgedessen sich unjüdischen Gedankenrichtungen und Gewohnheiten assimilieren und unter einer Flut von unjüdischen Einwirkungen ersticken müssen, können wir etwas Gutes für die Juden erreichen. Wir können die Frage nur dadurch lösen, daß wir die Juden in so großer Anzahl nach Palästina bringen, daß sie einmal in diesem Land als in ihrem eigenen dominieren werden. Das Land muß sein und wird sein das Land unserer Vorfahren! Schon jetzt können wir all denen helfen, die bereit sind, in Palästina . sich anzusiedeln. Beim Gebet richten wir unser Antlitz gen Zion. Unsere Arbeit soll ebenfalls dahin gerichtet sein. Cardiff. Auf einer Versammlung der Zionisten Cardiffs am verflossenen Sonntag verlas der Schriftführer, Herr N. S. Burstein, folgenden Bericht des neilgewählten Vorsitzenden der englischen Federation, Dr. M. Gaster: „Ich will in einigen wenigen Worten die leitenden Gesichtspunkte und die Hauptereignisse der jüngsten Konferenz in Birmingham zusammenfassen. Das hervorstechendste Ergebnis der Konferenz ist die von den Delegierten fast einstimmig ausgedrückte Überzeugung, daß die Zeit gekommen ist, um die Tätigkeit des Zionismus mit sehr viel Aussicht auf Erfolg und so schnell als möglich auf die praktische Arbeit in Palästina hinzulenken. Es wurde allgemein der Empfindung Ausdruck gegeben, daß theoretische Auseinandersetzungen und Diskussionen nur wenig Zweck mehr hätten, und daß die politische Tätigkeit, die bisher offensichtlich steril war, wirkungsvoller sein würde, wenn sie gestützt wäre auf die soliden Tatsachen positiver Erfolge in der Regeneration des Landes selbst, Erfolge, die die Frucht zionistischer Arbeit sein müßten. Deshalb wurden Resolutionen gefaßt, die im Namen der vereinigten Zionisten Englands vor den nächsten Kongreß gebracht werden sollen 'und in denen die englischen Zionisten verlangen, daß wir den Erwerb von Land in die Hand nehmen müssen, die Unterstützung industrieller Unternehmungen, die Errichtung von Schulen usw. Wir wollten damit unsere Übereinstimmung mit ähnlichen Resolutionen ausdrücken, die von großen zionistischen Organisationen in verschiedenen Ländern gefaßt worden sind, und wir wünschten damit eine geschlossene zionistische Gemeinschaft zu schaffen, die einig ist in ihren Zielen und ihren Mitteln. Ebenso wurde auf der Konferenz zum Ausdruck gebracht, daß die Zeit gekommen sei, die zefstreuten zionistischen Kräfte in England wieder zu vereinigen, daß die alten Differenzen vergessen werden müßten, daß wir uns alle auf eine gemeinsame Piatform zu gemeinsamer Arbeit und zu gemeinsamem Ziele stellen müßten. X . Die Wolken, die noch vor kurzem über der englischen Federation lagen, haben sich zerstreut und die Sonne scheint wieder auf unser Werk. X . Lassen Sie uns hoffen, daß der neue Friede nicht wieder gestört werden wird, damit das Werk unserer Hände gedeihen möge und damit wir der Wiederaufrichtung unseres Volkes näher und näher kommen mögen! Stiftungsfest der „Libanonia" Die Wiener akademische Verbindung Libanonia hat in der vergangenen Woche die Feier ihres 25. Semesters begangen. Samstag den 9. Februar 1907 fand ein interner Festkommers in dem Saale der „Großen Tabakspfeife" statt, der allen Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben wird. Sonntag 10. Februar 1907 fand auf der Bude der Verbindung, III. Gärtnergasse 3, ein Festkonvent statt. Zahlreiche „alte Herren" und Freunde der Verbindung sowohl aus Wien als auch aus der Provinz haben sich an den Jubiläumsfestlichkeiten beteiligt. Die „Libanonia" wurde im Jahre 1895, also noch vor dem Auftreten Theodor Herzls, gegründet und ist daher eine der ältesten zionistischen Organisationen. Infolge verschiedener Schwierigkeiten mußte sich die Verbindung auf 2 Semester suspendieren, doch ist in der letzten Zeit wieder ein sehr erfreulicher Aufschwung der „Libanonia" zu bemerken. Verschiedenes Leipzig. Zur Meßzeit wird die neue zionistische Lesehalle geöffnet sein, und zwar am 3. März von 3 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends, am 4., 5. und 6. März von 1 >8 - 1 -210 Uhr abends. Die zionistischen Meßgäste werden hierdurch zum Besuche höflichst eingeladen; Vorstandsmitglieder sind stets anwesend. Krems. Am 28. Jänner d.J. fanden hier die Kultuswahlen statt. Dem aus einigen Mitgliedern des Einzelvcrein „Zion" gebildeten „zionistischen Wahlkomitee" verdanken wir unsern Sieg. Zwei unserer Gesinnungsgenossen wurden gewählt. Unser Sieg gewinnt dadurch an Bedeutung, daß das von der Kulttisgemeinde eingesetzte Wahlkomitee einen erbitterten und verzweifelten Kampf führte, zu dem ihm kein Mittel zu schlecht war. Es dürfte hiermit dem assimilantischen Unwesen in unserer Gemeinde einigermaßen ein Ende gemacht sein. ZaleszcsykL Samstag den 2. Februar fand im Damenverein „Rachela" die erste Generalversammlung statt. Die Präsidentin. Frau Sali Lamm, hielt eine Ansprache, in welcher sie die Tätigkeit des Vereins im vergangenen Jahre schilderte. Hierauf wurde dii Wahl des Ausschusses vorgenommen. Gewählt wurden: Frau Sal Lamm, Präsidentin, Fr. Fryderyka Oberreger Vizepräsidentin, Frl Fryderyka Lagstein, Schriftführerin, Frl. Klara Sipperstein, II. Schrift führerin, Frau Henryka Feldmann, Kassiererin, Frl. Sabina Lamm Bibliothekarin, Frl. Pepi Brück, Ökonomin, Frl. Anna Rosenzweig Frl. Sabina Sucher, Frl. Berta Spindel, ohne Funktion. Wien. Chargenwahlen in der jüd.-akad. Verbindung „Ivria' für das XXXIL Semester: cand. jur. Leop. Friedmann X, canci phil. Max Reicher XX, cand. jur. Ernst Wechsberg XXX. Mittweida i. Sa. Der „Verein jüdischer Techniker" zu Mitt weida hat für das Sotnmersemester 1907 in den Vorstand folgend; Herren gewählt: stud. ing. Moses Gottlieb X, stud. ing. Menci Freibik XX, stud. ing. Ewsei Ratner XXX, stud. ing. Leii Gurwicz XX XX. Genannter Verein ist gerne bereit, jedem, der das hiesige Tech nikum zu besuchen beabsichtigt, alle Auskunft zu erteilen und X Wort und Tat beizustehen. Anfragen sind direkt an den „VereX jüd. Techniker in Mittweida i. Sa." zu richten.